Unternehmen

Drohende Rezession: Unternehmen drosseln Produktion teils drastisch

Die Konjunkturlage in Deutschland trübt sich weiter ein. Die Industrie, das Baugewerbe und die Energieerzeuger drosselten im Mai alle ihre Produktion. Auch für das zweite Halbjahr sehen Ökonomen keine Entspannung.
07.07.2023 09:45
Aktualisiert: 07.07.2023 09:45
Lesezeit: 2 min
Drohende Rezession: Unternehmen drosseln Produktion teils drastisch
Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, spricht bei der Sitzung des Bundestags. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Ein rasches Ende der Konjunkturflaute in Deutschland wird nach der im Mai gesunkenen Produktion unwahrscheinlicher. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,2 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet. Im April gab es noch ein Wachstum von 0,3 Prozent, das auf einen deutlichen Rückgang im März von 2,1 Prozent folgte.

„Konjunkturmotor läuft weiterhin untertourig“

„Es lässt sich nicht leugnen, dass der Konjunkturmotor weiterhin untertourig läuft“, sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. „Vielleicht sehen wir im zweiten Quartal gerade noch eine Stagnation, viel eher aber einen erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung.“

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht keine Trendwende in den kommenden Monaten. „Vermutlich wird die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erneut schrumpfen“, sagte Krämer. Zuletzt war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge geschrumpft, weshalb Europas größte Volkswirtschaft nun in einer Rezession steckt.

Die Industrie allein stellte im Mai 0,2 Prozent mehr her als im Vormonat. „Die Produktion in der Industrie hat sich damit weiter stabilisiert“, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Entwicklung. Sie liege damit wieder auf ihrem durchschnittlichen Niveau vom ersten Quartal 2023. Dazu trugen die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen bei, die im Mai ein Plus von 4,9 Prozent meldeten. Hier lösen sich die Lieferengpässe auf, die lange Zeit den Fahrzeugbau ausbremsten.

Bei den pharmazeutischen Erzeugnissen gab es dagegen einen Einbruch von 13,1 Prozent, während die Chemiebetriebe ebenfalls ein Minus meldeten. „Die Schwäche der chemischen Industrie dürfte auf die hohen Energiepreise und die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Energiepreise zurückzuführen sein“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien.

Energieerzeugung fällt deutlich

Die Industrie hat zuletzt mit einem starken Neugeschäft überrascht: Die Bestellungen wuchsen im Mai wegen vieler Großaufträge für den Fahrzeugbau mit 6,4 Prozent so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. „Trotz der eingetrübten Stimmung in den Unternehmen deutet die jüngste Stabilisierung der Nachfrage auf eine – wenn auch zunächst moderate – Erholung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin“, so das Ministerium.

Die Baubranche – der wegen hoher Zinsen und Materialkosten zunehmend die Aufträge ausgehen – meldete einen Produktionsrückgang von 0,4 Prozent. Die Energieversorger fuhren ihre Erzeugung sogar um 7,0 Prozent herunter.

Das IMK geht davon aus, dass das BIP in diesem Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen wird. Die Industrie bleibe in der zweiten Jahreshälfte das Sorgenkind, sagte Dullien. Darauf deutet auch der als frühes Konjunktursignal geltende Lkw-Verkehr auf den deutschen Autobahnen hin, der im Juni nachgelassen hat.

Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen sank kalender- und saisonbereinigt um 1,4 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Diese Daten liefern sehr früh Hinweise zur aktuellen Konjunkturentwicklung in der Industrie, da wirtschaftliche Aktivität auch Verkehrsleistungen erzeugt und benötigt. (Reuters)

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