Politik

USA haben Nord Stream gesprengt, sagt Seymour Hersh

Der Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh macht die USA für die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines verantwortlich. Präsident Biden soll den Anschlag angeordnet haben.
Autor
08.02.2023 17:11
Aktualisiert: 08.02.2023 17:11
Lesezeit: 3 min
USA haben Nord Stream gesprengt, sagt Seymour Hersh
Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ am 17. Juni nach einem Nato-Manöver, das den USA als Tarnung für die Platzierung der Minen an den Nord-Stream-Pipelines gedient haben soll. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Die Sprengung der beiden Nord-Stream-Gaspipelines im September in der Ostsee war eine verdeckte Operation, die vom Weißen Haus angeordnet und von der CIA durchgeführt wurde. Dies sagt ein Bericht des berühmten US-Journalisten Seymour Hersh, der im Jahr 1970 für seine journalistische Arbeit im Vietnamkrieg mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

Seymour Hersh behauptet, dass US-Tiefseetaucher unter dem Deckmantel einer Nato-Militärübung Minen entlang der Pipelines platziert haben, die später ferngesteuert zur Explosion gebracht wurden. Einigkeit herrschte zunächst nur darüber, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um einen vorsätzlichen Anschlag handelte, aber nicht darüber, wer die Schuldigen sind.

Der 85-jährige Hersh hat unter anderem über den Massenmord an 500 Zivilisten in My Lai in Vietnam und die Folterung von Gefangenen im Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak berichtete. Nun nennt er die USA erneut als Schuldigen. Er behauptet, dass die Operation gegen Nord Stream von US-Präsident Joe Biden angeordnet und der Angriff von der CIA in Zusammenarbeit mit Norwegen durchgeführt wurde.

In einem 5.000 Wörter umfassenden Bericht, der am Mittwoch auf der Online-Publikationsplattform Substack veröffentlicht wurde, schreibt Hersh, dass die Operation "unter dem Deckmantel einer weithin bekannten NATO-Übung im Hochsommer, bekannt als Baltic Operations 22 oder BALTOPS 22" getarnt war, die im Juni vor der deutschen Küste durchgeführt wurde.

Bidens Entscheidung, die Pipelines zu sabotieren, sei nach mehr als neun Monaten streng geheimer Planung innerhalb der US-Geheimdienste getroffen wurde. "Während eines Großteils dieser Zeit ging es nicht um die Frage, ob die Mission durchgeführt werden sollte, sondern wie sie durchgeführt werden konnte, ohne dass klar war, wer dafür verantwortlich war", schreibt Hersh.

Hersh zitiert eine anonyme Quelle "mit direkter Kenntnis der Einsatzplanung" und berichtet, dass Tiefseetaucher der US-Marine C4-Sprengstoff entlang der Pipeline platziert haben. Am 26. September soll dann ein P8-Überwachungsflugzeug der norwegischen Marine bei "einem scheinbar routinemäßigen Flug" eine Sonarboje abgeworfen haben, welche die Sprengung ausgelöst haben soll.

"Das Signal breitete sich unter Wasser aus, zunächst zu Nord Stream 2 und dann zu Nord Stream 1", schreibt Hersh. "Wenige Stunden später wurden die C4-Hochleistungssprengstoffe ausgelöst und drei der vier Pipelines außer Betrieb gesetzt. Innerhalb weniger Minuten konnte man sehen, wie sich Methangas, das in den stillgelegten Pipelines verblieben war, an der Wasseroberfläche ausbreitete, und die Welt erfuhr, dass etwas Unumkehrbares geschehen war."

Hersh merkt an, dass Biden und sein außenpolitisches Team, zu dem auch sein nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan, sein Staatssekretär Antony Blinken und die Staatssekretärin für politische Angelegenheiten Victoria Nuland gehören, sich gegen Nord Stream 2 ausgesprochen hatten, das Europa für Jahrzehnte an russisches Gas gebunden hätte.

Die anonyme Quelle von Hersh sagt, dass aufgrund der Drohung des US-Präsidenten, Nord Stream 2 "ein Ende zu setzen", die Zerstörung der Pipeline "nicht mehr als verdeckte Option angesehen werden kann, weil der Präsident gerade verkündet hat, dass wir wissen, wie wir es machen können".

"Der Plan, Nord Stream 1 und 2 zu sprengen, wurde plötzlich von einer verdeckten Operation, über die der Kongress informiert werden musste, zu einer hoch geheimen Geheimdienstoperation mit militärischer Unterstützung der USA herabgestuft", schreibt Hersh. In der Folge gab es seiner Quelle zufolge "keine rechtliche Verpflichtung mehr, den Kongress über die Operation zu informieren".

Hershs Bericht folgt auf die Behauptung des russischen Außenministers Sergej Lawrow von letzter Woche, der Angriff sei von Washington durchgeführt worden, um seine globale Vorherrschaft zu sichern. Moskau hatte zuvor Großbritannien beschuldigt, die Pipelines gesprengt zu haben, ohne jedoch Beweise zu liefern.

Letzte Woche enthüllte die britische Times, dass die deutschen Ermittler nach wie vor für Theorien offen sind, wonach ein westlicher Staat den Bombenanschlag verübt hat, um ihn Russland in die Schuhe zu schieben. Die Explosionen werden auch von Dänemark und Schweden untersucht. Einige westliche Beamte verdächtigten zunächst den Kreml, hielten sich jedoch mit einer formellen Anschuldigung zurück.

Nach dem Anschlag wies die US-Regierung Behauptungen über eine Beteiligung der USA an dem Anschlag zurück. "Die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten in irgendeiner Weise an der offensichtlichen Sabotage dieser Pipelines beteiligt waren, ist absurd. Sie ist nichts weiter als eine Funktion der russischen Desinformation und sollte als solche behandelt werden", erklärte das US-Außenministerium.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...