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Betriebliches Gesundheitsmanagement: Schlüssel zum Erfolg

Die Gesundheit der Mitarbeiterschaft ist eine wichtige und tragende Rolle in jedem Unternehmen. Doch noch immer findet das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement vor allem in kleineren und mittleren Betrieben zu wenig Beachtung. Dies hat unterschiedliche Gründe.
12.12.2023 09:06
Aktualisiert: 12.12.2023 09:06
Lesezeit: 4 min
Betriebliches Gesundheitsmanagement: Schlüssel zum Erfolg
Siemens-Mitarbeiter beim betriebsinternen Yoga-Kurs. (Foto: dpa) Foto: Sophia Kembowski

Insbesondere in den letzten drei Jahren gab es auf der Welt Veränderungen, wie selten zuvor. Pandemie, Kriege und Klimaveränderungen belasteten und belasten die Menschen und Unternehmen gleichermaßen. Viele Prozesse mussten den neuen Situationen angepasst werden. Ein schneller Wandel, der oft nicht Schritt halten kann mit den Gegebenheiten der aktuellen Arbeitswelt. Langfristige Gesundheit und Zufriedenheit, privat wie auch beruflich, sind dadurch schon lange nicht mehr garantiert. Auch der grundlegende Wandel der Arbeitswelt bedingt durch die Digitalisierung und Globalisierung fördert neue Belastungen zu Tage, die von den Beschäftigten wahrgenommen werden. So haben zum Beispiel psychosoziale Erkrankungen in der Vergangenheit stark zugenommen. Den Themen Achtsamkeit und Resilienz der Mitarbeiter sollte deshalb mehr Beachtung denn je von Seiten der Unternehmenslenker gewidmet werden, doch das ist bisher leider nicht der Fall so die whatsnext-Studienergebnisse von 2022. Dabei zählt aktuell jede Arbeitskraft in Zeiten des Fachkräftemangels.

In der Umfrage kam heraus, dass nur 27 Prozent aller Arbeitgeber in Deutschland eine Bedarfsanalyse durchgeführt haben, aus der sich auf die Belegschaft zugeschnittene betriebliche gesundheitsfördernde Maßnahmen (BGF) ableiten lassen. Auch variiert stark der Umsetzungsgrad des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in den Betrieben. Ein Drittel der Organisationen bietet bisher nur einzelne BGF-Maßnahmen an. Ein knappes weiteres Drittel gibt an, BGF-Maßnahmen umzusetzen und aktuell im Aufbau eines BGM zu sein. Doch nur ein Viertel hat bereits ein ganzheitliches BGM in der Organisation etabliert, welches auf allen Ebenen der Betriebsführung wirkt. Vieles hängt vom Budget ab, welches die Unternehmen dafür zur Verfügung haben. Dieses schwankt vor allem je nach Größe des Betriebes. 30 Prozent der Befragten gab an bis zu 10.000 Euro pro Jahr (ohne Personalkosten) in das Wohlergehen seiner Mitarbeiter zu investieren. 20 Prozent haben keine finanziellen Mittel dafür vorgesehen. 12,5 Prozent haben immerhin über 50.000 Euro für Maßnahmen übrig. Der Unternehmenserfolg wird aber entscheidend mitgeprägt durch die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, was viele Unternehmenslenker, insbesondere von klein- und mittelständischen Unternehmen noch nicht bewusst genug zu sein scheint. Die Umsetzung von BGM scheitert oft an Ressourcenmangel, Vorrang des Tagesgeschäftes und fehlendem Wissen zur Umsetzung von BGM.

Sprunghafter Anstieg der Krankheiten

Es ist ein Teufelskreislauf, der bedingt durch den Fachkräftemangel noch verstärkt wurde. Je weniger Personal zur Verfügung steht, um so höher die Arbeitsdichte bei den noch vorhandenen Mitarbeitern. Dies wiederum kann zu Überforderung und Krankheit führen. Erste Warnhinweise gibt der DAK-Gesundheitsreport 2023. Dort wurde ein sprunghafter Krankheitsanstieg im Jahr 2022 gegenüber den Vorjahren festgestellt. Laut den Experten wird insbesondere in Unternehmen der Gesundheitswirtschaft und des Gastgewerbes eine weitere Zunahme der Mehrbelastung erwartet. Berufe, bei denen eine Aufschiebung oder Verlagerung der Arbeit nicht möglich sind. Aber auch in anderen Berufszeigen nimmt der Zeit- und Termindruck der Belegschaft zu und führt zu erschwerten Arbeitsbedingungen, gesundheitlichen Risiken und Fehlzeiten. Personalengpässe verstärken sich und eine Mitarbeiterfluktuation wird begünstigt. Unternehmen müssen daher mittelfristig ihre Personalstrategien anpassen. Dies kann auch bedeuten, auf Aufträge und Gewinn zu verzichten und Geld und Zeit in den strategischen Aufbau von Personalarbeit zu stecken. Dazu gehört die Schaffung von passenden Rahmenbedingungen für die veränderte Situation, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Auswirkungen des Personalmangels, so zeigt die DAK-Studie, beeinflussen negativ das Gesundheitsverhalten der Betroffenen.

