Wirtschaft

Deutschland schafft Gasspeicherumlage ab: Entlastung für Nachbarländer, Mehrkosten für Verbraucher

Deutschland verabschiedet sich von der umstrittenen Gasspeicherumlage an Grenzübergangspunkten zu Nachbarländern. Mit einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes beschloss der Bundestag die Abschaffung, die anschließend auch der Bundesrat bestätigte. Dieser Schritt soll die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern fördern, könnte jedoch für Verbraucher in Deutschland Mehrkosten bedeuten.
26.12.2024 13:29
Lesezeit: 1 min
Deutschland schafft Gasspeicherumlage ab: Entlastung für Nachbarländer, Mehrkosten für Verbraucher
Die umstrittene Gasspeicherumlage an Grenzübergangspunkten wird abgeschafft (Foto: dpa). Foto: Jens Büttner

Die Hintergründe: Was ist die Gasspeicherumlage?

Die Gasspeicherumlage wurde im Herbst 2022 eingeführt, um Kosten für den Einkauf und die Speicherung von Gas während der Energiekrise zu finanzieren. Sie ist Bestandteil des Gaspreises und wird über die Kilowattstunde berechnet. Ab Januar 2025 steigt die Umlage von derzeit 0,250 Cent auf 0,299 Cent pro Kilowattstunde.

Auswirkungen der Abschaffung auf Verbraucher

Durch die Gesetzesänderung entfällt die Umlage für Importeure in Nachbarländern, bleibt jedoch für deutsche Verbraucher bestehen. Laut Verivox führt dies zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Gasrechnung um rund 12 Euro im Jahr. Im Gesetzentwurf heißt es, dass nur geringe Auswirkungen auf das Verbraucherpreisniveau zu erwarten seien.

Politische Entscheidung mit Kontroversen

Die Abschaffung wurde mit breiter Mehrheit von SPD, Grünen und CDU/CSU beschlossen. Grünen-Abgeordnete Ingrid Nestle betonte die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit Nachbarländern, von deren Infrastruktur auch Deutschland profitiere. Der CDU-Politiker Andreas Jung wies darauf hin, dass Partnerländer wie Österreich und Tschechien die negativen Folgen der Umlage für ihre Gastransite beklagt hatten.

Kritik von der FDP: „Diskriminierung von Inländern“

Die FDP stimmte gegen die Gesetzesänderung. Ihr energiepolitischer Sprecher Michael Kruse kritisierte, dass die Umlage nun ausschließlich deutsche Verbraucher belaste, während ausländische Nutzer der Gasspeicher davon befreit würden. Dies stelle eine Benachteiligung der Inländer dar und führe zu höheren Energiekosten.

Ziel der Abschaffung: Förderung der Zusammenarbeit in Europa

Die Abschaffung der Umlage soll nicht nur den Gastransit durch Deutschland vergünstigen, sondern auch Nachbarländern helfen, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold hatte dies bereits im Mai 2023 als wichtigen Schritt für die europäische Zusammenarbeit bezeichnet.

Fazit: Mehr Kosten für Verbraucher, Vorteile für Europa

Während deutsche Verbraucher mit leicht steigenden Gaspreisen rechnen müssen, erleichtert die Abschaffung der Gasspeicherumlage den europäischen Partnerländern den Gastransit. Der Schritt verdeutlicht den Balanceakt zwischen nationalen Interessen und europäischer Solidarität in der Energiepolitik.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des billigen Geldes: Wie Staaten den Preis des Krieges zahlen
07.06.2026

Der Krieg im Iran ist nicht nur ein Ölpreisschock. Er zeigt, wie verwundbar Staaten geworden sind, wenn Energiepreise, Inflation und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen
06.06.2026

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto: Gebrauchte Elektroautos könnten bald deutlich attraktiver werden
06.06.2026

Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst, bleibt aber deutlich hinter klassischen Verbrennern zurück. Gründe dafür sind hohe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Wirtschaftspolitik unter Beschuss: Mittelstand und Traditionsunternehmen in Existenznot
06.06.2026

Insolvenzrekorde, verzweifelte Unternehmer und eine stagnierende Wirtschaft. Die Existenznot in deutschen Firmen geht um, die Lage war noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbstzweifel im Job: Wie Schwächen zu Stärken werden
06.06.2026

Im Arbeitsalltag verläuft nicht immer alles reibungslos. Weshalb Selbstzweifel ganz normal sind und welche Fragen jetzt besonders wichtig...

DWN
Panorama
Panorama Mercedes CLA im Test: Ungewöhnlich, sparsam und besser denn je
06.06.2026

Der neue Mercedes CLA sieht nicht sofort nach Liebe auf den ersten Blick aus. Doch unter der auffälligen Hülle steckt ein überraschend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Logistik fordert Frachtgiganten heraus
06.06.2026

Die Frachtbranche galt lange als Geschäft aus Stahl, Schiffen und Terminals. Nun dringt KI in die Buchungen ein, automatisiert Dokumente...

DWN
Politik
Politik EZB warnt vor Risiken für die Finanzstabilität bei längerem Iran-Krieg
06.06.2026

Die Banken wirken stabil, die Märkte aber nicht. Der Iran-Krieg trifft auf hohe Bewertungen, nervöse Anleger und Staaten mit knappen...