Politik

Russische Öl-Tanker werden weiter vom Westen versichert

Im Dezember wurde ein Viertel der russischen Öl-Lieferungen auf dem Seeweg durch westliche Unternehmen versichert. Doch der Preisdeckel könnte Europa noch schwer schaden.
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29.12.2022 17:29
Lesezeit: 3 min
Russische Öl-Tanker werden weiter vom Westen versichert
Ölförderanlage in Neftejugansk in Westsibirien. Russische Tanker finden vorerst noch westliche Versicherer. (Foto: dpa) Foto: Yuri Kochetkov

Westliche Versicherer versichern auch weiterhin russische Rohöllieferungen auf dem Seeweg nach Indien, China und in die Türkei. Laut dem vom Westen verhängten Preisdeckel ist dies nur dann zulässig, wenn Russland für das Öl einen Preis von maximal 60 Dollar erhält. Die Staaten außerhalb des Westens zahlen aber in der Regel einen günstigeren Preis.

Seit dem 5. Dezember, als der Preisdeckel und ein EU-Importverbot für russisches Öl auf dem Seeweg in Kraft traten, wurde etwa ein Viertel der russischen Rohöltransporte auf dem Seeweg durch westliche Unternehmen versichert, wie aus einer aktuellen Analyse der Financial Times hervorgeht, die Schifffahrts- und Versicherungsunterlagen untersucht hat.

Ein Ende finden könnte die Versicherung russischer Öl-Tanker durch westliche Versicherer, sobald das Dekret in Kraft tritt, das der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag unterzeichnet hat. Denn das Dekret verbietet ab dem 1. Februar 2023 den Verkauf von Öl an Käufer, die dazu verpflichtet sind, den Preisdeckel einzuhalten, der von den G7-Staaten und Australien gegen Russland verhängt wurde.

Im Rahmen dieser Preisobergrenze können Käufer von russischem Rohöl außerhalb der EU weiterhin westliche Dienstleistungen wie Versicherungen und Maklerdienste in Anspruch nehmen, wenn sie nachweisen, dass sie weniger als 60 Dollar pro Barrel bezahlt haben. Die westlichen Dienst bilden die Grundlage des weltweiten Erdölhandels auf dem Seeweg.

Die russische Ural-Mischung, die über die Ostsee verschifft wird und die seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine im Februar mit einem Abschlag auf die Brent-Rohölsorte verkauft wird, wird bereits deutlich unter 60 Dollar pro Barrel gehandelt. Moskau hatte jedoch wiederholt geschworen, Verkäufe zu blockieren, welche sich an die Obergrenze gebunden sehen.

Das neue russische Dekret, das im Februar in Kraft tritt und fünf Monate lang gelten wird, besagt, dass der Kreml den Verkauf von Rohöl und rohstoffverwandten Produkten des Landes im Rahmen von Verträgen verbieten wird, die "direkt oder indirekt einen Preisdeckungsmechanismus implizieren". Das Verbot gilt für alle Stufen bis hin zum Endabnehmer.

Allerdings heißt es darin auch, dass Putin unter bestimmten Umständen eine "Sondergenehmigung" erteilen kann, damit einige Käufe im Rahmen der Preisobergrenze fortgesetzt werden können. Diese Formulierung ebnet Russland möglicherweise den Weg, um weiterhin Rohöl an Produzenten in Märkten wie Indien und China zu verkaufen.

Mindestens 18 russische Rohölladungen wurden seit Beginn der Preisobergrenze am 5. Dezember auf westlich versicherte Tanker verladen, wie die Financial Times anhand von Daten des Frachtdaten- und Analyseunternehmens Kpler feststellt. Dies entspricht etwa einem Viertel der 63 von Kpler ermittelten Schiffe, die zwischen dem 5. und 25. Dezember russisches Rohöl transportierten.

Mindestens neun der 18 westlich versicherten Schiffe waren für Indien bestimmt, sechs für China und eines für die Türkei. Jedes Schiff verfügte über einen aktuellen Versicherungsschutz eines westlichen Versicherers. Vier weitere westlich versicherte russische Öltanker waren für Bulgarien bestimmt. Denn das EU-Land Bulgarien ist von dem EU-Importverbot für russisches Öl bis Ende 2024 ausgenommen, da seine Raffinerien von russischem Rohöl abhängig sind.

In den ersten drei vollen Dezemberwochen exportierte Russland rund 50 Millionen Barrel seines Rohöls über den Seeweg, verglichen mit 67 Millionen Barrel im gleichen Zeitraum im November. Laut Matthew Wright, einem Analyst bei Kpler, ist Rückgang auf "einen witterungsbedingten Rückgang der Exporte aus Ostsibirien und eine Zunahme der Raffinerieaktivitäten in Russland zurückzuführen, die Rohöl von den Exporten abgezogen haben".

Obwohl der Preisdeckel es westlichen Unternehmen ermöglicht, weiterhin solche Ladungen zu zeichnen, ist es für Verlader schwieriger geworden, bestimmte Arten von Versicherungen zu erhalten. Globale Schutz- und Entschädigungsversicherer haben am 23. Dezember Änderungen für bestimmte Policen, einschließlich der Haftpflichtversicherung für Befrachter, herausgegeben, die Schäden aus dem Konflikt "oder einer Ausweitung" desselben ausschließen.

Versicherer wie der American Club, die ihre Exponierung gegenüber dem Ukraine-Konflikt begrenzen, bieten bestimmte Deckungen nicht mehr an, die am 1. Januar erneuert werden sollen. Sie berufen sich dabei auf Schritte ihrer Rückversicherer. Auf dem Londoner Markt nähern sich die Erneuerungen zum Jahresende rasch ihrem Termin, und das Interesse der Rückversicherer an einer Verlängerung der sogenannten Kriegsrisikoversicherung für die Region ist sehr gering.

Eine hochrangige Person auf dem Markt, die anonym bleiben möchte, sagte der Financial Times, dass die von den Rückversicherern geforderten weit gefassten Ausschlüsse für die Ukraine "enorme Probleme" für Unternehmen verursachen, die versuchen, Vermögenswerte in der Region zu versichern, von denen viele "netto" zeichnen müssen, das heißt ohne Rückversicherungsschutz.

Dies könnte auch zu Komplikationen bei der Verschiffung von kasachischem Öl führen - vor allem für das Caspian Pipeline Consortium. Das CPC transportiert Öl aus dem Binnenland Kasachstan zum russischen Hafen Noworossijsk, um es über das Schwarze Meer zu befördern. Seit dem 5. Dezember hat das CPC-Terminal nach Angaben von Kpler 38 Schiffe beladen, die alle westlich versichert waren.

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