Finanzen

Grundsteuer 2025: Welche Kostensteigerungen Eigentümer erwarten müssen

Die Grundsteuer 2025 steht im Zeichen steigender Kosten für Immobilienbesitzer. Mit der Reform und neuen Hebesätzen drohen viele Kommunen ihre Einnahmen weiter zu erhöhen. Während sich Eigentümer auf höhere Abgaben einstellen müssen, gibt es auch Möglichkeiten, den Steuerwert zu reduzieren. Lesen Sie hier, was sich ändert und worauf zu achten ist.
01.12.2024 11:03
Lesezeit: 3 min
Grundsteuer 2025: Welche Kostensteigerungen Eigentümer erwarten müssen
Rekordhebesätze und steigende Grundsteuer: Die Reform 2025 stellt Immobilienbesitzer vor neue Herausforderungen. (Foto: iStock.com/ArLawKa AungTun) Foto: ArLawKa AungTun

Immobilien- und Grundstücksbesitzer müssen immer tiefer in die Tasche greifen, um ihre Grundsteuern an die Kommunen zu bezahlen. Im vergangenen Jahr 2023 ist der Hebesatz zur Berechnung der Grundsteuer durchschnittlich um 18 Prozentpunkte im Vergleich zu 2022 gestiegen – eine extreme Erhöhung, die es seit Jahrzehnten so in Deutschland nicht mehr gegeben hat.

Grundsteuer 2025: Anhebung der Hebesätze greift um sich

Insgesamt 53 Prozent aller Kommunen hatten 2023 einen Hebesatz von über 400, was als Hochsteuersatz gilt. Im Jahr 2005 verlangten nur 5 Prozent einen derartigen Multiplikator für die Grundsteuerermittlung, wie aus einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. Niedrige Hebesätze von unter 300 gab es letztes Jahr nur noch in drei Prozent der deutschen Kommunen, 2005 waren es noch 22 Prozent.

Die Grundsteuer ist eine jährlich zu entrichtende Steuer auf den Besitz von Immobilien und Grundstücken. Sie wird anhand der Größe von Grundstücken und Immobilien in Verbindung mit dem Hebesatz ermittelt. Je höher der Hebesatz als Faktor ist, desto höher fällt auch die Steuer aus.

Die Grundsteuer ist für die Kommunen eine der wichtigsten Einnahmequellen. Sie finanziert maßgeblich die Investitionen in lokale Infrastruktur, kulturelle Einrichtungen und dergleichen.

Die Hebesätze werden von den Kommunen selbst festgelegt und individuell erhöht. Im vergangenen Jahr hat insgesamt ein Viertel aller Kommunen ihre Hebesätze nach oben angepasst. Im Jahr 2022 waren dies nur 13 Prozent. Nur 0,4 Prozent der Städte und Gemeinden reduzierten ihren Hebesatz im Jahr 2023. Insgesamt liegt der durchschnittliche Hebesatz in Deutschland nun bei 409, im Vergleich zum Jahr 2005 mit einem durchschnittlichen Hebesatz von 317 also über 90 Punkte höher.

Nordrhein-Westfalen ist Spitzenreiter

Die Spitzenwerte bei den Hebesätzen finden sich in Nordrhein-Westfalen mit 577, gefolgt von Hessen mit 507 und Rheinland-Pfalz mit 464. Schlusslichter sind Baden-Württemberg mit 370, Bayern mit 355 und Schleswig-Holstein mit 348. Insgesamt 15,1 Milliarden Euro nahmen die Kommunen 2023 durch die Grundsteuer für bebaute und nicht bebaute Grundstücke ein, die nicht als landwirtschaftliche Flächen deklariert sind. Absolut gesehen bezahlen die meisten Haus- und Wohnungseigentümer einige hundert Euro pro Jahr an Grundsteuer, für Mehrparteienhäuser müssen die Eigentümer bereits vierstellige Beträge berappen.

Neue Grundsteuerberechnung verführt zu weiteren Steuererhöhungen

Wenn im kommenden Jahr 2025 anhand einer neuen Bemessungsgrundlage die Grundsteuer neu berechnet werden muss, bietet auch dies wieder viele Möglichkeiten zu einer Erhöhung der Steuern. Und die Versuchung ist groß, die Möglichkeiten auch zu nutzen, obgleich die Politik im Zuge der Grundsteuerreform versprochen hatte, dass es zu keiner Erhöhung hierdurch kommen werde.

