Technologie

Verfassungsschutz ermittelt nach schwerem Cyber-Angriff auf CDU

Nach der SPD ist auch die CDU von Hackern angegriffen worden. Die Behörden nehmen den Vorfall „sehr ernst“. Alles deutet auf einen professionellen Akteur hin.
02.06.2024 13:00
Lesezeit: 2 min
Verfassungsschutz ermittelt nach schwerem Cyber-Angriff auf CDU
Aufkleber „Cyber Polizei“ liegen auf einem Computer in der Präventionsstelle Cyberkriminalität im Landeskriminalamt Niedersachsen. Die Cyberkriminalität sei im zurückliegenden Jahr erneut gestiegen, teilte Innenministerin N. Faeser mit. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Eine Woche vor der Europawahl ist die CDU Opfer eines Cyber-Angriffs geworden. Man nehme den Vorfall sehr ernst, hieß es aus Regierungskreisen. Das Innenministerium bestätigte eine schwerwiegende Attacke auf das Netzwerk der Partei. Zum Ausmaß des Schadens oder zum Angreifer könne wegen der laufenden Ermittlungen nichts gesagt werden. „Die Art des Vorgehens deutet aber auf einen sehr professionellen Akteur hin“, erklärte ein Sprecher. Ob sensible Daten betroffen waren, blieb zunächst unklar. Eine CDU-Sprecherin teilte mit: „Die IT-Infrastruktur wurde als Vorsichtsmaßnahme in Teilen vom Netz genommen und isoliert.“ Die Internetseite cdu.de war aber weiter erreichbar.

CDU will sich nicht einschüchtern lassen

Generalsekretär Carsten Linnemann stufte den Angriff einem Bericht als eklatant ein. Der Thüringer CDU-Landesvorsitzende Mario Voigt sagte: „Wer auch immer diesen Anschlag verübt hat, sieht die CDU als eine Bedrohung für seine Interessen. Die CDU ist in der Tat eine Bedrohung für alle Kräfte, die Europa schwach sehen wollen - ob sie nun Russisch, Chinesisch oder welche Sprache auch immer sprechen.“ Die Partei werde dem Anschlag auf den Grund gehen und sich nicht einschüchtern lassen.

Die CDU erklärte, sie arbeite eng mit deutschen Sicherheitsbehörden und weiteren externen Sicherheitsexperten zusammen. Der Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nahmen Ermittlungen auf.

Warnung an alle Bundestags-Parteien

Zuletzt hatte es immer wieder Befürchtungen gegeben, staatliche oder nicht staatliche Akteure könnten die kritische Infrastruktur in Deutschland ernsthaft beschädigen, Organisationen lahmlegen oder täglich genutzte Geräte angreifen. Wie ernst die Behörden den Vorfall bei der CDU nehmen, zeigt auch, dass der Verfassungsschutz noch am gleichen Tag eine Warnung an alle Parteien des Deutschen Bundestages herausgeben wollte. Alle Schutzmaßnahmen gegen digitale und hybride Bedrohungen seien hochgefahren, erklärte der Sprecher des Innenministeriums. „Wir sehen erneut, wie notwendig dies gerade vor Wahlen ist.“

Mutmaßlich russischer Hackerangriff auf SPD

Auch die SPD war im vergangenen Jahr Opfer einer Cyber-Attacke geworden. Damals wurden E-Mail-Konten der Parteizentrale gehackt. Die Bundesregierung macht für den Angriff eine Einheit des russischen Militärgeheimdienstes verantwortlich, die sogenannte Gruppe APT28. Sie ist nach Angaben des deutschen Verfassungsschutzes seit mindestens 2004 weltweit vor allem im Bereich Cyber-Spionage aktiv. APT28 wurde 2015 schon für eine große Cyber-Attacke auf den Bundestag verantwortlich gemacht und später in den USA für einen Angriff auf die Demokratische Partei vor der Präsidentschaftswahl 2016.

Die Attacke auf die SPD war nach bisherigen Erkenntnissen Teil einer Kampagne in mehreren europäischen Ländern. Opfer waren auch deutsche Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Rüstung, Luft- und Raumfahrt und IT-Dienstleistungen. Das Auswärtige Amt bestellte deswegen Anfang Mai einen hochrangigen russischen Diplomaten ein und rief den deutschen Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, für eine Woche zu Konsultationen nach Berlin zurück. Möglich wurde der Angriff laut SPD durch eine damals noch unbekannte Sicherheitslücke beim Softwarekonzern Microsoft.

Cybercrime beschäftigt deutsche Polizei zunehmend

Der Digitalverband Bitkom warnte zuletzt vor einer zunehmenden Zahl solcher Angriffe aus China und Russland. 80 Prozent der Unternehmen seien von Attacken wie Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen. Bei 46 Prozent konnten laut Verband die Angriffe auf Russland zurückverfolgt werden, 42 Prozent nach China. Manchen gehe es um Geld, andere wollten möglichst großen Schaden auch an kritischer Infrastruktur wie Energieversorgung und Krankenhäusern anrichten.

Der CDU-Politiker Voigt betonte, den Angreifern gehe es auch darum, das Vertrauen der Bürger in den Schutz durch den Staat zu untergraben. „Unsere politischen Institutionen sind widerstandsfähig und unsere Wahlen sind durch Cyberangriffe nicht gefährdet, aber die Bedrohungslage ist so hoch wie nie“, betonte er. Die Bevölkerung müsse dafür sensibilisiert werden, dass mit staatlich unterstützten Cyberangriffen aus dem Ausland „versucht wird, das politische Klima mit Fake News und Desinformationen zu destabilisieren und unsere Wahlen zu beeinflussen“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Aktien: China könnte den Markt verändern
30.07.2026

Ein weiterer neuer chinesischer KI-Akteur hat den Markt im Sturm erobert. Investoren glauben, dass er den Markt unter Druck setzen könnte,...

DWN
Politik
Politik Wahlen im Osten: AfD bleibt in Sachsen-Anhalt klar vorn – kleinere Parteien legen zu
30.07.2026

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt behauptet die AfD ihren deutlichen Vorsprung. Eine neue Umfrage zeigt zugleich: Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Zinsen bleiben stabil: Kommt die Erhöhung im September?
30.07.2026

Die US-Zinsen bleiben vorerst unverändert, doch die Debatte über eine mögliche Erhöhung im September läuft bereits. Der KI-Boom macht...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Warum der Osten gegen Merz rebelliert
30.07.2026

Kaum ist der CDU-interne Streit um die Kabinettsumbildung entschärft, droht Bundeskanzler Friedrich Merz neuer Ärger. Drei ostdeutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie unter Druck: Wall Street zweifelt an Zuckerbergs KI-Offensive
30.07.2026

Mark Zuckerberg setzt bei Meta weiter auf große KI-Visionen. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Trotz ambitionierter Pläne für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF verdient wieder Geld – doch die Last bleibt
30.07.2026

ZF schreibt nach zwei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen und bestätigt seine Jahresziele. Doch fast zehn Milliarden Euro Schulden,...

DWN
Technologie
Technologie EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
30.07.2026

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits...