Politik

Steigende Preise bei Munition belasten NATO-Staaten

Die höheren Militärausgaben bringen nicht automatisch mehr Ausrüstung und Munition, warnt ein hochrangiger NATO-Beamter. Denn die Preise sind massiv gestiegen.
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20.09.2023 18:06
Aktualisiert: 20.09.2023 18:06
Lesezeit: 3 min
Steigende Preise bei Munition belasten NATO-Staaten
Die fehlende Produktion von Munition treibt bei den NATO-Staaten die Preise in die Höhe. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

"Die Preise für Ausrüstung und Munition schießen in die Höhe", sagte der niederländische Admiral Rob Bauer, der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, am Samstag nach einem Treffen der Verteidigungschefs der Allianz in Oslo. Im Moment müssten die NATO-Staaten "immer mehr" Geld ausgeben, nur um dafür "das Gleiche" an Munition und Ausrüstung beschaffen zu können, zitiert ihn Reuters. "Das bedeutet, dass wir nicht sicherstellen können, dass die erhöhten Verteidigungsausgaben tatsächlich zu mehr Sicherheit führen."

Die NATO bemüht sich um eine Ankurbelung ihrer Rüstungsproduktion, damit die seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs gegen Russland sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Waffen und Ausrüstung bedient werden kann. Denn die NATO-Bündnispartner schicken nicht nur im großen Stil Rüstungsgüter nach Kiew, sondern müssen auch deshalb ihre eigenen Bestände aufstocken.

Ein großes Problem ist etwa der Mangel an 155-Millimeter-Artilleriegeschossen. Die USA subventionieren die Rüstungsindustrie massiv, um die Produktion dieser Geschosse zu erhöhen. Das Pentagon gibt jährlich 1,5 Milliarden Dollar aus, um die Produktion von Artilleriegeschossen hochzufahren. Dennoch sind die USA nicht in der Lage, die von der Ukraine benötigte Anzahl von Geschossen zu produzieren.

Verlangt die Rüstungsindustrie überhöhte Preise?

Laut Bill LaPlante, dem Leiter der Beschaffungsabteilung des Pentagons, können die Waffenhersteller in den USA derzeit 28.000 Geschosse pro Monat herstellen, wie Defense News berichtet. Das ist doppelt so viel wie vor einem halben Jahr, aber immer noch deutlich zu wenig. Denn wie die AP im April berichtete, feuert die Ukraine täglich 6.000 bis 8.000 Granaten ab, mehr als die Hersteller im gleichen Zeitraum liefern konnten.

Diese Woche reist LaPlante zusammen mit Verteidigungsminister Lloyd Austin und dem Vorsitzenden der Generalstabschefs, General Mark Milley, zu einem Treffen der Ukraine Defense Contact Group - einer Gruppe von Ländern, die Kiew unterstützen - auf die Air Base Ramstein in Deutschland. LaPlante sagte, er werde unter anderem darüber sprechen, wie schnell die Verbündeten und Partner der USA die Produktion von Artilleriegeschossen erhöhen.

Aufgrund des Mangels an herkömmlichen Geschossen begannen die Vereinigten Staaten im Juli damit, der Ukraine Streumunition zur Verfügung zu stellen, auch wenn diese wegen des Risikos für die Zivilbevölkerung umstritten ist. Im September wurde zudem gemeldet, dass die USA der Ukraine erstmals auch Munition mit abgereichertem Uran liefern, die der WHO zufolge schwere Erkrankungen und Geburtsfehler verursachen kann.

Der Anstieg der Nachfrage nach Waffen hat die Aktienkurse der Rüstungskonzerne in die Höhe getrieben. Shay Assad, der 40 Jahre lang als Vertragsvermittler für das Pentagon tätig war, warnte im Mai gegenüber 60 Minutes, dass die Waffenhersteller dem US-Verteidigungsministerium überhöhte Preise für alles Mögliche in Rechnung stellen, von "Radar und Raketen ... Hubschraubern ... Flugzeugen ... U-Booten ... bis hin zu den Schrauben und Muttern".

Seit Kriegsbeginn haben die USA Kiew Waffen im Wert von über 43 Milliarden Dollar zugesagt. LaPlante zufolge ist die US-Waffenindustrie dem Zeitplan voraus und sollte in der Lage sein, die Produktion bis 2025 auf etwa 1,2 Millionen Schuss pro Jahr zu steigern. Damit lägen die USA jedoch immer noch weit hinter Russland zurück, das derzeit schätzungsweise 2 Millionen Geschosse pro Jahr produziert.

Private Investoren sollen NATO finanzieren

Bereits im Februar hatte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gewarnt, dass Kiew die Munition viel schneller verbrauche, als der Westen sie produzieren könne. Nun bestätigt Bauer das Problem und drängt auf mehr private Investitionen in den Verteidigungssektor, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen. Der niederländische Admiral fordert Pensionsfonds und Banken dazu auf, Investitionen in die Verteidigung nicht länger als unethisch abzustempeln.

"Langfristige Stabilität muss Vorrang vor kurzfristigen Gewinnen haben. Wie wir in der Ukraine gesehen haben, ist der Krieg ein gesamtgesellschaftliches Ereignis", sagte der Admiral und fügte hinzu, dass solche Investitionen auch im strategischen Interesse des Privatsektors lägen. "Vierzig Prozent der (ukrainischen) Wirtschaft sind in den ersten Tagen des Krieges verschwunden, das war zu einem großen Teil privates Geld, und dieses Geld ist weg", sagte er.

Admiral Bauer drängt die Wirtschaft, den Ausbau der Produktionskapazitäten zu beschleunigen. Die Munitionsknappheit sei im Übrigen aber nicht der Grund für den mühsamen Fortgang der Gegenoffensive. "Der Grund, warum es so lange dauert, ist, dass es extrem gefährlich ist, denn es gibt eine enorme Menge an Minen in einem sehr tiefen Minenfeld - mehr als 10 Kilometer - mit fünf, sechs Minen pro Quadratmeter."

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