Politik

US-Wahlen in Arizona: Warum wegen der Grenze zu Mexiko Trump Zulauf bekommt

Arizona scheint einer der Swing States zu sein, den dieses Jahr Donald Trump gewinnen kann. Die politische Landschaft verändert sich dort rasant. Unternehmer verspüren den Druck: steigende Steuern, politische Unsicherheiten und ein Wandel durch Zuwanderung. Warum Arizona 2024 für die Demokraten verloren scheint, beschreibt ein Unternehmer-Paar aus Scottsdale.
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26.10.2024 14:01
Lesezeit: 4 min
US-Wahlen in Arizona: Warum wegen der Grenze zu Mexiko Trump Zulauf bekommt
Der Grayhawk Golf Club in der Nähe von Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona. (Foto: dpa)

Arizona ist einer der entscheidenden Swing States, die den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen beeinflussen können. In den letzten Jahren hat sich die politische Landschaft hier stark verändert. Unternehmer sehen sich inmitten dieser Veränderungen sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Herausforderungen gegenüber. Die DWN haben mit einer in Scottsdale, Arizona ansässigen Unternehmerfamilie gesprochen, um Einblicke in ihre Sichtweise auf die gegenwärtige Situation und die bevorstehenden Wahlen zu gewinnen.

Die Familie besteht aus Casey und Valeria. Casey ist Mitglied der Gründerfamilie eines der größten Kohleunternehmen in den USA. Seine Frau Valeria leitet ein Start-up im Bereich Frauensport, das sich auf Golfmode für Frauen spezialisiert hat. Beide sind tief in der lokalen Geschäftswelt verwurzelt und verfolgen mit wachsender Spannung, wie sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ihrem Staat und im Land verändern.

Unternehmer und die Wahl 2024: Eine gespaltene Stimmung

Casey, der seit über 5 Jahren in Arizona lebt und arbeitet, hat die wirtschaftlichen Hochs und Tiefs der letzten zwei Jahrzehnte miterlebt. „Für Unternehmer wie mich war die Präsidentschaft von Donald Trump eine Zeit, in der die Steuern erträglich blieben und es Anreize gab, in die heimische Wirtschaft zu investieren“, erklärt er. „Ich habe das Gefühl, dass Trump die Interessen der Unternehmer im Blick hatte, vor allem, wenn es um Steuern und Bürokratieabbau ging.“ Diese Meinung teilt er mit vielen seiner Unternehmerkollegen in Arizona, die von den wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen der Trump-Regierung profitiert haben.

Mit Joe Biden als Präsident hat sich für Casey jedoch einiges verändert. „Die Steuern sind gestiegen, und das belastet vor allem Unternehmen, die expandieren wollen“, sagt er.

Kamala Harris: Eine Kandidatin mit vielen Themen, aber zu wenig Tiefe

Casey und Valeria teilen auch ihre Meinung über Kamala Harris, die mögliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Valeria äußert sich kritisch: „Kamala spricht viele Themen an, vielleicht sogar zu viele. Es wirkt, als wolle sie es allen recht machen, aber am Ende bleibt nichts wirklich Greifbares übrig.“ Valeria glaubt, dass Harris, obwohl sie in den Medien oft als starke Kandidatin dargestellt wird, Probleme hat, das Vertrauen der Wähler zu gewinnen: „Sie ist spät in den Wahlkampf eingestiegen und versucht jetzt, alle möglichen Themen auf einmal zu adressieren – das wirkt nicht überzeugend.“

Für Valeria, die mit ihrem Start-up versucht, in einer von Männern dominierten Branche Fuß zu fassen, ist die Politik von besonderer Bedeutung. Sie sieht mit Sorge, dass Harris möglicherweise eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt. „Es ist interessant, dass Kamala Anteile an Firmen besitzt, die in die Produktion von Batterien für Elektroautos involviert sind. Das wirft Fragen auf, inwieweit ihre politischen Entscheidungen wirklich im Interesse der Allgemeinheit liegen oder eher ihren persönlichen Vermögenswerten dienen.“

