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Bunker-Unternehmer Mario Piejde: „Unser Plan sind 100 Millionen Jahresumsatz innerhalb der nächsten 5 Jahre“

Nicht nur die deutsche Rüstungsindustrie profitiert von der Zeitenwende. Mario Piejde, Chef der BSSD-Defense GmbH, Deutschlands Marktführer für Schutzraumlösungen, äußert sich im DWN-Interview über die hohe Nachfrage nach privaten Schutzräumen, technologische Innovationen und künftige Herausforderungen.
28.07.2024 06:03
Aktualisiert: 28.07.2024 11:03
Lesezeit: 5 min
Bunker-Unternehmer Mario Piejde: „Unser Plan sind 100 Millionen Jahresumsatz innerhalb der nächsten 5 Jahre“
Die BSSD-Defense GmbH arbeitet mit verschiedenen Testlabors und NATO-Standorten zusammen, um die Materialien und Konstruktionen unter realistischen Bedingungen zu testen, damit die Schutzräume militärischen Sicherheitsstandards entsprechen. (Foto: BSSD-Defense GmbH)

DWN: Herr Piejde, haben Sie eigentlich auch einen Sicherheitsraum in Ihrem Haus?

Maro Piejde: Sie meinen einen Schutzraum? Ja, haben wir. (lacht)

DWN: Wie kommt man darauf, ein Unternehmen im Bereich Schutzraum- und Bunkerbau zu gründen?

Piejde: Das hat in den 1990er Jahren angefangen. Damals waren wir ein normales Bauunternehmen, das Schutzräume aus Stahlbeton für private und staatliche Kunden gebaut hat, unter anderem für einen deutschen Bundespräsidenten. Im Jahr 2014 haben wir dann die Bunker Schutzraum Systeme Deutschland, kurz BSSD, gegründet, um uns auf den Bau von Schutzräumen zu spezialisieren. Auslöser war die steigende Nachfrage und das wachsende Interesse an sicheren Unterkünften aufgrund der bekannten geopolitischen Spannungen und Konflikte.

DWN: Wie hat sich die Nachfrage nach Ihren Produkten in den vergangenen Jahren entwickelt?

Piejde: Der Anstieg begann wie gesagt 2014 mit der Annexion der Krim durch Russland. Die daraus resultierenden Unsicherheiten haben viele Menschen dazu bewegt, über Schutzräume nachzudenken. Ein weiterer signifikanter Schub kam mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Die Menschen wurden sich der möglichen Bedrohungen nochmals bewusster und suchten nach Möglichkeiten, sich und ihre Familien zu schützen. Aber Unsicherheiten wie Naturkatastrophen haben dazu beigetragen.

DWN: An welche Zielgruppe wenden Sie sich hauptsächlich?

Piejde: Unser Kundenkreis ist breit gefächert. Das sind nicht nur wohlhabende Privatpersonen und Prominente, sondern auch ganz normale Leute, die einen Schutzraum in ihren Keller integrieren wollen. Durch unsere Partnerschaft mit großen Bauunternehmen wie Glatthaar, die in Deutschland pro Jahr 6.500 Keller bauen, ist es uns möglich, die Schutzräume in die Neubauten zu integrieren, was die Kosten für unsere Kunden erheblich senkt. Ein Großteil unserer Kunden sind Familien, die für den Notfall vorsorgen wollen. Es kommen aber auch viele Anfragen von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, die ihre Infrastruktur schützen wollen.

DWN: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Schutzräume militärischen Sicherheitsstandards entsprechen?

Piejde: Wir arbeiten mit verschiedenen Testlabors und NATO-Standorten zusammen, um unsere Materialien und Konstruktionen unter realistischen Bedingungen zu testen. Dazu gehören auch Tests mit Sprengstoffen und ballistischen Waffen. Unsere Schutzräume werden nach höchsten Standards gebaut und regelmäßig zertifiziert. So können unsere Schutzräume beispielsweise einem direkten Mörserbeschuss von 140 mm oder einem Atomschlag standhalten. Um das zu gewährleisten, gibt es spezielle Normen und Richtlinien, nach denen wir unsere Schutzräume bauen und prüfen lassen.

DWN: Legen Ihre Kunden auch Wert auf die ästhetische Gestaltung ihrer Schutzräume?

Piejde: Ja, viele unserer Kunden wollen nicht nur Sicherheit, sondern auch einen wohnlichen Raum. Interessant ist, dass etwa 70 bis 80 Prozent unserer Kunden Frauen sind. Deshalb arbeiten wir mit Designern zusammen, damit unsere Schutzräume möglichst auch wohnlich sind. Wir haben zum Beispiel ein aktuelles Projekt in Hamburg, bei dem jede der sechs Etagen eines großen Bunkers ein eigenes Farbkonzept hat. Die Wände werden von Streetart-Künstlern gestaltet, um den Aufenthalt angenehmer zu machen.

DWN: Was sind die besonderen Wünsche Ihrer Kunden?

Piejde: Grundsätzlich ist es unser Ziel, einen Schutzraum oder Bunker so zu gestalten, dass er sowohl sicher als auch komfortabel ist. Deshalb bieten wir maßgeschneiderte Lösungen an, die auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind. Wir bieten jedoch nur Schutzräume an. Wenn jemand einen Swimmingpool oder eine Wellnessoase in einem Schutzraum wünscht, sind wir der falsche Ansprechpartner.

