Wirtschaft

Zinsbelastung für Deutschland steigt stark, aber für Frankreich noch mehr

Die Zinsbelastung für Deutschland steigt bis 2028 deutlich an, während Frankreich mit einem noch dramatischeren Anstieg konfrontiert ist. Welchen finanziellen Spielraum Deutschland hat, zeigt eine Untersuchung der europäischen Ratingagentur Scope.
10.10.2023 11:32
Aktualisiert: 10.10.2023 11:32
Lesezeit: 2 min
Zinsbelastung für Deutschland steigt stark, aber für Frankreich noch mehr
EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihr Vize Luis de Guindos. Die Notenbank hat den Leitzins im September auf 4,5 Prozent angehoben. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Die Zinsbelastung für den deutschen Staatshaushalt wird einer Studie zufolge bis 2028 deutlich steigen - in den anderen großen Euro-Ländern Frankreich und Italien aber deutlich höher ausfallen. Dann dürften hierzulande 2,1 Prozent der Einnahmen der öffentlichen Haushalte für Zinsen draufgehen, wie aus der Untersuchung der europäischen Ratingagentur Scope hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. 2020 seien es noch rund ein Prozent gewesen. Seither sind die Zinsen allerdings deutlich gestiegen, nachdem die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik im Kampf gegen die hohe Inflation in Rekordtempo gestrafft hat.

Wesentlich dramatischer sieht es demnach in Frankreich aus, der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone. Dort dürften bis 2028 rund 5,2 Prozent der Staatseinnahmen für die Zinszahlungen verwendet werden. Das wäre ein kräftiger Anstieg von 2,9 Prozentpunkten seit 2020. Bei der Nummer drei Italien dürfte der Anteil sogar bei 8,2 Prozent liegen, womit er sich auf hohem Niveau stabilisieren würde.

"Deutschland befindet sich in einer starken Position und verfügt über einen großen finanzpolitischen Spielraum zur Erhöhung der Ausgaben", lautet das Fazit der Scope-Analysten Jakob Suwalski und Brian Marly. "Ganz anders sieht die Situation in Italien aus." Diese wird an den Finanzmärkten derzeit genau verfolgt. Italien kämpft auch unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit einer hohen Neuverschuldung. In der ersten Jahreshälfte lag das Staatsdefizit bei 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. An den Finanzmärkten ist die Risikoprämie für italienische Staatsanleihen im Vergleich zur zehnjährigen deutschen Bundesanleihe kürzlich erstmals seit einem halben Jahr wieder über die Marke von zwei Prozentpunkten gestiegen. Dieser sogenannte Spread gilt als Gradmesser für die Bereitschaft der Anleger, dem italienischen Staat Geld zu leihen.

"Eine längere Phase höherer Zinssätze im Euroraum stellt das Schuldenmanagement der Regierungen auf die Probe, da die Finanzierungskosten steigen", heißt es in der Studie. Druck auf die Staatshaushalte sieht Scope nicht nur von den Zinskosten ausgehen. Sie zählen auch steigende Sozial- und Gesundheitsausgaben im Zusammenhang mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung dazu, die notwendigen Investitionen für die Energiewende sowie höhere Verteidigungsausgaben. "Längerfristig ist zu befürchten, dass der Spielraum für die Regierungen des Euroraums, die notwendigen Haushaltsreformen durchzuführen, immer kleiner wird", so das Fazit der Scope-Analysten. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ölpreissprung und Spannungen im Nahen Osten ließen US-Märkte uneinheitlich schließen
02.03.2026

Der US-Aktienmarkt schloss am Montag uneinheitlich, während der Rohölpreis einen starken Sprung machte. Investoren wogen die Folgen der...

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Deutsche kommen nicht zurück - Lufthansa-Airbus fliegt leer von Abu Dhabi nach München
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt europäischen Erdgas-Preis um fast 50 Prozent steigen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der europäischer Erdgas-Preis um fast 50 Prozent nach Produktionsstopp. Analysten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Autooffensive in Europa verlangsamt sich: Struktureller Rückzug oder taktische Pause?
02.03.2026

Nach einem Rekordjahr verlieren chinesische Automarken in Europa plötzlich Marktanteile. Handelt es sich um eine Trendwende oder lediglich...

DWN
Politik
Politik Deutsche Umwelthilfe: Verbrenner-Aus 2030? BGH prüft Klimaklagen gegen Autobauer
02.03.2026

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, müssen BMW und Mercedes-Benz 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner einstellen. Um den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten
02.03.2026

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...