Politik

Frankfurter Ex-OB Feldmann in Korruptionsprozess verurteilt

Der ehemalige Oberbürgermeister Frankfurts, Peter Feldmann, stand wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Das Gericht sah die Vorteilsannahme als erwiesen an. Feldmann wies die Vorwürfe bis zum Schluss zurück.
23.12.2022 11:08
Aktualisiert: 23.12.2022 11:08
Lesezeit: 2 min

Der abgewählte Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist im Korruptionsprozess vor dem Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Feldmann muss wegen Vorteilsnahme in zwei Fällen 120 Tagessätze zu 175 Euro zahlen, wie das Landgericht Frankfurt am Freitag bekanntgab. Außerdem muss er einen Wertersatz in Höhe von knapp 6000 Euro leisten. Bei dem Verfahren ging es um Feldmanns enge Beziehungen zur Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Staatsanwaltschaft warf Feldmann Korruption vor

Feldmann war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, er habe sich von der Awo vor deren Karren spannen lassen und sei bereit gewesen, sich als Politiker dem Sozialverband gegenüber wohlwollend zu verhalten. Im Gegenzug gewährte die Awo Vorteile, unter anderem einen überbezahlten Job für die damalige Freundin und spätere Frau Feldmanns an der Spitze einer neu geschaffenen deutsch-türkischen Kita der Awo in Frankfurt.

Auch um von der Awo eingeworbene Wahlkampfspenden ging es in dem Verfahren. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Vorteilsannahme in zwei Fällen eine Geldstrafe in Höhe von 31 500 Euro gefordert, aufgeteilt in 180 Tagessätze zu je 175 Euro.

Feldmann wies Korruptionsvorwürfe entschieden zurück

Feldmann hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und erklärt, er hoffe auf einen Freispruch. In seinem letzten Wort als Angeklagter beteuerte er: „Ich habe in keine Kasse gegriffen, und ich bin nicht korrupt.“ Die Verteidiger verlangten in ihren Plädoyers den Freispruch des SPD-Politikers. Der 64-Jährige habe nicht unzulässig Einfluss auf die städtische Politik genommen. Was die Kita-Leitung betrifft, habe Feldmann aufgrund der türkischen Herkunft und des einschlägigen Studiums seiner späteren Frau davon ausgehen dürfen, dass deren Einstellung rechtmäßig sei.

Das Verfahren steht im Zusammenhang mit dem Skandal um Betrugsvorwürfe in Millionenhöhe bei den Awo-Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden. Die frühere Wiesbadener Awo-Geschäftsführerin Hannelore Richter hatte Feldmann immer wieder mit SMS-Nachrichten, die in dem Verfahren verlesen wurden, zur Unterstützung aufgefordert.

Richter hatte als Awo-Sonderbeauftrage in Frankfurt der damaligen Freundin Feldmanns trotz fehlender Berufserfahrung und Qualifikation den Posten als Kita-Leitung verschafft. Zudem hatte sie Spenden für die Wiederwahl Feldmanns als Frankfurter OB gesammelt. Feldmann war – auch als Konsequenz aus der Anklage und dem Prozess – am 6. November mit einem Bürgerentscheid abgewählt worden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verschuldungsdynamik? Bundesrechnungshof warnt vor wachsender Staatsverschuldung
20.04.2026

Deutschland steht vor wichtigen finanzpolitischen Entscheidungen: Der Bundeshaushalt 2027 soll kommende Woche konkrete Formen annehmen....

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Unicredit greift deutsches Geldinstitut scharf an - und fordert strategische Neuausrichtung
20.04.2026

Im Ringen um die Commerzbank verschärft Unicredit den Ton und kritisiert zentrale Strukturen des Instituts. Die Commerzbank-Aktie zeigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI im Management: Warum Führung unersetzlich bleibt – Tipps von Experte Hilgenstock
20.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert Management, Beratung und Mittelstand rasant. Doch ersetzt KI wirklich Führungskräfte – oder...

DWN
Politik
Politik Tankrabatt ab 1. Mai erreicht Verbraucher womöglich verspätet
20.04.2026

Mit dem Tankrabatt plant die Politik sinkende Spritpreise. Doch zwischen Gesetz und Zapfsäule liegen komplexe Mechanismen. Schon einmal...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie unter Druck: Mehrere Belastungsfaktoren zugleich
20.04.2026

Die Volkswagen-Aktie zeigt sich angeschlagen, während externe Risiken und interne Debatten zunehmen. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit...

DWN
Panorama
Panorama Japan: Erdbeben erschüttert den Norden Japans - Warnung vor Tsunami-Welle
20.04.2026

Das jüngste Japan-Erdbeben sorgt für Unruhe und weckt Erinnerungen an vergangene Katastrophen. Ein Tsunami-Alarm wurde ausgelöst,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen QVC-Insolvenz: Teleshopping-Sender steht vor dem Aus - was das für Kunden heißt
20.04.2026

Die QVC-Insolvenz erschüttert die Teleshopping-Branche und stellt ein jahrzehntelang erfolgreiches Geschäftsmodell infrage. Während der...

DWN
Finanzen
Finanzen Straße von Hormus: Nahost-Konflikt treibt Ölpreis aktuell kräftig nach oben, Aktienfutures unter Druck
20.04.2026

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten eskalieren erneut und treiben die Ölpreise aktuell kräftig nach oben, während Aktienfutures...