Die Kassen der Kommunen sind leer, insgesamt 158,84 Milliarden mussten sie 2023 ausgeben und sie ächzen unter der Kostenlast. Vielerorts werden Infrastrukturprojekte zusammengekürzt, Investitionen in Sport- oder Kulturangebote werden ganz gestrichen. Um die Löcher in den Kassen zu stopfen, setzen viele Kommunen deshalb auf stetige und drastische Erhöhungen bei den Hebesätzen.

Jetzt werden durch die Grundsteuerreform die Grundsteuern für 36 Millionen Immobilien neu berechnet. Die bisherige Bemessungsgrundlage wurde 2018 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt, weil hierdurch vergleichbare Immobilien unterschiedlich besteuert wurden. Außerdem waren die Berechnungsdaten veraltet und basierten in Westdeutschland auf Daten aus dem Jahr 1964, in Ostdeutschland stammten diese sogar aus dem Jahr 1935.

Weitere Steuererhöhungen werden erwartet

Wie der EY-Experte Heinrich Fleischer ausführte, war jetzt vor Inkrafttreten der Grundsteuerreform bereits eine Welle von Steuererhöhungen bei der Grundsteuer festzustellen. Er geht auch davon aus, dass dieser Trend anhalten wird. Durch die Umstellung auf das neue Grundsteuer-Modell steigt auch die Versuchung, dabei zusätzliche Mehreinnahmen zu generieren. Die stark strapazierte Finanzlage der Kommunen wird ihnen wenig Wahl lassen. Die Immobilienbesitzer werden die Kostenlast tragen müssen.

Niedrigerer Grundsteuerwert kann jetzt nachgewiesen werden

Beim neuen Grundsteuer-Modell war zunächst nicht vorgesehen, dass Grundstückseigentümer und Immobilienbesitzer einen Nachweis über einen niedrigeren gemeinen Wert als den ermittelten erbringen können. Durch die zunehmende Kritik an den Bewertungsmaßstäben ist es jetzt zu einer Nachbesserung im Jahressteuergesetz 2024 gekommen. Dadurch können jetzt Immobilienbesitzer einen niedrigeren Wert für ihr Grundstück ansetzen, wenn sie durch ein Gutachten nachweisen können, dass dieser zumindest 40 Prozent unter dem ermittelten Grundsteuerwert des Finanzamtes liegt. Das neue Vorgehen ist bereits gesetzlich verankert worden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der Europäische Online-Glücksspielmarkt: Wachstum, Regulierung Und Konsolidierung 2026

Wenige Branchen wachsen in Europa derzeit so beständig wie das Online-Glücksspiel, und noch weniger tun das bei einem derart...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-Aktie vor dem Mega-IPO: SpaceX könnte die Euphorie zerstören
14.08.2026

Anthropic wächst rasant und könnte mit seinem Börsengang neue Maßstäbe setzen. Doch die Milliardenbewertung steht auf einem...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 38: Die Woche im Rückblick – KW 33
14.08.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Finanzen
Finanzen Unser neues Magazin ist da: Die neuen Geldmacher – wie Fintechs klassische Banken herausfordern
14.08.2026

Kaum ein Bereich entwickelt sich derzeit so rasant wie das Finanzwesen. Zwischen Innovation, Regulierung und wachsendem Wettbewerb...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues Büro für OpenAI: Warum der ChatGPT-Konzern beim KI-Ausbau auf Berlin setzt
14.08.2026

Deutschland zählt für OpenAI zu den bedeutendsten Wachstumsmärkten. Nun plant der ChatGPT-Entwickler den nächsten Expansionsschritt und...

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
14.08.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Politik
Politik Wirtschaft: Russlands Kriegswirtschaft bringt den zivilen Sektor an seine Grenzen
14.08.2026

Russland steckt immer mehr Geld, Arbeitskräfte und Kredite in den Krieg, während der zivile Teil der Wirtschaft zurückfällt. Hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Insolvenzen bei Firmen sinken erstmals seit Februar
14.08.2026

Deutschlands Pleitewelle zeigt erstmals seit Monaten ein kleines Zeichen der Entspannung. Doch hinter dem Rückgang im Mai verbirgt sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Talanx-Aktie: Versicherer hebt nach Rekordgewinn im ersten Halbjahr Gewinnprognose an
14.08.2026

Nach dem ersten Halbjahr setzt Talanx die Messlatte höher: Der Gewinn erreicht einen Rekord, auch weil die Belastung durch Großschäden...