Deutschland

Deutscher Exportüberschuss wegen teurer Energie eingebrochen

Der deutsche Exportüberschuss war 2022 so klein wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Ursache ist die teure Energie und das Handelsdefizit mit einem Land.
16.02.2023 08:55
Aktualisiert: 16.02.2023 08:55
Lesezeit: 2 min

Der deutsche Exportüberschuss ist im vergangenen Jahr wegen stark gestiegner Preise für die Einfuhr von Energie so gering ausgefallen wie seit 2020 nicht mehr. Die Exporte übertrafen die Importe nur noch um 79,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. 2021 hatte der Überschuss noch bei 175,3 Milliarden Euro gelegen. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor rund einem Jahr haben sich beispielsweise Erdöl und Erdgas massiv verteuert und die deutsche Energierechnung nach oben getrieben.

Im Warenaustausch mit China gab es sogar ein Rekord-Handelsdefizit von 84,3 Milliarden Euro. Das lag daran, dass die Importe aus der Volksrepublik um 33,6 Prozent zunahmen und mit 191,1 Milliarden Euro eine Höchstmarke erreichten, während die deutschen Exporte dorthin nur um 3,1 Prozent auf 106,8 Milliarden Euro zulegten.

Bundesfinanzminister Christian Linder sieht das kritisch. "Gefährliche Entwicklung: Das deutsche Handelsdefizit mit #China hat sich 2022 mehr als verdoppelt", twitterte der FDP-Politiker am Freitag. "Aus den Erfahrungen mit Russland sollten wir lernen. Statt in zu große Abhängigkeiten zu geraten, müssen wir dringend umdenken - und auf mehr Freihandel mit Wertepartnern setzen."

China blieb 2022 trotz seiner damals noch strikten Corona-Politik mit Lockdowns von Metropolen und Industriebetrieben erneut der wichtigste deutsche Handelspartner - das siebte Jahr in Folge. Der Außenhandelsumsatz mit der Volksrepublik - Exporte und Importe zusammen - summierte sich auf 297,9 Milliarden Euro. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die USA mit einem Plus von 27,5 Prozent auf 247,8 Milliarden Euro und die Niederlande mit einem Anstieg um 13,3 Prozent auf 233,6 Milliarden Euro.

Wichtigster Abnehmer von Waren "Made in Germany" blieben die Vereinigten Staaten. Die Ausfuhren in die weltgrößte Volkswirtschaft zogen um 27,9 Prozent auf 156,1 Milliarden Euro an. Die USA verteidigten damit das achte Jahr in Folge ihren Spitzenplatz. Auf Rang zwei der wichtigsten Abnehmerstaaten lag Frankreich mit einem Plus von 13,0 Prozent auf 116,1 Milliarden Euro, gefolgt von den Niederlanden mit plus 9,5 Prozent auf 110,6 Milliarden Euro.

Großbritannien ist im vergangenen Jahr erstmals aus den Top Ten der wichtigsten deutschen Handelspartner herausgefallen. Der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern wuchs zwar um 14,1 Prozent auf 111,0 Milliarden Euro. In der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner rutschte das Vereinigte Königreich aber auf Platz elf ab - direkt hinter Tschechien. 2017, dem Jahr nach dem Brexit-Referendum, hatte das Vereinigte Königreich noch Rang fünf belegt. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E20-Benzin wartet auf grünes Licht: Wird der Kraftstoff günstiger?
20.10.2026

Drei deutsche Europaabgeordnete fordern Brüssel auf, E20-Benzin einzuführen. Sie argumentieren unter anderem damit, dass ein höherer...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Markt hat den Verstand verloren: Ich kaufe heute Micron-Aktien nach
20.10.2026

Die Micron-Aktie ist seit ihrem Sommerhoch um fast 30 Prozent gefallen, allein in fünf Handelstagen verlor sie rund 15 Prozent. Technische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Energiewende: Zehn zentrale Erfolge und Lehren für Europa
20.10.2026

China hat seine Energiewende eng mit Industriepolitik und Versorgungssicherheit verknüpft. Das Ergebnis ist widersprüchlich, aber...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
20.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie: Rapider Stellenabbau von fast einer halben Million Arbeitsplätze
20.10.2026

Die deutsche Wirtschaft erlebt einen verschärften Strukturwandel: Die Industrie hat seit 2019 knapp eine halbe Million...

DWN
Finanzen
Finanzen Steueroasen und Briefkastenfirmen: Datenträger führt zu 398 Verdachtsfällen in Deutschland
20.10.2026

Ein Datenträger mit mehr als drei Millionen Dateien führt die Ermittler zu 398 Verdachtsfällen in Deutschland. Nun müssen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
20.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....