Finanzen

Ifo-Umfrage: Bürokratie treibt Unternehmen aus Deutschland fort

Jede Bundesregierung der vergangenen Jahrzehnte wollte überflüssige Bürokratie bekämpfen und die Verwaltung effizienter machen. Der Effekt scheint der gegenteilige zu sein.
25.10.2024 11:02
Lesezeit: 1 min
Ifo-Umfrage: Bürokratie treibt Unternehmen aus Deutschland fort
Kollege Roboter klagt nicht, aber die Wirtschaft ächzt: Roboter arbeiten an der Karosserie von verschiedenen BMW-Modellen im Stammwerk. (Foto. dpa) Foto: Martin Schutt

Zunehmende Bürokratie verhindert nach einer groß angelegten Firmenumfrage des Ifo-Instituts neue Investitionen in Deutschland und treibt etliche Firmen ins Ausland. Knapp 91 Prozent der teilnehmenden 1.763 Unternehmen beklagten, dass die Bürokratie seit 2022 zugenommen habe, unter den Industriefirmen waren es sogar 95 Prozent. Gleichzeitig sagten knapp 46 Prozent, dass sie in den vergangenen zwei Jahren geplante Investitionen wegen Verwaltungshürden zurückgestellt hätten. Und knapp 18 Prozent wollen demnach Investitionen ins Ausland verlagern, um der heimischen Bürokratie zu entgehen.

Auftraggeber war die Stiftung Familienunternehmen, die den Jahresmonitor zur Bürokratiebelastung seit 2017 alljährlich in Kooperation mit dem Ifo-Institut herausgibt.

Lieferkettengesetz, aufwändige Genehmigungsverfahren, Steuerrecht

So beschwerten sich viele der befragten Firmen über das 2023 in Kraft getretene Lieferkettengesetz, den hohen Aufwand behördlicher Genehmigungsverfahren - vor allem im Baurecht - und das komplizierte deutsche Steuerrecht. Der Umfrage zufolge ist die Tendenz zur Flucht ins Ausland umso stärker, je größer das Unternehmen: Bei Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern plant demnach ein Viertel die Verlagerung von Investitionen ins Ausland.

Bei den größten Firmen ist auch die Verärgerung am größten

Außerordentlich tief sitzen Ärger und Verdruss demnach bei den größten Firmen: An der Befragung nahmen 57 der größten deutschen Familienunternehmen mit zusammen 403 000 Beschäftigten und über 90 Milliarden Euro Umsatz teil, von denen demnach 42,6 Prozent eine Verlagerung ins Ausland erwägen. Die Autoren um Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe werten dieses Ergebnis als «besonders gravierend», auch wenn sie einschränkend darauf hinweisen, dass der Wert wegen geringer Teilnehmerzahl nur eine Tendenz aufzeigt.

Der Unmut richtet sich laut Umfrage weniger gegen die kommunalen Verwaltungen, die die Vorgaben höherer Ebenen umsetzen, als vielmehr gegen die Länder und den Bund. Knapp 43 Prozent bewerteten ihre jeweiligen Erfahrungen mit Gemeinde- oder Stadtverwaltung positiv, aber nur 7 Prozent waren zufrieden mit Land und Bund.

Der Klang der verstaubten Büros - raschelnde Papierformulare

Besonders negativ fällt vielen Unternehmen demnach auf, dass ein Großteil der Behördenvorgänge nach wie vor auf Papier erledigt werden muss und nicht digital möglich ist. Und wo digitale Kommunikation mit den Behörden bereits möglich ist, funktioniert diese laut Umfrage häufig nicht: Nur 8,5 Prozent sagten, dass das reibungslos ablaufe.

Familienunternehmen fordern Entlastung - zum wiederholten Mal

Die Stiftung Familienunternehmen als Auftraggeber forderte wie in den Vorjahren Verbesserungen - beziehungsweise Entlastung - von der Politik. «Diese Zahlen machen mich wütend», sagte Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer. Die Hauptforderungen: ein «Praxischeck» für neue Vorschriften, schnellere Verfahren, Ausbau der Digitalisierung und die Beschränkung auf «wesentliche Angaben» bei der Erfüllung behördlicher Anfragen und Anforderungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Nvidia beendet vor Zahlenvorlage siebentägige Verlustserie
25.08.2026

Spannung an den US-Börsen: Wie Tech-Riesen und Konjunkturdaten die Wall Street bewegen.

DWN
Politik
Politik Was soll künstliche Intelligenz, wenn sich die EU nicht einmal auf den Saftkarton einigen kann?
25.08.2026

Europa will bei künstlicher Intelligenz mit den USA und China konkurrieren. Doch im eigenen Binnenmarkt scheitern Unternehmen noch immer...

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei der Arbeitslosenversicherung: Kommen höhere Beiträge?
25.08.2026

Im Juli gab es über drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Tendenz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei VW wächst der Druck auf Blume
25.08.2026

Bei Volkswagen wächst die Unruhe: Tausende Jobs und vier Werke stehen auf dem Spiel, doch die Belegschaft fühlt sich vom Vorstand im...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Investoren suchen jetzt Gewinner in China und kaufen diese Werte
25.08.2026

Mit dem chinesischen Aktienmarkt sind mehrere Risiken verbunden. Doch zwei Schwergewichte unter den Investoren sehen in Chinas...

DWN
Finanzen
Finanzen Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?
25.08.2026

Medikamente zur Gewichtsregulierung gelten als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. GLP-1-Präparate könnten...

DWN
Immobilien
Immobilien Steuerfalle Immobilienerbe: Entscheidend ist der Todestag
25.08.2026

Der Umzug war vorgesehen, die Wohnung sollte bald zum gemeinsamen Zuhause werden. Doch dann starb der Eigentümer unerwartet. Seine Witwe...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
25.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...