Die Veränderung der Wählerschaft in Arizona: Ein Staat im Wandel

Arizona war lange Zeit ein „verlässlicher“ republikanischer Bundesstaat. Bei den Präsidentschaftswahlen 2016 wählte der Staat Donald Trump, was entscheidend zu seinem Wahlsieg beitrug. Doch die demografischen Veränderungen und der Zustrom neuer Einwohner haben das politische Klima in Arizona nachhaltig beeinflusst. „Seit COVID sind viele Menschen aus Kalifornien hierhergezogen“, berichtet Valeria. „Diese Menschen neigen eher dazu, die Demokraten zu unterstützen, was die Wahlen 2020 stark beeinflusst hat.“

Besonders die Metropolregion Phoenix hat sich in den letzten Jahren zu einem politischen Brennpunkt entwickelt. Hier konzentrieren sich viele junge Menschen, Einwanderer und Zuwanderer aus Kalifornien, die überwiegend demokratisch wählen. „Die Voting Map von 2020 zeigt klar, dass Phoenix ein starkes demokratisches Zentrum ist“, erklärt Valeria. „Es sind vor allem junge Menschen, Immigranten und viele Neuankömmlinge aus Kalifornien, die hier den Ton angeben.“ Dies hat zur Folge, dass Arizona nun als Swing State gilt, in dem beide Parteien massiv in ihre Wahlkampagnen investieren.

Die Rolle Chinas und die globale Wirtschaft: Harris' Pläne für Arizona

Ein weiteres Thema, das die Unternehmer in Arizona stark bewegt, ist die Rolle Chinas in der amerikanischen Wirtschaft. Kamala Harris hat angekündigt, chinesische Produktionsstätten nach Arizona zu holen, um hier Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft anzukurbeln. „Das klingt zunächst gut“, gibt Casey zu, „aber es stellt sich die Frage, inwieweit das wirklich unserer heimischen Wirtschaft zugutekommt. Werden diese Arbeitsplätze den Menschen hier vor Ort langfristig helfen, oder profitieren am Ende wieder nur Großunternehmen und ausländische Investoren?“

Valeria ergänzt: „Es gibt Bedenken, dass die Produktion in chinesischer Hand bleibt und die Wertschöpfung letztlich nicht in die lokalen Gemeinschaften fließt. Zudem besteht die Gefahr, dass der lokale Markt für kleine und mittlere Unternehmen dadurch weiter unter Druck gerät.“

Einwanderung und der rasche Wandel der Migrationspolitik

Die Einwanderungspolitik ist ein weiteres Thema, das Arizona stark beeinflusst. Valeria hat beobachtet, wie sich die Migrationspolitik in den letzten Jahren verändert hat. „Früher dauerte es Jahre, um eine Green Card zu bekommen. Jetzt geht alles viel schneller, oft ohne ein Interview“, berichtet sie. „Manchmal bekommen Menschen ihre Papiere einfach per Post“.

Ein gespaltenes Bild der Zukunft

Casey und Valeria verkörpern die Stimmung vieler Unternehmer in Arizona, die sich zwischen wirtschaftlichen Vorteilen und politischen Unsicherheiten bewegen. Während Casey sich an die wirtschaftsfreundliche Politik der Trump-Ära erinnert und skeptisch gegenüber den Demokraten ist, zeigt sich Valeria kritisch gegenüber Kamala Harris und ihrer Fähigkeit, langfristige Lösungen anzubieten.

„Was die Zukunft bringt, ist ungewiss“, sagt Casey zum Abschluss. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, sei es in der Einwanderungspolitik, der Wirtschaft oder dem politischen Klima. Aber eines ist klar: Arizona wird bei den kommenden Wahlen eine zentrale Rolle spielen.“

*Ihre Meinungen spiegeln nicht unbedingt die der gesamten Wählerschaft wider, aber sie bieten einen wertvollen Einblick in die Gedankenwelt vieler Unternehmer, die den Staat und die Wirtschaft mitprägen.

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Iana Roth

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Iana Roth ist Redakteurin bei den DWN und schreibt über Steuern, Recht und HR-Themen. Zuvor war sie als Personalsachbearbeiterin tätig. Davor arbeitete sie mehrere Jahre als Autorin für einen russischen Verlag, der Fachliteratur vor allem für Buchhalter und Juristen produziert.

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