Panorama

Flugzeugunglück Südkorea: Staatstrauer und Untersuchungen nach verheerendem Absturz

Ein Flugzeugunglück erschüttert Südkorea: Eine Boeing 737-800 zerschellt am Flughafen Muan, nur zwei Menschen überleben. Während Ermittler die Ursachen klären, wirft ein weiterer Vorfall bei derselben Airline neue Fragen auf. Nun stehen die Sicherheitsstandards des beliebten Flugzeugtyps im Fokus – und das Vertrauen der Passagiere auf dem Prüfstand.
30.12.2024 14:39
Aktualisiert: 30.12.2024 15:02
Lesezeit: 2 min

Nach dem tödlichen Flugzeugunglück im Südwesten Südkoreas suchen die Ermittler weiter nach der Ursache. Laut der Nachrichtenagentur Yonhap identifizierten die Behörden mehr als 140 der insgesamt 179 Todesopfer, nachdem die Maschine der Billigfluglinie Jeju Air am Sonntagmorgen (Ortszeit) am Flughafen von Muan an einer Mauer zerschellt war. Der Vorfall im Südwesten des Landes gilt als das bisher schwerste Flugzeugunglück auf südkoreanischem Boden.

Weitere Erkenntnisse erwarten sich die Ermittler von den beiden geborgenen Flugschreibern, von denen einer jedoch durch den Aufprall beschädigt wurde. Die Auswertung könnte Monate dauern, berichtete Yonhap. Bislang wird vermutet, dass ein Vogelschlag – der Zusammenstoß mit einem oder mehreren Vögeln – zu Problemen am Fahrwerk führte. Dieser Verdacht wurde erhärtet, nachdem das Verkehrsministerium mitteilte, dass die Piloten einen Vogelschlag vor der Bruchlandung gemeldet hatten.

Mayday kurz nach Warnung

Kurz vor der Landung des aus Bangkok kommenden Flugs 7C2216 hatte der Tower noch vor Vogelschlägen gewarnt. Doch wenig später sendeten die Piloten bereits einen Mayday-Notruf. Letztlich legten sie ohne ausgefahrenes Fahrwerk eine Bruchlandung auf dem Rumpf hin. Die Boeing 737-800 kam jedoch nicht rechtzeitig zum Stehen und prallte gegen eine Mauer, an der die Maschine zerschellte und in Flammen aufging.

Nur zwei Crew-Mitglieder von insgesamt 181 Insassen überlebten und befanden sich zunächst außer Lebensgefahr. An Bord waren überwiegend Menschen mit koreanischer Staatsbürgerschaft sowie zwei Thais.

Probleme an weiterer Maschine

Nur einen Tag nach dem Unglück meldete Yonhap ein weiteres Problem mit einem Flugzeug von Jeju Air. Eine Maschine des Inlandsflugs 7C101, der von Gimpo – westlich von Seoul – zur Insel Jeju starten sollte, kehrte nach dem Abheben aufgrund von Fahrwerkproblemen zum Startflughafen zurück.

Südkoreas Regierung plant nun, alle Boeing 737-800 der inländischen Fluggesellschaften zu überprüfen, um sicherzustellen, dass die Airlines die Vorschriften für diesen Flugzeugtyp einhalten, wie das Verkehrsministerium erklärte. Geprüft werden sollen dabei unter anderem Wartungsaufzeichnungen und Nutzungsraten.

Flugzeugtyp bei Billig-Airlines beliebt

Der Flugzeugtyp Boeing 737-800 ist bei Billigfluglinien in Südkorea weit verbreitet, berichtet Yonhap. Dem Luftfahrtexperten Joo Jong Wan aus dem südkoreanischen Verkehrsministerium zufolge zeichnet sich Jeju Air durch eine hohe Einsatzrate ihrer Maschinen aus. Laut Flugdaten war das Unglücksflugzeug in den 48 Stunden vor dem Absturz auf 13 Flügen eingesetzt worden.

Viele Menschen stornierten in der Folge ihre Buchungen bei Jeju Air. Laut Medienberichten gab das Unternehmen bekannt, dass bis Montagmittag (Ortszeit) etwa 68.000 Tickets für nationale und internationale Flüge zurückgegeben wurden – die meisten davon nach dem Unglück.

US-Behörden bieten Hilfe an

Auch die USA wollen bei der Aufklärung des Unglücks in Muan unterstützen. Der US-Flugzeugbauer Boeing nahm bereits kurz nach dem Absturz Kontakt zur Airline auf und kündigte an, zwei Vertreter nach Südkorea zu entsenden. Zudem soll die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB zwei Experten bereitstellen.

Der scheidende US-Präsident Joe Biden erklärte in einer Mitteilung: "Die Gedanken und Gebete der Amerikaner sind bei allen, die von dieser Tragödie betroffen sind." Weiter hieß es, die Vereinigten Staaten seien bereit, notwendige Hilfe zu leisten. Nach Angaben der südkoreanischen Regierung wollen die US-Behörden die Ermittlungen unterstützen.

Staatstrauer angeordnet

Am Flughafen herrschte nach dem Unglück große Trauer. Die Airline entschuldigte sich bei den Angehörigen, und ihr Chef übernahm die Verantwortung. In einer temporär eingerichteten Leichenhalle wurden die Körper der Opfer aufgebahrt. Das Unglück ereignete sich in einer schwierigen Phase für Südkorea: Präsident Yoon Suk Yeol wurde suspendiert, und der geschäftsführende Präsident Choi Sang Mok rief eine siebentägige Staatstrauer aus. Am Montag beriet er mit dem Parlamentspräsidenten Woo Won Shik über mögliche Hilfsmaßnahmen für die Opfer.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Datenschutz: In drei Schritten zu mehr Privatsphäre beim Bezahlen
17.01.2026

PayPal weiß oft mehr über Ihre Zahlungen, als Ihnen lieb ist – und diese Informationen können für Werbung genutzt werden. Wer seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Drogeriemarkt DM expandiert: Omnichannel-Strategie treibt Auslandsgeschäft an
17.01.2026

Der DM-Konzern treibt den Ausbau seines Auslandsgeschäfts trotz hoher Anlaufkosten gezielt voran. Geht die Skalierungsstrategie des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kakaopreis rutscht ab: Ursachen und Folgen für Märkte und Industrie
16.01.2026

Der Kakaomarkt reagiert auf spürbare Veränderungen bei Nachfrage und Verarbeitung. Signalisiert der jüngste Rückgang des Kakaopreises...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche-Aktie: Absatzkrise in China – Porsche verkauft deutlich weniger Fahrzeuge
16.01.2026

Porsche spürt die anhaltende Marktschwäche in China deutlich: Der Absatz ging 2025 um rund ein Viertel auf 41.900 Fahrzeuge zurück....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise verschärft sich: Gaspreise in Europa innerhalb einer Woche um 20 Prozent gestiegen
16.01.2026

Europas Gasmarkt erlebt einen kräftigen Preissprung: In nur einer Woche stiegen die Kosten für Erdgas um rund 20 Prozent und erreichten...

DWN
Panorama
Panorama Urlaubspläne 2026: Deutsche halten trotz Wirtschaftskrise fest
16.01.2026

Die Reiselust der Deutschen bleibt ungebrochen: Rund zwei Drittel der Bevölkerung planen für 2026 eine Urlaubsreise. Dennoch ist die Zahl...