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Investment in Anleihen: Lohnen sich Rentenfonds?

Lesezeit: 3 min
12.08.2023 22:14  Aktualisiert: 12.08.2023 22:14
Die steigenden Zinsen belasten die Performance der Rentenfonds. Sollten die Zinsen wieder sinken, würden die Fonds profitieren. Lohnt sich daher ein Einstieg?
Investment in Anleihen: Lohnen sich Rentenfonds?
Lohnen sich Fonds, die länger laufende Anleihen halten? (Foto: iStock.com/Fokusiert)
Foto: Fokusiert

Rentenfonds sind gefragt. Die Deutschen parkten knapp 190 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals in den Fonds, die Anleihen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von mehr als einem Jahr halten. Geldmarktfonds, die kürzer laufende Anleihen kaufen, sind hingegen deutlich weniger verbreitet (32 Milliarden Euro). Ganz vorne liegen laut dem Fondsverband BVI Aktienfonds (553 Milliarden Euro) und Mischfonds (333 Milliarden Euro).

Gleichwohl haben die Anleger in den vergangenen drei Jahren sechs Prozent der investierten Gelder abgezogen. Grund dürften die Zinserhöhungen der Zentralbanken sein, die zu Kursverlusten führten. Zum Beispiel verlor ein ETF, der auf den globalen Anleiheindex „Bloomberg Global Aggregate Bond Index“ läuft, seit März 2022 knapp 12 Prozent an Wert (ISIN: IE00B43QJJ40).

Das macht die Fonds aber auch interessanter. Sollten die Zentralbanken die Zinsen wieder senken, würden die Anteilskurse steigen. Die Märkte rechnen derzeit mit allenfalls geringen weiteren Zinserhöhungen.

Besser Aktienanteil erhöhen

Gleichwohl sieht der Honorar-Finanzanlagenberater Lothar Eller Rentenfonds kritisch. Er hält das Argument, dass die Fonds von Zinssenkungen profitieren könnten, für nicht überzeugend. „Ob die Zinsen sinken, ist reine Spekulation“, sagt er im Gespräch mit DWN.

Er rate in der Regel zu einem Portfolio aus kurzlaufenden Anleihen, die eine durchschnittliche Laufzeit von ein bis zwei Jahren hätten. „Anleihen sollten ein Sicherheitsanker im Portfolio sein, um die Schwankungen des Aktienteils abzufangen“, erklärt er. Dafür seien Kurzläufer am besten geeignet, deren Kurse weniger schwanken würden als die von lang laufenden Anleihen.

Wem die Rendite der Kurzläufer zu gering sei, solle besser den Aktienanteil erhöhen, sagt der Vermögensverwalter aus der Nähe von Stuttgart. Bei Aktien sei langfristig mit wesentlich höheren Renditen zu rechnen.

Laut dem „Global Investment Returns Yearbook 2023“ rentierten Aktien langfristig mehr als drei Prozentpunkte pro Jahr besser. Demnach lag die inflationsbereinigte Rendite bei 5,0 Prozent pro Jahr, während Anleihen bloß 1,7 Prozent pro Jahr einfuhren. Die Forscher untersuchten Daten für 35 Industrie- und Schwellenländer von 1900 bis 2022.

Besonders gering war die Anleihenrendite in Deutschland. Hier betrug sie über den gesamten Zeitraum -1,6 Prozent pro Jahr – aufgrund zweier verlorener Weltkriege und hoher Inflation. Dabei ließen die Forscher die Jahre 1922 und 1923 außen vor, in denen Staatsanleihen komplett wertlos wurden.

Wenige Outperformer unter aktiv gemanagten Rentenfonds

Eller warnt außerdem vor aktiv gemanagten Rentenfonds. „Die Kosten sind zu hoch und es besteht das Risiko, dass der Fondsmanager eine Fehlentscheidung trifft.“ Studien hätten zudem gezeigt, dass sich aktives Management langfristig nicht bei Anleihen auszahle.

