Politik

Macht er Cash oder wird er Präsident? Donald Trumps Haltefrist bei Truth Social endet

Truth Social ist vermutlich Donald Trumps beste Investition gewesen, seit Jahrzehnten - ever, ever! Besser als seine Hotels und Golfplätze. Einfach nur mit seinen schrillen Aussagen und Provokationen die militanten Fans und das erratische Publikum in den USA bei Laune halten. Das ist der Deal! Heute muss Trump entscheiden, ob er Kasse macht, denn sein Börsenkurs fällt gerade.
19.09.2024 16:58
Lesezeit: 2 min
Macht er Cash oder wird er Präsident? Donald Trumps Haltefrist bei Truth Social endet
Mit dieser Ankündigung ging es einst los: Homepage und App-Ankündigung von „Truth Social“. Der frühere US-Präsident Donald Trump hat ein alternatives soziales Netzwerk gegründet und damit an der Börse eine Milliardenbewertung erreicht. (Foto: dpa) Foto: Christoph Dernbach

Donald Trumps Schlagabtausch mit Kamala Harris könnte den ehemaligen US-Präsidentin noch teuer zu stehen kommen. Womöglich hat seine verstörende Hasstirade gegen (angeblich Hunde und Katzen verschlingende) Haitianer in Springfield/Ohio) ihn die Wahl am 5. November gekostet. Vor allem erst einmal Millionen an der Börse - gleich am Tag nach der Fernsehdebatte, als die Aktien von Truth Social von 19 auf 15 Dollar die Aktie absackten. 400 Millionen Dollar waren damit futsch. Ob es noch mehr werden sollen, oder ob er besser sein Aktienpaket eincashen sollte, wird Trump heute inniglich beschäftigen.

Am Donnerstag nach Börsenschluss an der Wall Street endet nämlich die von den Gründern des Unternehmens bei Trump ausbedungene Haltefrist seiner Aktienanteile. Das bedeutet von daher: Schnell das Geschäft abschließen - oder doch besser abwarten, und auf einen für ihn erfolgreichen Ausgang der Wahl setzen? Wenn Trump tatsächlich wieder US-Präsident wird, könnte das dümpelnde Forum hingegen richtig steil gehen und andere soziale Medien wie Elon Musks X weit in den Schatten stellen. Game over - das wäre allerdings auch denkbar.

Trump gehören 150 Millionen der Aktien und damit rund 60 Prozent des Medienunternehmens. Doch trotz seiner beständigen Beteuerungen und Werbebotschaften ("I love Truth Social") hat ihm die Plattform zuletzt vergleichsweise wenig Resonanz beschert. Bislang erst 7,7 Millionen Menschen folgen Trump auf Truth Social, die in weiten Teilen der USA bereits als "Echokammer der Ultrarechten" verschrien ist. Elon Musks frühere Twitter-Seite versammelt (unterdessen als X) immerhin noch 90 Millionen Follower vor den Bildschirmen und lädt dort zum Streiten und Beschimpfen ein.

Anzahl der Follower in "Echokammer der Ultrarechten" bleibt überschaubar

Anfang der Woche hat Donald Trump auf Nachfragen, wie er es denn künftig mit Truth Social hält, noch abgewinkt. Am Donnerstag nach Börsenschluss indessen dürfte seine vornehme gesichtswahrende Zurückhaltung ein Ende haben. Der 78-Jährige könnte kräftig Kasse machen. Fast zwei Milliarden sind fast so viel wie "Forbes" zufolge Donald Trumps Vermögen überhaupt wert ist. Gut möglich, dass er Geld für seine enormen Anwaltskosten benötigt. Trump ist scheinbar längst nicht so flüssig, wie er in den letzten Jahren stets vorgegeben und der Öffentlichkeit vorgegaukelt hat. "Nein, ich verkaufe nicht. Ich liebe es!" Das waren Trumps letzten Worte zu seiner Börsenstrategie. Bleibt es dabei? Das beschäftigt heute ganz Amerika - nicht nur die Börsianer an der Wall- Street.

Tatsächlich wäre Trumps Ausverkauf nämlich wohl das deutliche Eingeständnis, dass er im Kampf gegen seine demokratische Konkurrentin Kamala Harris bereits aufgegeben hat, innerlich, lange bevor die Stimmen der Wähler überhaupt ausgezählt worden sind. Immerhin sind es großteils seine Anhänger, die mit ihren Ersparnissen eingestiegen sind und die Aktie hoch gejazzt haben - zu der völlig überzogenen Bewertung für die wenigen Abonnenten.

Als Alternative könnte Trump allerdings sein Aktienpaket künftig wenigstens als Sicherheit belegen oder auch als sogenanntes Collateral nutzen, wenn er mal wieder vom Gericht zu einer exorbitanten Strafzahlung verdonnert wird. Sollte er im Januar 2025 tatsächlich ins Weiße Haus zurückkehren, dürfte der Wert seines Aktienpakets indessen kräftig steigen.

Ob sein Stern so sehr gesunken ist wie der Börsenkurs von Truth Social zuletzt - das ist die offene Frage, die Amerika heute in Spannung versetzt. Ganz abgeschrieben sind weder Trump noch Truth Social bisher. Immer moch gibt es reichlich Anhänger mit einer dezidiert anderen Meinung. Und die brauchen auch ein Ort, an dem sie sie heimisch fühlen und anders als beim Krawallsender Fox-News auch wirklich mitreden können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Peter Schubert

Peter Schubert ist stellv. Chefredakteur und schreibt seit November 2023 bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Immobilienthemen. Er hat in Berlin Publizistik, Amerikanistik und Rechtswissenschaften an der Freien Universität studiert, war lange Jahre im Axel-Springer-Verlag bei „Berliner Morgenpost“, „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ sowie „Welt Kompakt“ tätig. 

Als Autor mit dem Konrad-Adenauer-Journalistenpreis ausgezeichnet und von der Bundes-Architektenkammer für seine Berichterstattung über den Hauptstadtbau prämiert, ist er als Mitbegründer des Netzwerks Recherche und der Gesellschaft Hackesche Höfe (und Herausgeber von Architekturbüchern) hervorgetreten. In den zurückliegenden Jahren berichtete er als USA-Korrespondent aus Los Angeles in Kalifornien und war in der Schweiz als Projektentwickler tätig.

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Amazon streicht weltweit 16.000 Arbeitsplätze
28.01.2026

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon baut erneut Tausende Stellen ab. Was hinter den Entlassungen steckt und wie der Konzern auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunkturausblick für Deutschland: Bundesregierung reduziert Wachstumsprognose
28.01.2026

Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose und passt den wirtschaftspolitischen Kurs an. Welche Folgen hat der Beschluss für...

DWN
Finanzen
Finanzen Gehaltsverhandlung: Tipps für mehr Gehalt in schwierigen Zeiten – der 7-Punkte-Plan zur Gehaltserhöhung
28.01.2026

Inflation, Unsicherheit, Sparkurs: Viele Beschäftigte zögern mit der Gehaltsverhandlung. Doch gerade jetzt kann der richtige Ansatz den...