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„Workation“: Arbeiten am Strand und weit weg - das liegt voll im Trend

„Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ wird immer beliebter neben Home-Office und Viertagewoche. „Workation“, wie der neue Trend heißt, stellt Arbeitgeber vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Chancen gegen den Fachkräftemangel. Handelt es sich um einen Booster für die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer oder gar um eine Wohlfühloase für wenige Privilegierte?
24.05.2024 06:59
Aktualisiert: 16.05.2030 18:04
Lesezeit: 3 min

Der Begriff „Workation“ setzt sich aus den beiden englischen Begriffen „Work“ für Arbeit und „Vacation“ für Urlaub zusammen. Das bedeutet, dass man als Arbeitnehmer zwar seinen Bürojob erledigt, aber nicht von zu Hause aus dem Home-Office, sondern von einem angenehmen Urlaubsort aus. Funktionieren kann das nur, wenn die Arbeit und die technischen Voraussetzungen diese Art der Arbeit zulassen. Zum Großteil dürfte das eher für klassische Bürojobs gelten und weniger für Tätigkeiten in der Industrie, Handwerk oder Gesundheitswesen.

„Workation“ macht Arbeitgeber interessanter

Insbesondere seit der Corona-Pandemie erlauben viele Unternehmen nicht nur flexible Arbeit im Home-Office, sondern auch „Workations“. Es gibt immer mehr Unternehmen, die dank digitaler Vernetzung es Ihren Mitarbeitern möglich machen, flexibel von einem anderen Ort zu arbeiten.

Gerade für junge Bewerber, denen die Work-Life-Balance und flexible Arbeit wichtig ist, ist das Angebot ein Argument, um sich für einen Arbeitsplatz zu entscheiden. Doch die Voraussetzungen dafür sind nicht so einfach. Je nachdem, wo der Arbeitnehmer ist, welches Arbeitsrecht oder welche Richtlinien für Arbeitssicherheit am jeweiligen Ort gelten. Ein Recht auf „Workation“ gibt es für den deutschen Arbeitnehmer nicht.

Studie belegt Bedeutung für Arbeitsmarkt

Bisher verbindet man diesen Trend eher mit jungen Arbeitnehmern, denen vor allem in der kalten Jahreszeit längere Aufenthalte im warmen Süden wichtig sind. Doch „Workation“ wird auch bei Älteren immer beliebter, wie eine aktuelle PwC-Studie zum Thema: „Workation zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ aufzeigt. Viele Beschäftige erwarten inzwischen von ihren Arbeitgebern, dass es Ihnen ermöglicht wird, mobil aus dem Ausland zu arbeiten: Für deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) ist ein Workation-Angebot sogar ein wichtiges Kriterium bei der Jobwahl.

Die Studie untersuchte die Einstellung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zum mobilen Arbeiten aus dem Ausland. Die Hälfte der Befragten gibt an, in ihrem Job die Möglichkeit zu einer Workation zu haben – das zeigt, für wie relevant dieser Trend bereits heute in der Unternehmenslandschaft erachtet wird. Von diesen dürfen 18 Prozent sogar außerhalb der EU arbeiten. Jeder Dritte gibt in der Studie an, keine Möglichkeit zur Workation zu haben. Interessanterweise kennen 18 Prozent der Befragten die Richtlinien ihres Unternehmens bezüglich „Workations“ gar nicht, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass diese Regelungen nie offiziell kommuniziert wurden.

Normalerweise wird in Unternehmen für „Workations“ eine Richtlinie erstellt, die unter anderem festlegt, wie viele Tage ein Mitarbeitender aus dem Ausland arbeiten darf. Die im Rahmen der Studie befragten Arbeitnehmenden, die Home-Office aus dem Ausland praktizieren dürfen, bekommen heute im Durchschnitt 40,5 Tage pro Jahr gestattet, was deutlich mehr ist als im Vorjahr (30,3 Tage) und dem nahekommt, was sich Mitarbeiter wünschen (43,5 Tage).

Altersübergreifendes Interesse an „Workation“

Eine genauere Analyse der Altersstruktur zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Ältere Arbeitnehmer entdecken zunehmend das Konzept der Workation für sich. Insbesondere in den Altersgruppen der 50- bis 59-Jährigen und der 60- bis 65-Jährigen ist ein Anstieg des Interesses um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr zu sehen.

Ein Branchenvergleich zeigt erwartungsgemäß unterschiedliche Möglichkeiten für Workation. Während in Technologie- und Finanzdienstleistungsbranchen die Flexibilität am höchsten ist – mit 51 Prozent in der Telekommunikationsbranche und 49 Prozent in der Financial Services Branche –, haben Mitarbeitende im Gesundheitswesen mit 18 Prozent und im öffentlichen Sektor mit 21 Prozent die geringste Möglichkeit auf eine Workation.

Die wachsende Relevanz von Workation bei der Jobwahl wird immer offensichtlicher. Bei der Beurteilung von Benefits stellt sich die Frage, ob sie zu den unverzichtbaren Faktoren gehören, die bei der Entscheidung für einen Job eine Rolle spielen. Fast jedem dritten Befragten ist Workation so bedeutend, dass er oder sie einen neuen Job ohne diese Möglichkeit klar ablehnen würde. Unternehmen, die keine Workation anbieten, riskieren daher, potenziell jede dritte Fachkraft aus ihrem Bewerberpool zu verlieren. Besonders bei den 18- bis 29-Jährigen würde fast die Hälfte ein Jobangebot ohne Workation-Möglichkeit ablehnen. Der Verzicht auf Workation kann laut der Studie ein klarer Nachteil sein im „War for Talents“.

Besondere Risiken bei „Workation“

Auf der anderen Seite bedeutet dieser Trend für Unternehmen einen Mehraufwand und birgt auch Risiken, umso mehr sind klare, definierte Regelungen enorm wichtig. „Denn eines darf man nicht vergessen: So attraktiv ein Arbeitswinter im Süden für viele Beschäftigte ist – „Workation“ bringt gewisse steuer-, arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Fallstricke mit sich. Die sollten Unternehmen auf jeden Fall vorab prüfen, um späteren Zeit- und Kostenaufwand zu vermeiden“, rät Jana-Denise Weber, PwC-Expertin.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – ist ein Trend, wo es in erster Linie um Vertrauen und Loyalität geht, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer tausende Kilometer entfernt voneinander arbeiten. Sicherlich ist das mobile Arbeiten auch ein Arbeitsmodell, was einigen Unternehmen helfen kann den Personalmangel zu meistern und andererseits Menschen ein flexibleres Arbeiten ermöglicht. So profitieren beide Seiten in einer Zukunft, in der mancher Berufstätiger über seinen Arbeitsort selbst entscheidet.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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