Technologie

„Technik noch nicht ausgereift“: Pannen bei E-Autos nehmen deutlich zu

Die Pannenhilfe des ADAC registriert eine deutliche Zunahme von Schäden bei E-Autos. Besonders ein Bauteil verursache oft Probleme.
23.05.2023 13:51
Aktualisiert: 23.05.2023 13:51
Lesezeit: 2 min
„Technik noch nicht ausgereift“: Pannen bei E-Autos nehmen deutlich zu
Pannen haben bei E-Autos deutlich zugenommen. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Die ADAC-Pannenhilfe hatte im vergangenen Jahr wegen des milden Winters etwas weniger Einsätze. Deutlich zugelegt haben aber die Pannen bei Elektroautos, wie der Verein Mitte März in einer Pressemitteilung schrieb.

Die Pannenhelfer mussten demnach 52.000 Mal liegengebliebene E- und Hybrid-Fahrzeuge versorgen. Im Vorjahr waren es nur 25.000 Einsätze. Weitaus häufigste Ursache waren defekte Starterbatterien mit einem Anteil von weit über 50 Prozent.

Das sei umso auffälliger, als E-Autos durch die geringere Zahl an Bauteilen weniger pannenanfällig sein sollten, sagte der Leiter der ADAC-Pannenhilfe, Thomas Reynartz. Bei einzelnen Modellen sei die Technik aber offensichtlich noch nicht ausgereift, zitierte die dpa Reynartz. „Das Auto springt dann nicht an“, unabhängig davon, ob der Fahrakku voll ist.

„Aufgrund der rasanten Zunahme an Elektrofahrzeugen und heute noch vorliegenden Schwächen im Batterie-Management vieler E-Autos erwartet der Club ein deutlich steigendes Pannenaufkommen.“

In einem Praxistest prüft der ADAC auch die Einsatztauglichkeit von mobilen Schnellladegeräten für das Anladen von leergelaufenen Akkus. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren in Deutschland Ende 2022 gut eine Million vollelektrische Autos und 865.000 Plug-in-Hybride unterwegs - die meisten davon in der vergangenen drei Jahren wegen hoher staatlicher Subventionen neu zugelassen.

Noch keine Fazit möglich

Insgesamt verzeichneten die vom ADAC kürzlich im Rahmen eines Tests untersuchten Elektroautos und Verbrenner eine geringe Pannenanfälligkeit. Ob Autos mit Verbrennungsmotor oder E-Autos weniger anfällig sind, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden - etwa, weil Elektroautos im Schnitt viel jünger sind als Verbrenner, deren Durchschnittsalter rund zehn Jahre beträgt. Der ADAC beschreibt in einer Mitteilung weitere Gründe, die einem Fazit derzeit entgegenwirken:

  • Bei den aktuell erzielbaren hohen Kaufpreisen für E-Fahrzeuge sind die Hersteller vermutlich weniger versucht, Kostenersparnisse bei pannensensiblen Bauteilen durchzusetzen.

  • Die aktuell auf der Straße befindlichen E-Fahrzeuge sind auch für die Hersteller noch Neuland. Insofern ist es gut möglich, dass die Pannen-Wahrscheinlichkeit durch Lerneffekte/technische Verbesserungen in Bezug auf einzelne Bauteile gesenkt werden können.

  • Ob die Reifen, die durch das hohe Gewicht von Elektroautos einer ungleich stärkeren Belastung ausgesetzt sind, über die Jahre standhalten, ist ungewiss. Noch sind die Laufleistungen der aktuellen E-Fahrzeuge geringer als bei den Verbrennern. Höhere bzw. andere Belastungen müssen auch Achsen, Achsaufhängungen und Bremsen aushalten. Die Langzeitfolgen kennen wir heute noch nicht.

  • Ob die Hochvoltbatterien vergleichbar lang ihren Dienst tun werden wie ein Verbrennungsmotor (Diesel und Benziner), darüber kann die Pannenstatistik Stand heute keinerlei Auskunft geben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa in der KI-Abhängigkeit: Wie Software die Wertschöpfung verlagert
27.04.2026

KI verschiebt die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse in Europa und macht technologische Abhängigkeit zu einem Risiko für Wohlstand und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Steigende Kerosinpreise: Europäische Fluggesellschaften reduzieren Verbindungen
26.04.2026

Steigende Kerosinpreise setzen den europäischen Luftverkehr zunehmend unter Druck und zwingen Airlines zu Anpassungen bei Angebot und...

DWN
Politik
Politik Größte Fregatte der Welt: Warum die F126 die Deutsche Marine in der Milliardenfalle hält
26.04.2026

Die Bundeswehr wartet auf ihre neuen U-Boot-Jäger. Und wartet, und wartet. Sechs Fregatten der Klasse F126, einst als größte ihrer Art...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Azubi gesucht, kein Student: Welche Benefits für Auszubildende attraktiv sind
26.04.2026

Der berufliche Ausbildungsmarkt steht unter erheblichem Druck, die Hochschulen nicht: Seit 2002 schrumpfte die Zahl der Azubis um 24,5...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Europas Strategie zunehmend zerfällt
26.04.2026

Die Energiepreise steigen weiter und Europas Regierungen reagieren mit Milliardenhilfen, Steuererleichterungen und Notmaßnahmen. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Leben nach Tschernobyl: Schicksal eines Liquidators zwischen Atomkatastrophe und Krieg in Kiew
26.04.2026

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kämpft ein ehemaliger Liquidator noch immer mit den Folgen. Inmitten...

DWN
Finanzen
Finanzen Kevin Warsh vor Fed-Spitze: Politischer Druck auf die US-Notenbank wächst
26.04.2026

Die Entscheidung über die künftige Führung der US-Notenbank rückt näher und bringt politische Spannungen rund um den Fed-Vorsitz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues EU-Grenzsystem EES belastet Flughäfen: Branche warnt vor Verzögerungen
26.04.2026

Das neue EU-Grenzsystem EES sorgt an europäischen Flughäfen für wachsende Unsicherheit im Reiseverkehr und stellt Abläufe zunehmend auf...