EU stellt Island flexiblere Fischereiregeln in Aussicht
Die EU-Kommission versucht, Island mit größerem Spielraum in der Fischereipolitik für neue Beitrittsgespräche zu gewinnen. Nach einem Bericht der Financial Times signalisiert Brüssel Bereitschaft zu flexibleren Regeln, damit eine mögliche Mitgliedschaft für Reykjavik politisch leichter vermittelbar wird.
Island bereitet für August ein Referendum vor. Die Bevölkerung soll der Regierung dabei ein politisches Signal geben, ob das Land die Verhandlungen mit der EU über eine Mitgliedschaft wieder aufnehmen soll.
Neue Dynamik in der Beitrittsfrage
Island könnte im Fall eines Beitritts zum 28. Mitgliedstaat der Europäischen Union werden. Damit wäre das Land künftig Teil einer europäischen Gemeinschaft, die rund 449 Millionen Einwohner umfasst.
Bereits vor rund zehn Jahren hatten Island und die EU ernsthaft über eine Mitgliedschaft verhandelt. Die Gespräche kamen jedoch zum Stillstand, als es um Fischerei, Fangquoten und nationale Rechte ging. Für Island ist die Fischerei ein Kernbereich der Volkswirtschaft. Rund 40 Prozent der isländischen Exporte entfallen auf Fisch und andere Meeresprodukte.
Fischerei bleibt der wichtigste Verhandlungspunkt
Brüssel versucht nun offenbar, genau diesen Konflikt zu entschärfen. Costas Kadis, EU-Kommissar für Fischerei, sagte laut Financial Times, es gebe „bestimmt Raum für Flexibilität“. Auf die Frage, ob Island Ausnahmen von der bestehenden Fischereipolitik erhalten könnte, antwortete Kadis laut dem Bericht mit „Ja, ja“. Dies werde Teil der Gespräche sein.
Der EU-Kommissar erklärte zudem, man könne Lösungen für die bestehenden Herausforderungen finden. Seine Aussagen zeigen, dass die EU die Fischerei nicht mehr als unüberwindbare Hürde für neue Verhandlungen behandeln will.
Arktis gewinnt strategisch an Bedeutung
Die veränderte Sicherheitslage gibt der Debatte zusätzliches Gewicht. Auf Island wächst die Sorge über die Folgen des russischen Krieges gegen die Ukraine und über die zunehmende Machtkonkurrenz im Nordatlantik.
Hinzu kommt die Unsicherheit über den Kurs der USA. Präsident Donald Trump hatte angekündigt, Grönland übernehmen zu wollen, was die Debatte über strategische Ansprüche in der Arktis weiter verschärfte.
Laut Financial Times könnte die EU ein Interesse daran haben, weit im Norden ein stärkeres strategisches Fundament zu schaffen. Ein eng an die EU gebundenes Island würde Europas Position in der Arktis und im Nordatlantik stärken.
Bevölkerung bleibt beim EU-Beitritt gespalten
Kadis verwies darauf, dass sich die EU und Island nach den geopolitischen Erschütterungen der vergangenen Jahre annäherten. Damit erhält die Beitrittsfrage neben der wirtschaftlichen auch eine sicherheitspolitische Dimension.
Innenpolitisch bleibt die Ausgangslage jedoch schwierig. Umfragen zeigen, dass 47 Prozent der Isländer einen EU-Beitritt ablehnen, während 40 Prozent dafür sind. Der Widerstand hängt vor allem mit den Bedingungen für die Fischerei zusammen. Viele Isländer fürchten, dass eine Mitgliedschaft die nationale Kontrolle über Fangrechte und Quoten einschränken könnte.
Deutschland profitiert von Stabilität im Nordatlantik
Für Deutschland wäre eine engere Anbindung Islands vor allem aus wirtschafts- und sicherheitspolitischer Sicht relevant. Ein stärker in europäische Strukturen eingebundener Partner im Nordatlantik könnte Handelsrouten, maritime Infrastruktur und Rohstoffinteressen besser absichern.
Auch für die deutsche Wirtschaft hätte eine stabilere europäische Präsenz im hohen Norden Bedeutung. Die Debatte über Islands möglichen EU-Kurs zeigt, wie eng Fischereiregeln, Sicherheitsfragen und strategische Interessen in Europa inzwischen miteinander verbunden sind.
