Wirtschaft

Reifenhersteller Goodyear schließt Werke in Deutschland

Die De-Industrialisierung des Landes schreitet voran. Nun verkündet der Reifenhersteller Goodyear das Ende für zwei Werke.
22.11.2023 15:45
Aktualisiert: 22.11.2023 15:45
Lesezeit: 2 min
Reifenhersteller Goodyear schließt Werke in Deutschland
Ein Mitarbeiter von Good Year arbeitet im Werk der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH im brandenburgischen Fürstenwalde (Oder-Spree) an einer Heizpresse. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Der Reifenhersteller Goodyear will sein Werk in Fulda schließen, rund 1.050 Stellen in der Produktion sollen gestrichen werden. "Dies ist eine schwierige, aber notwendige Entscheidung, um Überkapazitäten zu reduzieren und unsere Produktionsstruktur mit der Nachfrage in Einklang zu bringen", teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Auch die Reifenproduktion im Werk Fürstenwalde in Brandenburg soll bis Ende 2027 schrittweise eingestellt werden. Davon wären 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Der sogenannte Mischbetrieb in Fürstenwalde, in dem Gummimischungen hergestellt werden, bleibe aber erhalten.

Die Schließung des Werks in Fulda soll bis September 2025 erfolgen. "Dieses Vorhaben ist vorbehaltlich der Konsultationen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretern", erklärte ein Sprecher.

Rapide Verschlechterung der Aussichten

Die Marktaussichten in allen Bereich der Reifenindustrie hätten sich in den vergangenen Monaten "deutlich und rapide" verschlechtert, erklärte der Sprecher weiter. "Diese Situation hat sich durch den Zuwachs von Billigimporten aus Asien weiter verschärft, die eine erhebliche Belastung für die europäischen Hersteller darstellen." Darüber hinaus habe der anhaltende Inflationsdruck die Herausforderungen für die Wettbewerbsfähigkeit verschärft.

Wahrscheinlich ist darüber hinaus, dass das Unternehmen in Deutschland nicht mehr profitabel operieren kann, weil die Bundesaregierung die Energiekosten mithilfe von Klima-Sondersteuern in die Höhe treibt - angeblich, um das Weltklima zu retten.

Die Entscheidung, Überkapazitäten abzubauen, ermögliche es Goodyear, die Kostenstruktur zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität langfristig zu sichern. Die geplante Schließung des Werks in Fulda habe keine Auswirkungen auf die Reifenmarke Fulda, die Goodyear fortführen wolle. Fulda-Reifen würden in verschiedenen Werken hergestellt und seien weiterhin verfügbar.

"Goodyear bedauert diesen Schritt sehr und er spiegelt in keiner Weise die gute Arbeit wider, die die Mitarbeiter in Fulda und Fürstenwalde über viele Jahre hinweg geleistet haben", erklärte ein Sprecher. Das Unternehmen sei sich der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und ihren Familien bewusst und entschlossen, "faire Lösungen zu finden und alle Betroffenen zu unterstützen".

In Fulda könnten den Angaben zufolge etwa 90 Mitarbeitern aus den Bereichen Verkauf und Verwaltung entweder im Goodyear-Werk in Hanau oder im Homeoffice eine neue Tätigkeit angeboten werden.

Goodyear ist nach eigenen Angaben eines der größten Reifenunternehmen der Welt mit rund 74 000 Mitarbeitern in 57 Werken in 23 Ländern. In Deutschland zählt Goodyear rund 5000 Mitarbeitende.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....

DWN
Politik
Politik Bahn und Länder im Streit: Netzagentur erzwingt Platz für Fernverkehrs-Konkurrenz
17.07.2026

Ein Machtwort mit Folgen für das deutsche Schienennetz: Die Bundesnetzagentur zieht ihren vorläufigen Beschluss durch und verpflichtet...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Vorstoß: Moonshot AI setzt US-Giganten wie OpenAI unter Druck
17.07.2026

China startet seinen Angriff auf die globale KI-Spitze. Mit dem Start-up Moonshot AI bringt das Land ein neues Modell auf den Markt, das es...

DWN
Politik
Politik Kurskorrektur in Brüssel: EU-Kommission plant Lockerung beim Emissionshandel
17.07.2026

Um Europas Unternehmen angesichts hoher Energiepreise und internationaler Konkurrenz zu entlasten, will die EU-Kommission das zentrale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo-Aktie auf Talfahrt: Einbruch im China-Geschäft - Volvo Cars verfehlt Erwartungen
17.07.2026

Hoher Preiskampf in China und steigende Rohstoffkosten machen dem schwedischen Autobauer Volvo Cars schwer zu schaffen. Nach...