Über die Hälfte der Beschäftigten mit konstantem Personalmangel kommt nicht dazu, Sport zu treiben (51,4 Prozent), 40,2 Prozent schlafen schlecht und 16,6 Prozent konsumieren Suchtmittel, wie Alkohol oder Tabak, um nach der Arbeit zu entspannen.

Externe Unterstützung

Helfen können privatwirtschaftliche Unternehmen wie Insite-Interventions aus Frankfurt. Es bietet bedarfsorientierte Unterstützungssysteme für Mitarbeiter, Führungskräfte und der gesamten Organisation an. Mittels eines „Employee Assistence Program“, kurz EAP, stehen Mitarbeitern der kooperierenden Betriebe Berater für die unterschiedlichsten Beratungsfelder wie Psychische Gesundheit, Versorgungsmanagement & Lotsendienst, Führung & Zusammenarbeit sowie Expertenservice zur Verfügung. Den Mitarbeitern der teilnehmenden Unternehmen stehen rund um die Uhr Experten zur Verfügung, um die Belange möglichst schnell in professionelle Hilfe umzuwandeln. Andere, wie der Gesundheitsökonom Andreas Mendel, setzen auf ein individualisiertes, ganzheitliches BGM. Mit der Gründung seines Unternehmens i-gb hat er sich auf individuelle sportliche Fördermöglichkeiten spezialisiert, die in jeden Arbeitsalltag flexibel integrierbar sind. Eine Bedarfsanalyse stand dabei im Vordergrund. „Wir haben unsere Mitglieder von Anfang an gefragt und einbezogen, was ihnen wichtig ist, damit sie das Gesundheitsprogramm auch wirklich nutzen. Sie wünschen sich ein vielfältiges, flexibel nutzbares und wohnortnah verfügbares Angebot“, so der Experte. Die Gesundheitsförderung arbeitet hier mit einem Belohnungssystem und es werden auch Beschäftigte wie Schichtarbeitende angesprochen, die von BGM oft ausgeschlossen sind. In der i-gb-App wird nach dem Payback-Prinzip jeder Check-in im Schwimmbad oder Fitnessstudio gutgeschrieben. Das Geld kann anschließend in bestimmten Geschäften eingelöst werden. Mendel achtet auf ein niedrigschwelliges Gesundheitsangebot, bei dem für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter etwas dabei ist, um die eigene Gesundheit zu fördern. So werden auch Joggen, Nordic Walken oder Fahrrad fahren belohnt. „Damit erreichen wir durchschnittlich über die Hälfte der Belegschaft und nicht nur die eh schon sportlich aktiven“, erklärt er das Erfolgsprinzip der App. Damit folgt das Angebot einem aktuellen Trend, denn die Nachfrage der Unternehmen wird stark vom Thema „Employer Branding“ geprägt. Sie möchten sich mit Angeboten für die Belegschaft als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Beliebt sind derzeit unter anderem Firmenfitness- und Dienstrad-Möglichkeiten, weiß der Experte.

Zusammenarbeit mit den Krankenkassen

Gerade kleinere Unternehmen mit maximal 200 Mitarbeitern könnten von gesundheitsförderlichen Maßnahmen profitieren. Sie sind stärker von einer alternden und ausscheidenden Belegschaft betroffen und haben aufgrund ihrer Unternehmensgröße nur selten Experten wie einen Betriebsarzt zur Verfügung. Es ist allerdings aufwändiger, in kleinen und mittleren Unternehmen einen BGM-Prozess in Gang zu setzen. Krankenkassen und Berufsgenossenschaften sind daher stärker gefragt, betriebliche Gesundheitsförderung auch hier voranzubringen. Andreas Mendel kennt die Probleme der kleineren Betriebe. „Ich empfehle gerade kleinen oder mittelständischen Unternehmen, sich Unterstützung von Krankenkassen oder kompetenten Dienstleistern einzuholen. Sie helfen insbesondere bei den oft begrenzten eigenen personellen Ressourcen mit der effektiven Einführung und Begleitung von Gesundheitsmaßnahmen. Wichtig sind auch die Führungskräfte. Sie sollen immer mit einbezogen werden als Multiplikatoren für eine gute Gesundheits- und letztlich Unternehmenskultur,“ rät er diesen Unternehmen. Laut einem Zitat von Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbands Deutscher Unternehmerinnen in der DAK-Studie, funktioniert das bisherige MGM-Konzept vielerorts noch nicht. Es wird von den Mitarbeitenden nicht angenommen, weil es nicht als hilfreich empfunden wird. Auch sie plädiert dafür, dass es nicht als etwas Zusätzliches verstanden werden darf und die Führungskräfte dahinterstehen müssen.

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Sofia Delgado ist freie Journalistin und arbeitet seit 2021 in Stuttgart, nachdem sie viereinhalb Jahre lang in Peking gelebt hat. Sie widmet sich gesellschaftskritischen Themen und schreibt für verschiedene Auftraggeber. Persönlich priorisiert sie die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit, als dringendste Herausforderung für die Menschheit.

 

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