Politik

Wende am deutschen Immobilienmarkt

Der deutsche Wohnungsmarkt ist in Bewegung. Erstmals seit 2009 sinken vielerorts die Immobilienpreise. Der Höhenflug des deutschen Wohnungsmarktes scheint zu Ende zu sein. Dieser Abwärtstrend zeichnet sich auch im dritten Quartal 2023 ab.
25.12.2023 10:30
Aktualisiert: 25.12.2023 10:30
Lesezeit: 2 min

In Deutschland wie auch in weiten Teilen der Welt ist ein Preisrückgang an den Immobilienmärkten zu beobachten. In den vergangenen 15 Jahren, also seit der Finanzkrise, ging die Preiskurve stets nach oben. Doch nun ist der Rückgang unverkennbar, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Schweizer UBS. Die Jahre der Nullzins-Politik und der günstigen Bauzinsen gehören mittlerweile der Vergangenheit hat. Die Kehrtwende in der europäischen Zinspolitik leitete am 21. Juli 2022 die Europäische Zentralbank (EZB) ein. Erstmals seit einem Jahrzehnt hat die EZB die Leitzinsen in gleich mehreren Zinsschritten angehoben.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine, die steigende Inflation und die Energiekrise haben den Druck auf die EZB deutlich erhöht, was zu einem Umdenken geführt hat. Höhere Leitzinsen bedeuten zugleich höhere Bauzinsen, was Bauherren von geplanten Bauvorhaben zurückschrecken lässt. Diese Entwicklung lässt sich an der sinkenden Zahl von Immobilienkäufen ablesen.

Die deutsche Energiewende ist ein weiterer Grund, der diese Trendwende verstärkt. Die Bundesregierung strebt an, dass Deutschland bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden soll. Dieses Ziel lässt sich im Immobiliensektor nur mit zusätzlichen Investitionskosten in Bestandsgebäuden und Neubauprojekten erreichen. Für einkommensschwache Haushalte sind diese Ausgaben jedoch kaum finanzierbar. Hinzu kommt, dass Immobilien mit einer schlechten Energieeffizienz für immer weniger Käufer interessant sind.

Steigende Kosten graben Bauherren das Wasser ab

Die Sorge vor einer Kostenexplosion hält potenzielle Bauherren zurück. Private Häuslebauer sind hiervon ebenso betroffen wie Wohnungskonzerne. Viele regionale und überregionale Wohnungsunternehmen haben ihre Bauprojekte mittlerweile auf Eis gelegt. Daniel Riedl, Vorstand des Wohnungsbaukonzerns Vonovia SE, kündigte im Januar 2023 an, sämtliche laufenden Neubauprojekte in Deutschland ruhen zu lassen. Als Begründung wird die Kostenexplosion genannt.

Der Bau von Neubauprojekten ist unter den derzeitigen Gegebenheiten wirtschaftlich nicht tragfähig. Um die hohen Ausgaben dennoch decken zu können, müsste der Quadratmeterpreis bei einem kostendeckenden Bauprojekt bei rund 20 Euro liegen. Derart hohe Mieten sind in Deutschland aber vollkommen unrealistisch.

Der seit 2014 ermittelte Index zur Stimmung am deutschen Immobilienmarkt verzeichnet im dritten Quartal 2023 einen deutlichen Einbruch. In sämtlichen Bereichen (Bürosektor, Wohnsegment, Handelsimmobiliensektor und Projektentwicklung) fällt das Meinungsbild negativ aus. Befragt worden sind Geschäftsführer zur derzeitigen und zur erwarteten Lage am Immobilienmarkt.

Der Grundtenor ist, dass aufgrund der Kostenexplosion die Finanzierung von Neubauvorhaben immer schwieriger wird. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Krise am Immobilienmarkt zu einer Finanzkrise ausweitet. Laut Angaben der EZB sind 30 Prozent der Bankkredite im Euroraum gefährdet. Banken, die in diesem Sektor in einem hohen Maß an der Kreditvergabe beteiligt sind, müssen mit erheblichen Verlusten rechnen.

Käufer, die über eine gute Bonität und über genügend Eigenkapital verfügen, dürften sich hingegen über sinkende Immobilienpreise freuen. Für die meisten Menschen ist der Traum von den eigenen vier Wänden allerdings in weite Ferne gerückt. Als Konsequenz werden viele ehemalige Kaufinteressenten auf Mietwohnungen ausweichen, was wiederum zu einer weiteren Anspannung des Mietmarktes führen dürfte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Geldwäsche-Skandal: Wie dubiose Deals eine Schweizer Bank zu Fall brachten
30.03.2026

Eine kleine Privatbank aus Zürich entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem profitablen, aber hochriskanten Geschäftsmodell. Die...

DWN
Politik
Politik Nach Angriff auf Diego Garcia: Könnten iranische Raketen inzwischen Europa erreichen?
29.03.2026

Der mutmaßliche Angriff iranischer Raketen auf Diego Garcia wirft neue Fragen zur militärischen Reichweite Teherans auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Warum die Führung zurücktrat und welche Rolle die Stiftung spielte
29.03.2026

Ein Machtkampf in der Führungsebene von Novo Nordisk hat das Unternehmen und die Novo Nordisk-Aktie in eine tiefe Governance-Krise...

DWN
Panorama
Panorama Spanien im Wandel: Vom Klischee zum Vorreiter beim Frauenschutz
29.03.2026

Spanien steht oft im Ruf eines klassischen Macho-Landes. Doch aktuelle Zahlen und konsequente Maßnahmen zeichnen ein anderes Bild....

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter verstorben: Was passiert mit dem Mietvertrag nach einem Todesfall?
29.03.2026

Der Tod eines Mieters wirft für Hinterbliebene oft viele Fragen auf: Darf man in der Wohnung bleiben, wenn der Vertrag nur auf den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Hinter verschlossenen Türen wächst die Angst
29.03.2026

Europa galt lange als stabiler Wirtschaftsraum mit klaren Regeln und berechenbaren Märkten. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
29.03.2026

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...