Panorama

Für Filmbranche geht es ums Überleben: Deutscher Bundestag ordnet Filmförderung neu

Kulturstaatsministerin Claudia Roth nennt die Förderung überlebenswichtig für zigtausende Kulturschaffende. Einen großen Kinostreifen zu inszenieren, kostet Unsummen. Der Staat hilft. Ohne geht es auch nicht, sagte die Kulturstaatsministerin vor der Entscheidung im Parlament.
19.12.2024 15:24
Aktualisiert: 19.12.2024 15:24
Lesezeit: 3 min

Die neue Filmförderung ist aus Sicht von Kulturstaatsministerin Claudia Roth überlebenswichtig für die Branche in Deutschland. „Es ist eben auch eine wirtschaftliche Frage, auch im Hinblick darauf, dass internationale Produktionen weiter hierzulande gedreht werden“, sagte die Grünen-Politikerin. „Wir können es uns nicht leisten, so abgehängt zu werden, wie wir es zum Teil schon sind.“

Heute Abend stimmt der Bundestag über das Filmförderungsgesetz ab – eine von mehreren Säulen der künftigen Filmförderung. Eine Mehrheit im Parlament ist absehbar, da SPD, Grüne und FDP am Mittwoch gemeinsam im Ausschuss für die Vorlage gestimmt haben.

Geschmackssache? Vereinfachte Abläufe und mehr Transparenz

Das FFG ist die rechtliche Grundlage für die Erhebung der sogenannten Filmabgabe von Nutzern der Produktionen wie Kinos, Videowirtschaft, Online-Anbietern oder Fernsehsendern. Dieses Geld - 2023 waren es rund 50 Millionen Euro – werden als Förderung für neue Produktionen verteilt. Die Filmbranche hat schon auf die Vorentscheidung im Ausschuss mit großer Erleichterung reagiert.

Das neue FFG soll einige Vereinfachungen bringen. Die FDP hält sich zugute, dass die Förderung unbürokratischer werde und künftig statt über Jurys vieles als automatische Referenzförderung laufe, also bezogen auf frühere Erfolge. „Die Filmförderanstalt wird auf ihre Kernaufgaben konzentriert“, erklärte der FDP-Medienpolitiker Thomas Hacker. „Zusätzliche bürokratische Beiräte, wie von SPD und Grünen gefordert, kommen nicht.“ Bislang ist die Anstalt am liebsten mit der Gießkanne durch die Studios gelaufen und hat sich bei allen Produzenten lieb Kind gemacht.

Filmförderungsanstalt: SPD und Grüne hadern mit der grundsätzlichen Kritik der FDP

SPD und Grüne begrüßten die absehbare Fortsetzung der Filmförderung 2025. Sie kritisierten aber die Bedingungen der Liberalen für die Zustimmung, so etwa die Streichung eines geplanten Diversitätsbeirats und Anforderungen an eine nachhaltige Filmförderung. Das sei nicht nachzuvollziehen, monierten die Grünen-Fachleute Michael Sacher und Maria Klein-Schmeink.

Auch der SPD-Politiker Sönke Rix kritisierte die Nachverhandlungen des ehemaligen Koalitionspartners FDP, bewertete die Einigung aber höher: „Dieses Gesetz sichert nicht nur die Rechtsgrundlage für die Arbeit der Filmförderanstalt – von der Entwicklung eines Drehbuchs bis hin zur Verwertung – sondern schützt auch über 120.000 Arbeitsplätze in Deutschland.“

Förderungs-Novelle: Regisseur Volker Schlöndorff schlug beim Kanzler Alarm

Selbst bekannte Filmemacher bekämen für Projekte mitunter nicht das nötige Geld zusammen, warnt Regie-Altmeister Schlöndorff. Weil der Kulturausschuss am Mittwoch das neue Filmförderungsgesetz im Ausschuss gebilligt hat, hoffen die Filmschaffenden auf bessere Zeiten. „Die Filmbranche atmet auf“, erklärte die Allianz Deutscher Produzenten.

Zuvor hatte Starregisseur Volker Schlöndorff in den Medien Alarm geschlagen. Gingen die Pläne nicht durchs Parlament, würden selbst erfolgreiche Filmemacher in die Pleite gehen, sagte Schlöndorff. „Da könnte man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.“

Das bisherige Filmförderungsgesetz (FFG) läuft Ende des Jahres aus. Würde es nicht erneuert, könnte die sogenannte Filmabgabe nicht mehr von Nutzern der Produktionen wie Kinos, Videowirtschaft, Online-Anbietern oder Sendern erhoben werden. Dann würde der Fördertopf nicht mehr gefüllt und es gäbe eine Lücke in der Finanzierung deutscher Filmprojekte ab Januar.

„Da gibt es ein Versprechen“

Doch die Billigung des Förderungsgesetzes allein reicht nicht, sagte Schlöndorff. Das Volumen der Filmabgabe sei zurückgegangen, unter anderem wegen der Kinokrise. „Da gibt es ein Versprechen, ich hoffe, dass sie das halten, dass sie den deutschen Förderfonds um 30 Millionen aufstocken. Das sind alles lächerliche Summen im Verhältnis zu so einem Bundeshaushalt, natürlich, aber für unsere Wirtschaft ist es überlebensnotwendig.“

Mit Steuervorteilen nach Prag oder Paris

Schlöndorff verweist auf die Bedingungen in den Nachbarländern. Andere europäische Länder böten zudem große Steuervorteile und zögen damit Dreharbeiten nach Prag, Rom oder Paris. „Die bieten 30 bis 40 Prozent steuerliche Vergünstigungen für die Produktionen, die dort drehen – und bei uns Null“, sagte der Regisseur von Filmklassikern wie „Die Blechtrommel“ oder „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“.

Bei großen Produktionen mache das Millionensummen aus, fügte er hinzu. „Deshalb steht Studio Babelsberg seit zwei Jahren leer. Und genauso geht es der Bavaria in München und Studio Hamburg und den Studios in Köln.“

Brief an Scholz

Er habe Bundeskanzler Olaf Scholz, der seinen Wahlkreis in Potsdam habe, persönlich angeschrieben, sagte Schlöndorff. Deutschland brauche ähnliche Steuermodelle.

Ein weiteres Element der Förderung gilt kurzfristig vor der Bundestagswahl als chancenlos, weil es bei der EU angemeldet werden müsste: eine Verpflichtung von Streamingdiensten, ein Teil ihrer in Deutschland erwirtschafteten Gewinne wieder hier zu investieren.

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