Politik

Nato-Staaten einig – Ukraine soll Mitglied werden

Nato-Chef Stoltenberg gab am Donnerstag in Oslo bekannt, dass alle Mitgliedsstaaten sich darin einig seien, die Ukraine in das Militärbündnis aufzunehmen. Zuvor müsse jedoch der Krieg gegen Russland gewonnen werden.
01.06.2023 15:52
Aktualisiert: 01.06.2023 15:52
Lesezeit: 2 min

Alle Nato-Staaten sind sich nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg grundsätzlich einig, dass die Ukraine dem Bündnis beitreten wird. Zuvor müsse aber sichergestellt werden, dass die Ukraine den russischen Angriffskrieg überlebe und als Gewinnerin daraus hervorgehe, sagte Stoltenberg zum Abschluss von Beratungen der Nato-Außenministerinnen und Außenminister am Donnerstag in Oslo. Die deutsche Ressortchefin Annalena Baerbock stellte klar, dass ein Nato-Beitritt der Ukraine aktuell nicht auf der Tagesordnung stehe.

Die Tür der Allianz für weitere Beitritte stehe zwar offen, sagte Baerbock vor Beginn der Beratungen in Oslo. Dies gelte vor allem für Schweden, aber grundsätzlich auch für die Ukraine. „Zugleich ist auch klar, dass wir mitten in einem Krieg nicht über eine neuere Mitgliedschaft sprechen können“, betonte sie.

Nato einig: Ukraine soll Mitglied werden

Stoltenberg machte deutlich, der Verlauf eines Krieges sei immer schwer vorhersehbar. Die Nato müsse aber darauf vorbereitet sein, die Sicherheit der Ukraine nach einem Ende des Kriegs garantieren zu können und zu verhindern, dass Russland das Nachbarland erneut überfallen werde.

Die Nato hatte der Ukraine bereits 2008 zugesichert, dass sie der Allianz grundsätzlich beitreten könne. Seitdem sind aber keine konkreten Schritte in diese Richtung erfolgt. Beim kommenden Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 11. und 12. Juli in der litauischen Hauptstadt Vilnius soll es nun eine belastbare Aussage über das weitere Vorgehen geben.

Unklar ist aber nach wie vor, wie genau diese ausgestaltet werden soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mahnte beim Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Moldau ein „klares Signal“ für die Zukunft seines Landes in der Nato an. Stoltenberg sagte, die Arbeiten dazu dauerten an.

Militärhilfe für Ukraine soll aufgestockt werden

US-Außenminister Antony Blinken kündigte umfassende Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine auf dem Nato-Gipfel an. Es werde „ein robustes Paket an politischer und militärischer Unterstützung“ geben, sagt Blinken in Oslo. Dabei gehe es darum, die Ukraine maximal in die Lage zu versetzen, ihr Territorium zurückzuerobern. Und es sei zugleich wichtig, die Ukraine an Nato-Standards heranzuführen, dies betreffe vor allem die militärische Interoperabilität.

Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis sagte, das Bündnis müsse jetzt „eine sehr konkrete Antwort finden, wie die Ukraine näher an die Nato rückt und wann sie ein Mitglied der Allianz wird“. Auch Estlands Außenminister Margus Tsahkna sprach sich für konkrete Ansagen aus. Dagegen schrieb der ungarische Außenminister Peter Szijjarto auf Facebook, der Beitritt der Ukraine könne wegen des Krieges nicht Gegenstand des Gipfels sein.

Nato-Beitritt Schwedens braucht Zeit

Im Fall Schwedens bekräftigten Baerbock und auch Blinken, dass das nordische Land bis zum Nato-Gipfel im Juli Mitglied im Bündnis sein müsse. Beim Nato-Gipfel vor einem Jahr in Madrid hätten alle Mitgliedstaaten Finnland und Schweden das Wort gegeben, dass sie in die Nato aufgenommen würden. „Dieses Wort gilt, und darauf müssen wir uns gegenseitig als Partner in einem Verteidigungsbündnis verlassen können“, sagte Baerbock.

Finnland ist mittlerweile als 31. Mitglied der Nato beigetreten. Die Aufnahme Schwedens wird nach wie vor von der Türkei blockiert, die der Regierung in Stockholm mangelnde Unterstützung im Kampf gegen kurdischen Extremismus vorwirft. Die Wiederwahl des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat die Hoffnung im Bündnis genährt, dass sich die Haltung der Regierung in Ankara ändern könnte. Stoltenberg kündigte an, schon bald in die Türkei zu reisen, um das Thema voranzubringen.

Schwedens Außenminister Tobias Billström, der an den Beratungen in Oslo teilnahm, zeigte sich vor dem Treffen zuversichtlich, was den Nato-Beitritt seines Landes betrifft. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon, und wir sehen das Ende davon.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yen-Intervention erschüttert die EZB und stellt Europas Vertrauen auf die Probe
10.08.2026

Washington stützt den Yen und greift dafür ausgerechnet auf Euro zurück. Dass die EZB erst nach der Intervention informiert wurde,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa erhitzt sich: Wegen sinkender Flüsse werden Kraftwerke gestoppt
10.08.2026

Über Europa zieht bereits die vierte Hitzewelle dieses Jahres hinweg. Die Hitze wird nicht nur mit Tausenden zusätzlichen Todesfällen in...

DWN
Politik
Politik Rente, Haushalt, Wahlen - welche Probleme auf Merz warten 
10.08.2026

Das Regierungsviertel in Berlin döst noch vor sich hin. Doch ein stürmischer Herbst kündigt sich an: Auf den Kanzler warten nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise Europa: Krieg wird zur größten Gefahr für das Finanzsystem
10.08.2026

Europas größte Banken halten militärische Konflikte inzwischen für die gefährlichste Bedrohung ihrer Bilanzen. Eine neue Untersuchung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Stihl vor Tarifrunde: 35-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß
10.08.2026

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – für dasselbe Gehalt? Nikolas Stihl sieht die 35-Stunden-Woche als Luxus vergangener Tage. Wie seine...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmangel treibt Preise: Mieten in Deutschland steigen deutlich
10.08.2026

Für Mieter gibt es weiter kaum eine Atempause: Ihre Wohnkosten ziehen kräftig an. Auch bei den Immobilienpreisen geht es bergauf. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Rüstungsbeschaffung: Top-Ökonom wirft Pistorius falsche Investitionen vor
10.08.2026

Droht das Milliarden-Programm für die Bundeswehr zu verpuffen? Top-Ökonom wirft Pistorius fatale Fehlplanung bei der Rüstungsbeschaffung...

DWN
Politik
Politik Regeln für Familiennachzug zu streng: keine Migrationswende mit der SPD
10.08.2026

Gut ein Jahr nach dem vorläufigen Stopp des Familiennachzugs für Geflüchtete mit eingeschränktem Status hat die SPD-Fraktion die...