Politik

VW erteilt der Anti-China-Agenda der Grünen eine klare Abfuhr

Volkswagen will sich nicht an der von den Grünen initiierten Kampagne gegen Deutschlands wichtigsten Handelspartner beteiligen.
16.01.2023 11:01
Aktualisiert: 16.01.2023 11:01
Lesezeit: 2 min
VW erteilt der Anti-China-Agenda der Grünen eine klare Abfuhr
Eine Frau säubert am 20.04.2014 auf dem Messestand von Volkswagen bei der Auto China im chinesischen Peking das Emblem eines Volkswagen Santana. (Foto: dpa) Foto: Friso Gentsch/Volkswagen

In der Debatte über das Verhältnis des Westens zu China rät Volkswagen der Politik von überzogenen Forderungen ab. „Wir sollten unsere Position in China politisch nicht absichtlich schwächen“, sagte China-Vorstand Ralf Brandstätter vor Journalisten in Berlin. „Wir sind der Meinung, Entkoppelung kann nicht die Probleme des 21. Jahrhunderts lösen.“

China werde seine Beziehungen zur Welt verändern. Darauf müssten sich Europa und Deutschland einstellen und ihre Strategie anpassen. Die Volksrepublik bleibe für die internationale Automobilindustrie ein entscheidender Markt. „Wir müssen gerade jetzt im Austausch bleiben. Dazu helfen enge wirtschaftliche Beziehungen.“

Grüne gegen Peking

Teile der Bundesregierung – insbesondere das von Annalena Baerbock geleitete Außenministerium und das von Robert Habeck geleitete Wirtschaftsministerium – propagieren in Wirtschaftsfragen einen schärferen Kurs gegenüber China und fordern von den Unternehmen, ihre Präsenz auf diesem großen Markt zu verringern.

Zuletzt versuchte Habeck, den von Stadt und Hafen Hamburg ausdrücklich gewünschten Teil-Einstieg der chinesischen COSCO-Reederei an einem Terminal im Hafen zu verhindern - letztendlich erfolglos.

Lesen Sie dazu: Wirtschaft warnt: Habeck sabotiert Beziehung zu Deutschlands wichtigstem Handelspartner

Baerbock dringt hingegen verstärkt auf eine politische Konfrontation mit Peking, die sie mit Menschenrechtsfragen begründet, und will ebenfalls wie Habeck die wirtschaftliche Kooperation einschränken. Gegenüber anderen Ländern tritt Baerbock beim Thema Menschenrechte weitaus weniger aktiv auf - so äußerte sie sich beispielsweise nicht öffentlich zum autoritär geführten Aserbaidschan, welches zuletzt seinen Nachbarn Armenien angegriffen hatte.

Auch die Europäische Union pocht auf mehr Gleichberechtigung und Fairness in den Wirtschaftsbeziehungen zu China. Brandstätter warnte davor, blauäugig zu sein. „Abhängigkeiten muss man bewerten und auch reduzieren, politisch wie wirtschaftlich, aber unternehmerisch vernünftig“, betonte er. Volkswagen passe seine Strategie an und werde seine technologische Entwicklung noch stärker im Reich der Mitte erbringen.

Die chinesische Regierung verfolgt den Plan, bei vernetzten und selbstfahrenden Fahrzeugen (Intelligent Connected Vehicles) führend zu sein. Davon profitierten viele chinesische Unternehmen. Der Wolfsburger Konzern, der angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch heimische Hersteller auf seinem größten Markt unter Druck steht, wolle sich dem Wettbewerb stellen und an der Entwicklung partizipieren, sagte Brandstätter. Der Konzern werde die Geschwindigkeit erhöhen, um neue E-Autos zu entwickeln. Chinesische Wettbewerber bräuchten dazu nur etwa zweieinhalb Jahre, Volkswagen dagegen annähernd vier Jahre. VW werde wegen seiner Qualitätsansprüche auch weiter etwas mehr Zeit benötigen, könne an einigen Stellen aber schneller werden.

