Wirtschaft

Studie der Allbright Stiftung: Frauenquote in Familienunternehmen bleibt niedrig

Der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Familienunternehmen stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Trotz wachsender Debatten über Diversität bleibt der Fortschritt minimal. Aber eine Überraschung offenbart die Untersuchung.
02.05.2026 07:20
Lesezeit: 2 min
Studie der Allbright Stiftung: Frauenquote in Familienunternehmen bleibt niedrig
Trotz wachsender Debatte über Diversität gibt es kaum Fortschritte bei Frauen in Führungspositionen. (Foto: ChatGPT)

Kaum Fortschritte bei Frauen in Führungspositionen von Familienunternehmen

Die deutschen Familienunternehmen kommen beim Anteil von Frauen in ihren Führungsetagen weiterhin kaum voran. Laut einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung betrug der Anteil weiblicher Führungskräfte in den 100 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands Anfang März dieses Jahres nur 13 Prozent. Im Vergleich zum Stichtag vor zwei Jahren zeigte sich lediglich ein minimaler Anstieg von gerade einmal 0,4 Prozentpunkten.

Zudem seien zuletzt wieder verstärkt Männer eingestellt worden. Nur 17 Prozent der neu besetzten Positionen in den Geschäftsführungen der Familienunternehmen gingen an Frauen.

"Vollbremsung" beim Frauenanteil in Geschäftsführungen

"Wir beobachten gerade eine Vollbremsung bei der Erhöhung des Frauenanteils in den Geschäftsführungen der deutschen Unternehmen insgesamt", kommentieren die Geschäftsführerin und der Geschäftsführer der Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg. "Für die Familienunternehmen ist das ein besonders großes Problem, denn sie stoppen die Entwicklung, bevor sie richtig gestartet ist."

Die Unternehmen sollten nun gezielt in qualifizierte Fachkräfte sowie in die Kombination verschiedener Perspektiven im Management investieren. Defizite sehen die Studienautoren insbesondere bei der Digitalisierung, bei Geschäftsmodellen sowie bei der Zusammensetzung von Führungsteams.

Börsennotierte Unternehmen mit höherem Frauenanteil in der Führung

Einen wesentlichen Einfluss auf den Frauenanteil in der Geschäftsführung hat laut Studie die Transparenz der Firmen sowie der Einfluss externer Akteure außerhalb der Familie. So sind 20 der 100 größten Familienunternehmen an der Frankfurter Börse gelistet, wobei sich die Aktien vielfach weiterhin im Besitz der Familien befinden, zum Beispiel bei BMW (ISIN: DE0005190003), Continental (ISIN: DE0005439004), Henkel (ISIN: DE0006048432) oder Merck. In diesen Unternehmen – und das ist eine überraschende Erkenntnis – liegt der Frauenanteil in den Geschäftsführungen bei 19,8 Prozent und entspricht damit ungefähr dem Durchschnitt aller börsennotierten Firmen.

Bei nicht börsennotierten Familienunternehmen insgesamt beträgt der Frauenanteil in den Führungsgremien hingegen 11,1 Prozent.

Netzwerke und "immergleiche Rekrutierungsschablone"

Insgesamt seien die Geschäftsführungen der Familienunternehmen "deutlich männlicher, deutscher und stärker von Ingenieuren geprägt" als die Vorstände der 160 im DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen, so die Studie. Eine besondere Herausforderung für viele regional verwurzelte Firmen bestehe darin, Führungskräfte aus anderen Regionen oder aus dem Ausland zu gewinnen.

Auch hätten persönliche und "teils sehr exklusive Netzwerke, in denen kaum Frauen vorkommen, eine wichtige Bedeutung bei der Besetzung von Top-Management-Positionen in Familienunternehmen", erklären Ankersen und Berg – "ebenso wie eine tradierte, immergleiche Rekrutierungsschablone".

Die Untersuchung zeigte zudem, dass Frauen im Zeitraum von 1. März 2024 bis 1. März dieses Jahres deutlich häufiger aus den Geschäftsführungen ausgeschieden sind (32 Prozent der weiblichen Mitglieder) als Männer (24 Prozent der männlichen Mitglieder). Bei börsennotierten Unternehmen zeigte sich hingegen das umgekehrte Bild: Dort verließen innerhalb von zwei Jahren 23 Prozent der weiblichen und 38 Prozent der männlichen Vorstandsmitglieder ihre Positionen.

Viele Familienunternehmen weiterhin ohne Frauen in der Führung

Ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern in der Geschäftsführung erkennen die Autoren nur bei sechs Unternehmen, darunter etwa Jungheinrich (ISIN: DE0006219934), Mann + Hummel, Merck oder Voith. 51 Unternehmen verfügen demnach über keine einzige Frau in der Geschäftsführung, darunter Firmen wie Dachser, Haniel oder Kärcher sowie die Schwarz Gruppe.

Der geringe Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Familienunternehmen zeigt deutlich, dass strukturelle Veränderungen weiterhin ausbleiben. Trotz wachsender Aufmerksamkeit für Diversität und Gleichberechtigung gelingt es vielen Unternehmen nicht, nachhaltige Fortschritte zu erzielen. Besonders problematisch ist die Kombination aus traditionellen Netzwerken, eingeschränkter Rekrutierung und mangelnder Offenheit für externe Einflüsse. Während börsennotierte Unternehmen hier bereits weiter sind, drohen viele Familienunternehmen den Anschluss zu verlieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie gezielt neue Perspektiven zulassen, Talente fördern und bestehende Strukturen kritisch hinterfragen. Nur so kann langfristig eine moderne und ausgewogene Führungskultur entstehen.

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung engagiert sich für mehr Frauen und Vielfalt in Führungspositionen der Wirtschaft.

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