Finanzen

Goldpreis steigt weiter: Wie die Zentralbanken und Inflation die Preise treiben

Der Goldpreis steuert auf ein neues Allzeithoch zu – Experten erwarten einen Anstieg auf 3.000 US-Dollar bis Ende 2025. Aber was treibt den Preis so hoch? Die Antwort liegt in der unsicheren geopolitischen Lage und der weiterhin hohen Inflation. Doch nicht nur Investoren sind aktiv, auch Zentralbanken, vor allem aus Schwellenländern, greifen kräftig zu. Doch was bedeutet das für den Goldmarkt und wie sollten Anleger jetzt reagieren? Ist die jetzige Entwicklung nur eine Momentaufnahme oder erwartet uns ein langfristiger Aufwärtstrend? Und warum haben viele Investoren in den vergangenen Monaten Gewinne aus Gold-ETCs mitgenommen? Lesen Sie hier, was die nächsten Monate für den Goldmarkt bereithalten und warum der Preis weiter steigen könnte.
13.12.2024 11:52
Aktualisiert: 13.12.2024 11:52
Lesezeit: 3 min
Goldpreis steigt weiter: Wie die Zentralbanken und Inflation die Preise treiben
Goldpreis steigt! Bei der Agosi AG in Pforzheim wird ein Goldbarren gezeigt, der 12,5 Kilogramm (400 Unzen) wiegt, einen Feingoldgehalt von 99,99 Prozent hat und auf Goldgranalien liegt. Foto: Uli Deck

Gold, Gold und nochmals Gold – im ETC-Handel dreht sich fast alles um das wichtigste Edelmetall. So mancher rechnet mit einem Goldpreis von 3.000 US-Dollar 2025. Im Geschäft mit Energie- und Industriemetall-ETCs geht es eher ruhig zu. Rekordstimmung herrscht nicht nur an den Aktienbörsen – auch der Goldpreis steuert wieder auf ein neues Allzeithoch zu. Im Oktober war der Preis bis auf 2.789,52 US-Dollar je Feinunze gestiegen, fiel jedoch auf unter 2.600 US-Dollar zurück. Am Donnerstagmorgen lag der Preis bei wieder bei 2.717 US-Dollar.

Viele Experten erwarten weiterhin steigende Preise. „Das Edelmetall wird voraussichtlich bis Ende 2025 auf 3.000 US-Dollar steigen“, erklärt Lina Thomas von der US-Bank Goldman Sachs. Hauptursache seien die anhaltende Inflation und geopolitische Risiken, die Gold als sichere Absicherung attraktiv machen. Ein weiterer entscheidender Faktor seien die Goldkäufe der Zentralbanken, insbesondere aus Schwellenländern. Auch der Edelmetallkonzern Heraeus zeigt sich zuversichtlich und prognostiziert für 2025 Goldpreise von bis zu 2.950 US-Dollar. „Die wohl weiter steigenden US-Staatsschulden dürften zu höherer Inflation und einem schwächeren US-Dollar führen“, heißt es weiter.

Das Handels- und Analysehaus Crossflow verweist darauf, dass der Goldpreis trotz des starken Anstiegs inflationsbereinigt nur leicht über dem Allzeithoch von 1980 liegt. Auch Crossflow nennt die Zentralbanken als wichtige Akteure. „Man kann davon ausgehen, dass die Zentralbanken weiterhin Gold nachfragen“, erläutert das Unternehmen. Die Goldreserven der weltweiten Zentralbanken befinden sich nach wie vor auf einem historisch niedrigen Niveau.

„Wahrscheinlich Gewinnmitnahmen“

Der Handel mit Rohstoff-ETCs auf Xetra ist derzeit nahezu vollständig auf Gold fokussiert. Hohe Umsätze verzeichnen vor allem Xetra Gold (DE000A0S9GB0) sowie der Invesco Physical Gold (IE00B579F325), der iShares Physical Gold (IE00B4ND3602) und der Xtrackers Physical Gold (DE000A2T0VU5). Auch Silber-ETCs, wie der WisdomTree Physical Silver (JE00B1VS3333), verzeichnen rege Handelsaktivitäten. Mobeen Tahir von WisdomTree berichtet jedoch von hohen Abflüssen aus Gold-ETCs in den vergangenen vier Wochen. „Anleger nahmen wahrscheinlich Gewinne mit“, bemerkt Tahir. Der Bestand an Xetra-Gold ist in den letzten Monaten gesunken – von 199 Tonnen Ende 2023 auf 166 Tonnen.

Hohe Abflüsse aus Gold-ETCs 2024

Die Entwicklung des Goldpreises sorgt für Unmut, denn viele Investoren haben dieses Jahr massiv Gold-ETCs verkauft. Laut dem Analyse- und Handelshaus Crossflow flossen seit Jahresbeginn insgesamt 6,9 Milliarden Euro aus europäischen Rohstoff-ETCs ab, wobei fast 6,5 Milliarden Euro auf Gold-ETCs entfielen. „Europäische Gold-Verbriefungen verlieren nach einer kurzen Stabilisierung weiterhin an Anlagevolumen“, schreibt Crossflow. Allein im November gingen 1,6 Milliarden Euro ab. Auch der Handel mit Energie- und Industriemetall-ETCs verzeichnete Abflüsse, jedoch in deutlich geringerem Umfang.

