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Neues Glück im neuen Jahr? Auswandern macht Deutsche glücklich!

Deutsche, die ihre Heimat verlassen, sind anscheinend im Ausland langfristig glücklicher. Eine Langzeitbefragung zeigt: Der Umzug ins Ausland steigert die Zufriedenheit stark. Gerade Singles sind demnach glücklicher. Wie erleben Menschen ihre Auswanderung? Und welche Folgen hat sie für das subjektive Wohlbefinden? Eine Analyse gibt Antworten.
08.01.2025 16:53
Aktualisiert: 08.01.2025 16:58
Lesezeit: 3 min
Neues Glück im neuen Jahr? Auswandern macht Deutsche glücklich!
Auswandern liegt im Trend: 2023 wanderten 1,3 Millionen aus Deutschland aus – darunter 265.000 Deutsche. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Im Jahr 2023 standen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 2 Millionen Einwanderungen nach Deutschland 1,3 Millionen Auswanderungen gegenüber. Darunter waren rund eine Million Ausländer und 265.000 Deutsche. Davon sind rund 73.700 Deutsche mehr ins Ausland gezogen, als nach Deutschland zurückgekehrt sind. Seit 2005 ist der sogenannte Wanderungssaldo negativ – es gehen also mehr als zurückkommen.

Abwanderung: 265.000 Menschen haben Deutschland 2023 verlassen

Die Ursachen für einen zeitlich befristeten Auslandsaufenthalt oder eine dauerhafte Auswanderung sind vielfältig. Auf jeden Fall bedeutet ein solcher Schritt einen Einschnitt im Lebensverlauf, der sich auch auf das subjektive Wohlbefinden auswirkt und viele positive Effekte mit sich bringt.

Eine Auswanderung bedeutet aber auch, die gewohnte Umgebung zu verlassen und sich auf eine andere Sprache und Kultur sowie ein neues soziales Umfeld einzulassen. Wie empfinden Deutsche ihre Auswanderung?

Studie: Umzug ins Ausland erhöht die Lebenszufriedenheit

Menschen, die aus Deutschland auswandern, steigern mit dem Schritt einer aktuellen Studie zufolge ihre Lebenszufriedenheit deutlich. Zumindest legen das die Daten vor: Demnach ist die Lebenszufriedenheit unter deutschen Auswanderern auf einer Skala von null bis zehn im Durchschnitt um einen halben Punkt angestiegen, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) in Wiesbaden mit. Für die Studie waren die erhobenen Daten aus den Jahren 2017 und 2022 der sogenannten German Emigration and Remigration Panel Study (Gerps) miteinander verglichen worden.

Auswandern macht zufriedener als die Geburt eines Kindes

„Dies ist ein bemerkenswerter Anstieg, der im Vergleich etwa doppelt so hoch ist wie der Zugewinn durch einen Umzug innerhalb Deutschlands oder die Geburt eines Kindes“, erklärte Nico Stawarz vom BIB.

Besonders hohe Zugewinne an Lebenszufriedenheit finden sich der Studie zufolge bei Menschen, welche die Entscheidung zur Auswanderung weitgehend selbst treffen konnten. So verzeichnen Singles mit einem Anstieg von 0,6 Punkten den größten Zugewinn.

Die Anzahl der Kinder, Erwerbsstatus oder die Bewertung des Haushaltseinkommens hatten der Studie zufolge keinen spürbaren Einfluss. Zudem fänden sich „keine Unterschiede in der Lebenszufriedenheit zwischen auswandernden Männern und Frauen“.

Auswandern: Lebenszufriedenheit steigt langfristig

Bei Menschen, die in einer Partnerschaft leben, fällt die Veränderung demnach moderater aus – insbesondere dann, wenn die Entscheidung zur Migration hauptsächlich vom anderen Partner initiiert wurde. „Die Möglichkeit, persönliche Präferenzen und Bedürfnisse in die Migrationsentscheidung einzubringen, spielt eine zentrale Rolle für die Steigerung der Lebenszufriedenheit“, erklärte Studienmitautor Heiko Rüger.

Wie die Untersuchung zudem zeigt, bleibt die Lebenszufriedenheit auch noch bis zu zwei Jahre nach dem Umzug auf einem bedeutend höheren Niveau. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Ausland schwächt sich der Effekt etwas ab, was laut BIB auf Gewöhnungseffekte oder eine veränderte Wahrnehmung des Auslandsaufenthalts hindeutet.

Auch die einheimische Bevölkerung könne von Auswanderung profitieren, heißt es in der Studie: „Vor dem Hintergrund, dass viele nur für eine bestimmte Zeit im Ausland bleiben und dann wieder zurückkehren, können Auslandsaufenthalte das subjektive Wohlbefinden der Bevölkerung in Deutschland fördern“.

Wohin wandern die Deutschen am liebsten aus?

Deutsche wandern vor allem in die Schweiz und nach Österreich aus. Beide Länder führten im Jahr 2022 die Rangliste der zehn beliebtesten Zielländer deutscher Ausgewanderter an. Ferner finden sich hier zudem die klassischen englischsprachigen Ziele wie die USA und Großbritannien. Des Weiteren sind andere europäische Nachbarländer wie Polen, die Niederlande und Frankreich, aber auch Spanien und die Türkei als Ziel von Bedeutung.

Mehr Aus- als Rückwanderung – ein langfristiger Trend?

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Aus- und Rückwanderungsentscheidungen meist nicht nur einen einzigen Grund haben, sondern in der Regel ein ganzes Motivbündel existiert. Gleichwohl zeigen die Zahlen, dass bei Auswanderungen vor allem berufliche Gründe eine Rolle spielen. Zudem berichten viele Ausgewanderte, dass sie mit dem Auslandsaufenthalt neue Erfahrungen sammeln wollen oder eine Lebensstilveränderung beabsichtigen.

Bisher spielt bei 17 Prozent die Unzufriedenheit mit ihrem Leben in Deutschland ein zentrales Auswanderungsmotiv. Aufgrund, der langfristig schwierigen wirtschaftlichen Lage ist anzunehmen, dass die Zahl der deutschen Auswanderer in den nächsten Jahren steigen wird.

Wer als Deutscher das Land verlässt, ist einer Studie vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung zufolge überdurchschnittlich gut gebildet und im Schnitt 37 Jahre alt. Stand 2019 haben mit 76 Prozent über Dreiviertel davon ein Hochschulstudium inklusive Abschluss absolviert. Das ist überdurchschnittlich viel, macht in der Gesamtbevölkerung jedoch lediglich einen Anteil von 18,5 Prozent aus.

Bei Gerps handelt es sich um eine repräsentative Befragung Deutscher, die kürzlich Deutschland verließen oder aus dem Ausland zurückkehrten. Die ausgewanderten Menschen werden in zeitlichen Abständen mehrfach befragt, sodass ihre Lebenszufriedenheit über mehrere Jahre hinweg analysiert werden kann. Mit statistischen Verfahren werden Schwankungen beim Wohlbefinden auf das Ereignis der Auswanderung fokussiert.

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Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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