Politik

Neue EU-Abgasnorm: Autobranche warnt vor Produktionsausfällen

Der Auto-Verband VDA sieht die neue Euro-7-Abgasnorm der EU als nicht umsetzbar und warnt vor Produktionsausfällen. Vor allem Dieselautos sind in Gefahr.
09.02.2023 13:03
Aktualisiert: 09.02.2023 13:03
Lesezeit: 1 min

Der Auto-Verband VDA warnt bei der Einführung der Euro-7-Abgasnorm vor Produktionsausfällen und Angebotsengpässen. "Die aktuellen Vorschläge sind kostenintensiv, technologisch nicht sicher umsetzbar und umfassen zulassungsrechtliche Risiken", teilte VDA-Präsidentin Hildegard Müller am Donnerstag mit.

In der kurzen Zeit könnten nicht genügend Fahrzeuge mit den Voraussetzungen entwickelt und genehmigt werden. Entscheidend sei, dass eine Weiterentwicklung der Abgasnorm auf Augenmaß und Machbarkeit setze und zugleich einen hohen Wirkungsgrad erreiche. "Dies ist in dem aktuellen Entwurf leider ausdrücklich nicht der Fall."

Die Europäische Union hatte Ende 2022 einen Vorschlag zur Euro-7-Norm vorgelegt. Demnach sollen nur noch Dieselfahrzeuge zugelassen werden, die nicht mehr als 60 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen - so viel wie Benzinautos heute schon. Für Benziner ändert sich der Grenzwert nicht. Erstmals sind auch Grenzwerte für den Abrieb von Reifen und Bremsen vorgesehen. Die Norm soll für Autos gelten, die ab dem 1. Juli 2025 auf den Markt kommen, für Busse und Lastwagen wird sie zwei Jahre später eingeführt.

In der Autobranche stößt dabei insbesondere auf Kritik, dass die Abgaswerte in mehr Fahrsituationen eingehalten werden müssen. Der Entwurf stelle eine starke Verschärfung der Gesetzgebung durch deutlich aufgeweichte und teils vollkommen aufgehobene Testrandbedingungen dar, heißt es in einem VDA-Positionspapier. Zudem fehle der Schutz vor missbräuchlichem Testen. "Tests können auf unrealistische worst-case-Bedingungen ausgelegt werden", heißt es. Damit könne Euro 7 unerfüllbar werden, in jedem Fall aber teuer und aufwendig wegen nicht repräsentativer Anwendungsfälle. "Eine Rechtssicherheit für die Typgenehmigung der Fahrzeuge ist durch die aktuelle Euro 7 Vorlage nicht zu gewährleisten." Als Alternative schlug der Verband eine stärkere Reduzierung der Emissionswerte bei gleichbleibenden Testrandbedingungen vor.

Auf Kritik stößt beim VDA auch die Regulierung von Partikelemissionen aus Brems- und Reifenabrieb. So liege bislang noch keine Messmethode vor, heißt es. "Es gilt, erst die Messmethode zu finalisieren, dann eine Evaluierung dieser Methode durchzuführen und darauf basierend die Definition von Grenzwerten anzugehen", sagte Müller. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel-Chef Florian Huettl: Kann sein leiser Kurs die Traditionsmarke retten?
18.07.2026

Andere Automanager inszenieren sich, Florian Huettl hört lieber Kunden und Händlern zu. Der Opel-Chef soll eine deutsche Traditionsmarke...

DWN
Technologie
Technologie CATL: Europa baut Ladestationen, China Batteriewechselstationen
18.07.2026

Das chinesische Unternehmen CATL will bis 2030 80 Prozent des chinesischen Güterverkehrs mit einem Netz von Batteriewechselstationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.