US-Ölförderung könnte Ölpreis drücken

Der Ölpreis liegt derzeit am unteren Ende der Preisspanne des Jahres. Das Barrel der Nordseesorte Brent kostet am Donnerstagmorgen 73,80 US-Dollar. Im April lag der Preis noch bei über 92 US-Dollar, im September erreichte er mit rund 69 US-Dollar den Tiefpunkt. „Die Märkte befürchten, dass die neue Trump-Regierung der Öl- und Gasindustrie in den USA gegenüber deutlich wohlwollender eingestellt ist und das Angebot erhöhen wird“, merkt Tahir an. Eine steigende US-Ölproduktion könnte zu den bereits bestehenden globalen Überkapazitäten beitragen. Barbara Lambrecht von der Commerzbank betont jedoch, dass auch die Nachfrageperspektiven den Ölpreis beeinflussen. „So hat die enttäuschende Entwicklung der chinesischen Ölnachfrage den Ölpreis merklich belastet“, erklärt die Analystin.

Auch Öl-ETCs standen meist auf den Verkaufslisten, wie WisdomTree berichtet, jedoch in deutlich geringerem Umfang als Gold-ETCs.

Industriemetalle: Leiden unter Trump?

Wichtige Industriemetall-ETCs wie der WisdomTree Industrial Metals (GB00B15KYG56) und der WisdomTree Copper (GB00B15KXQ89) bewegen sich seit Monaten in einer Seitwärtsbewegung. Die Hochs vom Mai wurden nicht mehr erreicht, dennoch zeigt sich seit Jahresbeginn ein deutliches Plus. Hintergrund für die stagnierende Entwicklung sind Befürchtungen über die Auswirkungen der Handelspolitik von US-Präsident Trump, die den Welthandel bremsen und die Nachfrage dämpfen könnte, wie Tahir feststellt. „Bedenken über eine geringere Unterstützung für umweltfreundliche Initiativen und Chinas unzureichende fiskalische Anreize haben den Druck noch verstärkt.“ Für Industriemetall-ETCs verzeichnet WisdomTree kleinere Abflüsse in den letzten Wochen.

(Fast) nur Edelmetalle

Auf der Xetra-Umsatzliste für ETCs im November finden sich unter den ersten 15 Positionen nur Gold- und Silber-Produkte. Xetra-Gold führt die Liste an, gefolgt von iShares Physical Gold, Xtrackers Physical Gold EUR Hedged, Invesco Physical Gold und Xtrackers Physical Gold. Auch Silberpreis-Tracker verzeichnen hohe Umsätze, etwa von WisdomTree und Xtrackers. Der erste Öl/Gas-ETC in der Liste ist der WisdomTree WTI Crude Oil auf Platz 16, der erste Industriemetall-ETC, der WisdomTree Industrial Metals, auf Platz 20.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ripple startet RWA-Strategie, AMT DeFi-Verträge für erneuerbare Energien gehen live – XRP beginnt einen neuen Aufwärtszyklus

Mit der beschleunigten Einführung der RWA-Strategie (Real World Assets) durch Ripple entwickelt sich die Blockchain-Branche von reinem...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Datenschutz: In drei Schritten zu mehr Privatsphäre beim Bezahlen
17.01.2026

PayPal weiß oft mehr über Ihre Zahlungen, als Ihnen lieb ist – und diese Informationen können für Werbung genutzt werden. Wer seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Drogeriemarkt DM expandiert: Omnichannel-Strategie treibt Auslandsgeschäft an
17.01.2026

Der DM-Konzern treibt den Ausbau seines Auslandsgeschäfts trotz hoher Anlaufkosten gezielt voran. Geht die Skalierungsstrategie des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kakaopreis rutscht ab: Ursachen und Folgen für Märkte und Industrie
16.01.2026

Der Kakaomarkt reagiert auf spürbare Veränderungen bei Nachfrage und Verarbeitung. Signalisiert der jüngste Rückgang des Kakaopreises...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche-Aktie: Absatzkrise in China – Porsche verkauft deutlich weniger Fahrzeuge
16.01.2026

Porsche spürt die anhaltende Marktschwäche in China deutlich: Der Absatz ging 2025 um rund ein Viertel auf 41.900 Fahrzeuge zurück....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise verschärft sich: Gaspreise in Europa innerhalb einer Woche um 20 Prozent gestiegen
16.01.2026

Europas Gasmarkt erlebt einen kräftigen Preissprung: In nur einer Woche stiegen die Kosten für Erdgas um rund 20 Prozent und erreichten...

DWN
Panorama
Panorama Urlaubspläne 2026: Deutsche halten trotz Wirtschaftskrise fest
16.01.2026

Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen: Rund zwei Drittel der Bevölkerung planen für 2026 eine Urlaubsreise. Dennoch ist die Zahl...