Etwa untersuchte die Ratingagentur Morningstar, wie viele der Rentenfonds langfristig besser abschneiden als ein Renten-Indexfonds oder -ETF. Demnach liegen auf Zehn-Jahressicht laut dem Aktiv-Passiv-Barometer bloß etwa 20 Prozent der Rentenfonds vorne. Nach 15 Jahren sinkt der Anteil auf circa 12 Prozent und nach 20 Jahren machen die Outperformer etwas weniger als 10 Prozent aus.

Die Ratingagentur untersuchte die Performance von fast 26.000 aktiv und passiv gemanagten Aktien-, Renten- und Mischfonds in der Zeitspanne bis Ende Dezember 2022. Andere Untersuchungen gelangen zu ähnlich niedrigen Zahlen, etwa die SPIVA-Studie des Indexanbieters S&P oder eine Untersuchung im Auftrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Der Vermögensberater Gerd Kommer sieht insbesondere Rentenfonds mit länger laufenden Staatsanleihen kritisch. Hier verliere der Anleger aufgrund der relativ hohen Kosten etwa die Hälfte der Bruttorendite. Zudem bringe die Diversifikation über viele Einzeltitel keine zusätzliche Sicherheit, da Anleihen von Staaten, die eines der obersten drei Ratings aufweisen würden, ohnehin sehr sicher seien.

„Ein Risiko, das schon gegen den niedrigsten Level läuft, kann man nicht weiter senken und schon gar nicht durch Streuung zwischen Anleihen des gleichen Emittenten“, schreibt Kommer in dem Buch „Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs“. Streuung über verschiedene Laufzeiten sei „ohnehin sinnlos“, da daraus bloß eine andere Durchschnittslaufzeit resultiere, die man auch über eine einzelne Staatsanleihe abbilden könne.

Alternative Geldmarktfonds

Kommer und Lothar Eller raten daher zu ETFs auf relativ kurzlaufende Anleihen. „Wir empfehlen einen breiten Mix aus kurzlaufenden Staats- und Unternehmensanleihen mit Investmentgrade über einen Indexfonds oder ETF, der zum Beispiel den ,Bloomberg Barclays Global Aggregate Ex US MBS 1-5 Year Float Adjusted Bond Index’ abbildet”, erklärt Eller. Manche Experten raten indes von Unternehmensanleihen aufgrund des höheren Ausfallrisikos komplett ab.

In Deutschland sind keine ETFs zugelassen, die über mehrere Währungen diversifizieren und kurzlaufende Staatsanleihen mit einer maximalen Restlaufzeit von drei Jahren enthalten. Der Finanzwissenschaftler Hartmut Walz rät daher zu einem Euro-Geldmarkt-ETF und eventuell einer Beimischung von Fremdwährungsanleihen.

Etwa gibt es einen physischen ETF von Amundi, der in kurzlaufende Euro-Staatsanleihen investiert (Restlaufzeit von maximal einem Jahr) und in dem deutsche Staatsanleihen die höchste Gewichtung haben (TER: 0,05%; Fondsvermögen: 235 Mio. Euro; Thesaurierer; modifizierte Duration: 0,44; ISIN: LU2233156582).

Nachteil ist der relativ hohe Anteil der Euro-Südländer. Diesen könnten Anleger durch den Kauf einer Bundesanleihe senken. Gegenüber DWN empfahl Hartmut Walz eine Restlaufzeit von maximal zwei Jahren, angesichts der aktuell höheren Renditen von kurzlaufenden zu langen Bundesanleihen.

Eine weitere Alternative sind global gestreute Geldmarktfonds, die aktiv gemanagt sind und bei denen die Kosten häufig nahe an denen von ETFs liegen.

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Elias Huber arbeitet als freier Journalist in Frankfurt am Main und schreibt vor allem über Konjunktur, Edelmetalle und ETFs sowie die ökonomische Lehre der Österreichischen Schule. 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
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