Finanzen

Cum-Ex: Jahrelange Haft für Schlüsselfigur Hanno Berger

Früher kontrollierte Hanno Berger als Finanzbeamter für den Staat Banken. Später wirkte er an einem Geschäftsmodell mit, durch das der Fiskus um Milliarden geprellt wurde. Nun ist ein zweites Urteil gegen Mr. Cum-Ex gefallen.
30.05.2023 15:07
Aktualisiert: 30.05.2023 15:07
Lesezeit: 2 min
Cum-Ex: Jahrelange Haft für Schlüsselfigur Hanno Berger
Der Steueranwalt Hanno Berger kommt zum Prozessauftakt in den Gerichtssaal der Leichtbauhalle im Stadtteil Biebrich, die als Prozessgebäude des Landgerichts Wiesbaden dient. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Das Landgericht Wiesbaden hat die Schlüsselfigur im Cum-Ex-Steuerskandal, Hanno Berger, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 72-Jährige sei wegen Steuerhinterziehung in drei Fällen schuldig, entschied das Gericht am Dienstag (AZ: 6 KLs - 1111 Js 18753/21). Zudem sollen aus Bergers Vermögen Taterträge von knapp 1,1 Millionen Euro eingezogen werden.

Cum-Ex: Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte Berger vorgeworfen, von 2006 bis 2008 bei komplexen „Cum-Ex“-Aktiendeals mitgewirkt zu haben, die zu unberechtigten Steuerrückerstattungen von 113 Millionen Euro führten.

Bei den von Berger vermittelten Geschäften seien über frühere Beschäftigte der Hypovereinsbank Dax-Aktien im Wert von 15,8 Milliarden Euro gehandelt worden. Profiteur war ein inzwischen verstorbener Immobilieninvestor. Die Gewinne habe man aufgeteilt.

Das mögliche Höchstmaß für Berger hatte bei 15 Jahren gelegen. Die Anklage hatte eine Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch für Berger plädiert.

Hanno Berger war Schlüsselfigur im Cum-Ex-Betrug

Berger ist die bekannteste Figur des Geschäftsmodells, das der Bundesgerichtshof im Jahr 2021 als Straftat gewertet hat. Er beriet Banken, Fonds und Investoren bei der Konstruktion der Cum-Ex-Deals und warb über sein Netzwerk vermögende Kunden ein. Dafür kassierte er Millionen.

Einst war er Beamter in der hessischen Steuerverwaltung, später wechselte er die Seiten und machte sich als Steueranwalt selbstständig. Berger hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und sich als Opfer eines Justizskandals gesehen.

Berger hat zwar das Geschäftsmodell, bei dem Aktien mit (cum) und ohne (ex) Ausschüttungsanspruch rund um den Dividendenstichtag verschoben wurden und gar nicht gezahlte Steuern erstattet wurden, nicht erfunden. Er gilt aber als Wegbereiter dafür, dass Cum-Ex in Deutschland im großen Stil betrieben werden konnte. Wegen der Deals, die ihre Hochphase zwischen 2006 und 2011 hatten und bei Banken weit verbreitet waren, büßte der deutsche Staat geschätzt mindestens zehn Milliarden Euro ein. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen.

Berger hatte sich durch eine Flucht in die Schweiz jahrelang der deutschen Justiz entzogen. Er wurde im Februar 2022 ausgeliefert und im vergangenen Dezember am Landgericht Bonn zu acht Jahren Haft verurteilt. Mit dem Urteil in Wiesbaden kann per nachträglichem Beschluss eine Gesamtstrafe von bis zu 15 Jahren gebildet werden. Noch ist das Bonner Urteil aber nicht rechtskräftig. Berger hat dagegen Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Sachsen-Anhalt zeigt Deutschlands gefährliche Spaltung
07.09.2026

Wenn Ostdeutsche massenhaft AfD wählen, zeigen sie ihren westlichen Eroberer-Cousins den Mittelfinger.

DWN
Technologie
Technologie Datenleck in Berliner Verwaltung: Scharfe Kritik an Krisenmanagement und Transparenz
07.09.2026

Nach dem Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung üben Experten deutliche Kritik an der bisherigen Informationspolitik. Während die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tata-Motors-Aktie belastet: Sparkus lässt Jaguar Land Rover 4.000 Stellen streichen
07.09.2026

Europas Automobilindustrie kämpft gegen den Niedergang und setzt auf harte Reformen. Nun kündigt auch der britische Autobauer Jaguar Land...

DWN
Politik
Politik Absturz in Sachsen-Anhalt: Gerät Kanzler Merz jetzt ins Wanken?
07.09.2026

Nach der schmerzhaften Niederlage in Sachsen-Anhalt herrscht in den CDU-Gremien tiefste Katerstimmung. Der historische Stimmeneinbruch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Bank-Aktie stabil: Bank wendet Millionenforderung ab
07.09.2026

Die Deutsche Bank hat eine dreistellige Millionenklage eines ehemaligen Investmentbankers außergerichtlich beigelegt. Für Anleger der...

DWN
Politik
Politik Klage wegen Beihilfe zum Völkermord: Deutschland verteidigt sich vor UN-Gericht
07.09.2026

Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) pocht die Bundesrepublik darauf, dass ihre Waffenlieferungen an Israel vollumfänglich dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Legende Warren Buffett hielt lange am Geld fest – jetzt sorgt er mit einer großen Investition für Aufsehen
07.09.2026

Warren Buffett hat jahrelang mehr Aktien verkauft als gekauft und bei Berkshire Hathaway einen gigantischen Geldberg aufgebaut. Nun sorgt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fachkräftemangel: Wer berät die Kunden, wenn 39.000 Verkäufer fehlen?
07.09.2026

Persönliche Beratung soll den stationären Handel vom Internet unterscheiden. Doch ausgerechnet beim Verkauf zeichnet sich Deutschlands...