Finanzen

Deutsche Wirtschaft wächst überraschend im dritten Quartal

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robuster als erwartet. Nach einem Rückgang im zweiten Quartal ist die Wirtschaft im Sommer unerwartet leicht gewachsen. Ökonomen hatten mit einem neuerlichen Rückgang gerechnet. Wie geht es jetzt weiter?
30.10.2024 11:11
Aktualisiert: 30.10.2024 11:11
Lesezeit: 2 min
Deutsche Wirtschaft wächst überraschend im dritten Quartal
Die deutsche Wirtschaft im Sommer: Ein Ausreißer nach oben? (Foto: dpa) Foto: Hans Blossey

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer unerwartet gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal um 0,2 Prozent gemessen am Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Ökonomen hatten mit einem neuerlichen Rückgang gerechnet. Die Statistiker teilten mit, im dritten Quartal seien vor allem die staatlichen und privaten Konsumausgaben gestiegen.

Noch im zweiten Quartal war die Wirtschaft leicht geschrumpft. Viele Volkswirte hatten erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt nun das zweite Quartal in Folge schrumpft und damit in eine „technische Rezession“ abrutscht. Zum Jahresstart war Europas größte Volkswirtschaft leicht gewachsen, doch die erhoffte Erholung blieb zunächst aus. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt nach neuesten Berechnungen um 0,3 Prozent zurückgegangen und damit etwas stärker als zunächst berichtet.

Nur ein Ausreißer nach oben?

Die Unsicherheit über die Krise der deutschen Wirtschaft hat sich längst bei Unternehmen und Verbrauchern breitgemacht. Während sich viele Firmen mit Investitionen zurückhalten, halten Verbraucher ihr Geld trotz steigender Löhne zusammen. Schlüsselbranchen wie die deutsche Autoindustrie stehen unter großem Druck.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält das Sommer-Plus für einen „Ausreißer nach oben.“ Er sagt: „Die seit dem Frühjahr fallenden Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima deuten unverändert auf ein schwieriges Winterhalbjahr. Danach dürfte es wegen der Hiobsbotschaften aus der wichtigen Autoindustrie und der jahrelangen Erosion der Standortqualität nur zögerlich nach oben gehen.“

Bundesbank: Rezession, aber kein Wirtschaftseinbruch

Nach Einschätzung der Bundesbank dürfte sich die Schwächephase fortsetzen. Die deutsche Wirtschaft dürfte im Schlussquartal „in etwa stagnieren“, schrieb die Notenbank in ihrem Monatsbericht Oktober. Die Bundesbank machte aber zugleich deutlich, dass sie für die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr keine Rezession „im Sinne eines deutlichen, breit angelegten und länger anhaltenden Rückgangs der Wirtschaftsleistung erwartet.“ Vielmehr steckt die Konjunktur „nach wie vor in der seit Mitte 2022 anhaltenden Schwächephase fest.“

Auch die Bundesregierung ist bislang eher pessimistisch: Sie erwartet in ihrem Herbstgutachten, dass das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr um 0,2 Prozent schrumpfen wird. Es wäre das zweite Jahr mit einer Rezession in Folge nach 2023, als die deutsche Wirtschaftsleistung ebenfalls leicht gesunken war. Erst 2025 soll die Wirtschaft nach Prognose der Bundesregierung wieder um 1,1 Prozent wachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist weniger zuversichtlich: Er rechnet nur mit einem Plus von 0,8 Prozent im kommenden Jahr.

Bundesregierung ringt um Impulse für Wirtschaft

Gegenwind für die deutsche Wirtschaft gibt es reichlich: Auf den Weltmärkten hat China als Wachstumstreiber an Schwung verloren, im lnland steigt die Zahl der Firmenpleiten. Während es in der Industrie an Aufträgen mangelt und sich die Exportaussichten eintrüben, sparten viele Verbraucher zumindest im ersten Halbjahr noch mehr als ein Jahr zuvor. So kommt der Konsum, lange die größte Hoffnung für die Konjunktur, nicht recht in Schwung. Impulse für die deutsche Wirtschaft erwarten Ökonomen von den sinkenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch bis diese in der Realwirtschaft ankommen, vergeht Zeit.

Außerdem schwächen strukturelle Faktoren wie die gestiegenen Energiepreise und die Bürokratie den Standort Deutschland. Die Bundesregierung ringt um Lösungen für die Konjunktur, doch in der Ampel-Koalition fehlt es an Einigkeit. Kanzler Olaf Scholz stellte nach einem Gipfeltreffen mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften einen „Pakt für die Industrie“ in Aussicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
24.05.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Technologie
Technologie Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch
24.05.2026

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent....

DWN
Politik
Politik EU-USA-Abkommen: Brüssel bekommt nicht, was es wollte, aber was es braucht
24.05.2026

Bernd Lange, Chef des Ausschusses für den Außenhandel des Europäischen Parlaments, glaubt, dass die EU ein Sicherheitsnetz gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neuer EQT-Vorsitzender Salata: „Mit Geld kommt Verantwortung“
24.05.2026

Der chilenische Milliardär Jean Eric Salata hat nun den Vorsitz bei der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT übernommen....

DWN
Politik
Politik Russischer Topökonom: „Putin wird bald begreifen, dass die Zeit nicht auf seiner Seite ist“
24.05.2026

Sergej Guriev, russischer Ökonom im Exil, gilt als einer der weltweit führenden Experten für Russlands Wirtschaft. Im Interview schätzt...