Besuch in Xinjiang angekündigt

Auf globaler Ebene diversifiziert Volkswagen derzeit seine Märkte, um Abhängigkeiten zu verringern. So investieren die Wolfsburger kräftig in Nordamerika und sichern dort auch einen Teil des Bedarfs an Rohstoffen für Elektroautos ab. In absehbarer Zeit soll in der Region auch eine Batteriezellfabrik entstehen.

Die USA werben mit massiven Steuererleichterungen um Technologien für erneuerbare Energien wie Elektroautos und versuchen, in großem Stil europäische Unternehmen zu einem Wegzug nach Nordamerika zu bewegen.

Mit Blick auf den Konflikt Chinas mit Taiwan sagte Brandstätter, alle seien sich des hohen Risikos bewusst. „Wir sehen im Moment eher, dass alle Beteiligten an Deeskalation interessiert sind, und weniger an einer Eskalierung.“

Lesen Sie dazu: Taiwan: Oppositionelle Kuomintang gewinnt Abstimmung über künftige China-Strategie

Brandstätter kündigte für Februar einen Besuch in der chinesischen Provinz Xinjiang an, wo Volkswagen zusammen mit dem Staatskonzern SAIC ein Werk betreibt. In der Region im Nordwesten Chinas lebt die muslimische Minderheit der Uiguren, die nach einer Reihe schwerer islamistischer Attentate in den vergangenen Jahren vom chinesischen Staat strikt kontrolliert wird. Von der US-Regierung wird die Xinjiang-Frage im Rahmen ihres multidimensionalen Feldzuges gegen China instrumentalisiert.

„Wir werden alles tun, was in unserer Kraft liegt, damit es in diesem Werk vernünftige Arbeitsbedingungen gibt. So wie in allen anderen Werken auch“, sagte Brandstätter. Auch das Lieferantennetz prüfe VW genau. „Wir haben keine Hinweise auf Menschrechtsverletzungen oder Zwangsarbeit.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Verteidigungstechnik: Deutsches Drohnenunternehmen steigt bei HEVI Optronics ein
12.03.2026

Ein deutsches Drohnenunternehmen steigt beim estnischen Sensorhersteller HEVI Optronics ein und übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung....

DWN
Politik
Politik Konflikt im Persischen Golf: Trump ruft zur Nutzung der Straße von Hormus auf
12.03.2026

US-Präsident Donald Trump sieht die USA im Konflikt mit dem Iran militärisch im Vorteil und fordert Ölfirmen auf, die Straße von Hormus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie in der Krise: Warum 2026 wieder besser werden könnte
12.03.2026

Die Gewinne brechen ein, die Unsicherheit wächst – doch die deutsche Autoindustrie setzt auf eine Wende. Warum Experten ausgerechnet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zalando: Schließung in Erfurt überschattet starkes Wachstum
12.03.2026

Zalando meldet starkes Wachstum, steigende Umsätze und Fortschritte bei KI. Doch die Schließung des großen Logistikstandorts in Erfurt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo: Ölreserven halten nur drei Monate
12.03.2026

Die strategischen Ölreserven der Welt könnten schneller aufgebraucht sein als gedacht. Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor Knappheit,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fünf Warnsignale für Unternehmen: Woran lässt sich schwaches Management erkennen?
12.03.2026

Viele Unternehmen wirken nach außen stabil, obwohl sich intern bereits Schwächen in Strategie, Entscheidungsprozessen und Organisation...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Logistikverbände schlagen Alarm: Hohe Spritpreise sind nicht zu verkraften - staatliche Entlastung ist notwendig
12.03.2026

Deutsche Logistikverbände ⁠schlagen wegen der kriegsbedingt gestiegenen Kraftstoffpreise Alarm. In einem Appell fordern sie von der...

DWN
Panorama
Panorama Künstliche Intelligenz in der Medizin: Wie zuverlässig sind KI-Diagnosen wirklich?
12.03.2026

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im Gesundheitsbereich zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen wenden sich bei Beschwerden...