DWN: Das heißt, letztlich müssen Schutzräume schützen. Welche Innovationen gibt es in diesem Bereich?

Piejde: Richtig. Eine Innovation ist der Einsatz von leichteren und gleichzeitig robusteren Materialien. Wir haben zum Beispiel spezielle Panzerstahl-Laminate entwickelt, die bei gleicher Schutzwirkung das Gewicht reduzieren. Außerdem arbeiten wir an intelligenten Energieversorgungs- und Belüftungssystemen, die im Notfall auch ohne externe Energiequellen funktionieren. Wichtig ist, dass die Technik so einfach wie möglich ist, damit sie im Notfall von jedermann bedient werden kann.

DWN: Der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen ein großes Thema. Auch bei Ihnen?

Piejde: Zum Glück haben wir einen guten Ruf und viele Fachkräfte bewerben sich bei uns, weil sie das Thema spannend finden und wissen, dass sie bei uns einen sicheren Arbeitsplatz haben. Insofern können wir uns über einen Mangel an Fachkräften nicht beklagen.

DWN: In den USA sind Bunker und Schutzräume für Privatpersonen schon seit Jahrzehnten Gang und Gäbe. Haben Sie hier in Deutschland Konkurrenz aus Übersee?

Piejde: In Europa sind wir mit unserem Angebot nahezu einzigartig. Natürlich gibt es auch andere Baufirmen, die ähnliche Leistungen anbieten, aber das Komplettpaket, das wir liefern - von der Planung über den Bau bis zur schlüsselfertigen Übergabe -, das bietet keiner. In den USA gibt es ähnliche Unternehmen, aber die Qualität ihrer Produkte ist nicht so gut wie bei uns. „Made in Germany“ ist nach wie vor ein Gütesiegel für Qualität und Zuverlässigkeit. Unsere internationalen Partner schätzen unser Know-how und unsere Erfahrung.

DWN: Mit welchen Strategien erreichen Sie Ihre Zielgruppe?

Piejde: Die meisten unserer Kunden kommen über das Internet zu uns. Unsere Website ist eine wichtige Informationsquelle, und wir haben Analysten, die die Besucherströme analysieren und Trends erkennen. Wir arbeiten auch mit großen Einzelhandelsketten wie Norma zusammen, um unsere Produkte einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Eine unserer erfolgreichsten Kampagnen war ein Bestellmagazin, das an Millionen von Haushalten verteilt wurde. Die Resonanz auf den Norma-Prospekt war sehr positiv, was uns zeigt, dass das Interesse an Schutzräumen groß ist. Außerdem sind wir regelmäßig auf Baumessen vertreten und arbeiten eng mit Architekten und Baufirmen zusammen.

DWN: Wie lange dauert es von der Bestellung eines Schutzraums bis zur Montage, und welche Kosten sind damit verbunden?

Piejde: Preis und Lieferzeit hängen vom jeweiligen Modell ab. Zum Beispiel dauert es bei unserem Modell Bunker B1 mit einer Fläche von 18 m² mit Stahlkörper, Gasfilteranlage, Trocken-WC sowie Panzertür, Explosionsschutzventilen und Gasklappen etwa 111 bis 180 Werktage. Der Preis für dieses Modell beginnt bei etwa 120.000 Euro. Generell variieren die Preise je nach Größe und Ausstattung des Schutzraums zwischen 40.000 und 200.000 Euro. Die Kosten für ein sicheres Fenster liegen etwa zwischen 2.500 und 5.000 Euro, und für eine Sicherheitstür zwischen 5.000 und 8.000 Euro.

DWN: Die Bundesregierung berät derzeit über den „Sachstandsbericht zur Entwicklung eines modernen Schutzraumkonzeptes“. Welche Auswirkungen könnte das auf Ihr Geschäft haben?

Piejde: Die deutsche Regierung erkennt zunehmend die Notwendigkeit von Schutzräumen, aber es bleibt noch viel zu tun. Der Bericht der Innenministerkonferenz und das Schutzraumkonzept sind Schritte in die richtige Richtung. Hilfreich wären Förderprogramme für den Bau privater Schutzräume, ähnlich wie in der Schweiz oder in Finnland. Das würde nicht nur die Sicherheit der Bevölkerung erhöhen, sondern auch die Bauwirtschaft ankurbeln. Schätzungen gehen davon aus, dass allein im privaten Bereich in den nächsten 20 bis 30 Jahren rund 140 Milliarden Euro investiert werden müssten, um ein flächendeckendes System wie in der Schweiz oder in Finnland zu erreichen.

DWN: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft der BSSD?

Piejde: Wir sehen großes Potenzial im Ausbau unseres Angebots im Bereich der Sicherheitstechnik, insbesondere bei der Integration von Schutzräumen in Neubauten und der Entwicklung von neuen Sicherheitslösungen für den privaten und öffentlichen Sektor. Unser Ziel ist es, weiterhin führend in Europa zu sein und unseren Kunden die bestmögliche Sicherheit zu bieten. Wir planen, unsere Kapazitäten weiter auszubauen und neue Märkte zu erschließen.

Auch der Bereich der Kriminalitätsprävention wird immer wichtiger, sodass wir vermehrt auch Panikräume und Sicherheitslösungen für den privaten Wohnbereich anbieten werden. Unser Jahresumsatz liegt im einstelligen Millionen Bereich. Doch aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage erwarten wir weiteres Wachstum in den nächsten fünf Jahren.

DWN: Herr Piejde, vielen Dank für das Gespräch!

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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