Politik

AfD-Verbotsantrag? Ex-SPD-Chef Gabriel favorisiert ein anderes Vorgehen

Soll der Bundestag einen AfD-Verbotsantrag vor das Bundesverfassungsgericht bringen? Die Meinungen über diesen parteiübergreifenden Vorstoß gehen auseinander. Für den früheren SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel muss es einen anderen Weg geben.
08.10.2024 17:42
Lesezeit: 1 min

Gabriel ist gegen einen AfD-Verbotsantrag. "Das wäre das Eingeständnis des Scheiterns der Politik, die Partei nicht argumentativ besiegen zu können", sagte Gabriel dem "Handelsblatt". Gabriel warnt zudem, dass die AfD daraus Nutzen ziehen könnte. "Ein Verbot birgt das Risiko, dass die AfD bei kommenden Wahlen nicht 30, sondern 40 Prozent der Stimmen erhält. Oder es wird eine neue rechtsradikale Partei gegründet."

Die CSU-Innenexpertin Andrea Lindholz sieht dies ähnlich. "Ein Verbotsantrag würde der AfD die Möglichkeit geben, sich als Opfer darzustellen und von ihren inhaltlichen Schwächen abzulenken", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion der Zeitung. Nur eine inhaltliche Auseinandersetzung könne den Aufstieg dieser Partei stoppen.

Fraktionsübergreifender Verbotsantrag

Die aktuelle Debatte wurde durch einen AfD-Verbotsantrag ausgelöst, der von Bundestagsabgeordneten mehrerer Parteien unterstützt wird. Laut Medienberichten haben sich dafür weit mehr als die notwendigen 37 Abgeordneten aus SPD, Union, Grünen und der Linken zusammengetan. Das Ziel dieser Abgeordneten ist es, beim Bundesverfassungsgericht einen AfD-Verbotsantrag einzureichen.

Der Grünen-Politiker Michael Kellner verteidigte hingegen den Antrag. Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium erklärte in der ARD-Sendung "hart, aber fair", dass die AfD das Grundgesetz und den Rechtsstaat angreife. Er halte es für richtig, ein Verbot im Bundestag, der "Herzkammer der Demokratie", zu prüfen und dann dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorzulegen.

Ein Parteienverbot kann von Bundestag, Bundesrat oder der Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht beantragt werden. Der AfD müsste in einem solchen Verfahren nachgewiesen werden, dass sie aggressiv gegen die Verfassung agiert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Partei als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Die AfD-Landesverbände in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden von den Landesämtern für Verfassungsschutz als eindeutig rechtsextremistisch bewertet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise als Standortkiller: Droht Europa die Deindustrialisierung?
28.05.2026

Die Energiekrise spitzt sich weiter zu – angetrieben durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus, die einen erheblichen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Reallöhne: Etwas mehr Kaufkraft trotz Krisenangst
28.05.2026

Die Inflation verliert an Schrecken, Millionen Beschäftigte haben wieder mehr Geld im Portemonnaie. Kriege und Krisen könnten den...

DWN
Politik
Politik Drohnenkrieg: "Plötzlich fühlt sich Moskau wie Kiew an!"
28.05.2026

Der Drohnenkrieg erreicht Moskau und trifft Russland an einem politisch heiklen Punkt. Die Ukraine demonstriert, dass selbst die am besten...

DWN
Technologie
Technologie Elektro-Auto-Boom überrascht Deutschland
28.05.2026

Benzinpreise steigen, Förderungen greifen: Immer mehr Deutsche wechseln plötzlich zum E-Auto. Besonders junge Fahrer treiben den...

DWN
Immobilien
Immobilien Neues Heizungsgesetz: Millionen Mietwohnungen in Gefahr
28.05.2026

Das neue Heizungsgesetz sollte Klarheit schaffen – stattdessen wächst die Angst vor steigenden Kosten und weniger Mietwohnungen....

DWN
Technologie
Technologie KI-Phishing wird zur Waffe gegen Verbraucher und Firmen
28.05.2026

Früher verrieten Rechtschreibfehler und krumme Links viele Betrugsversuche. Heute schreibt künstliche Intelligenz perfekte Mails, baut...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uni-Start-ups: Warum Deutschland im Vergleich hinterherhinkt
28.05.2026

Eine neue Untersuchung zeigt: Aus deutschen Hochschulen entstehen im europäischen Vergleich relativ wenig erfolgreiche Start-ups. Woran...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wissenschaftler: KI zerstört den Kapitalismus
28.05.2026

Der KI-Arbeitsmarkt steht vor einer historischen Zäsur. Zukunftsforscher Martin Ford warnt, dass künstliche Intelligenz nicht nur Jobs...