Panorama

Artenvielfalt und Biodiversität: Neue Strategie schützt Natur in Deutschland

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet wurde, setzt wichtige Ziele für den Naturschutz bis 2030. Im Fokus stehen die Rettung von Arten und Lebensräumen sowie konkrete Maßnahmen, die die biologische Vielfalt in Deutschland langfristig sichern sollen.
12.01.2025 12:42
Aktualisiert: 12.01.2025 14:02
Lesezeit: 2 min

Natur und Arten sollen in Deutschland künftig deutlich besser geschützt werden. Eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die das Kabinett am Mittwoch verabschiedet hat, sieht mehrere Naturschutzziele für das Jahr 2030 vor. Hier ein Überblick über die wichtigsten Maßnahmen und Ziele:

Artenvielfalt und Biodiversität: Dramatischer Verlust

Neben der Klimakrise stellt der Verlust der weltweiten Artenvielfalt eine der größten Krisen unserer Zeit dar – eine Krise, die jedoch von der Öffentlichkeit oft wenig beachtet wird. Forscher warnen seit langem vor den dramatischen Folgen. „Für eine große Zahl der Tier- und Pflanzenarten in Deutschland ist die Situation besorgniserregend“, erklärte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in einem Dossier von namhaften Wissenschaftlern.

Um gegen diesen Trend vorzugehen, hat der Bund einen Aktionsplan entwickelt, der Teil der Strategie ist und mehr als 200 Maßnahmen umfasst. Diese sollen bis 2027 in Kraft treten, um eine erste Umsetzungsbilanz zu ziehen. Zu den geplanten Maßnahmen gehört die dauerhafte Sicherung von Pflanzenarten sowie ein Verbot des Holzeinschlags in alten Buchenwäldern, die im Besitz des Bundes sind. Auch in der Landwirtschaft soll der Pestizideinsatz reduziert werden: Die Strategie sieht vor, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 50 Prozent zu senken.

Notwendiger Handlungsbedarf bei Wäldern, Mooren und Auen

Ein entscheidender Bestandteil der Strategie zur biologischen Vielfalt ist die Wiederherstellung von Ökosystemen. Bis 2030 sollen auf 20 Prozent der deutschen Landes- und Meeresflächen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur durchgeführt werden. Dies betrifft insbesondere Wälder, Moore und Auen, deren Zustand sich in den letzten Jahren erheblich verschlechtert hat. Mooren und Wäldern kommt eine besondere Bedeutung im Kampf gegen die globale Erwärmung zu, da sie als Kohlenstoffspeicher fungieren. Auen tragen außerdem wesentlich zum Hochwasserschutz bei. „In Teilen ist die Natur bereits so stark geschädigt, dass es nicht ausreicht, sie nur unter Schutz zu stellen. Sie muss aktiv repariert werden“, erklärt ein Infopapier des Umweltministeriums. Bis 2050 sollen dann alle beschädigten Ökosysteme wiederhergestellt werden.

Schutzgebiete: Der qualitative Schutz ist entscheidend

Für den Schutz von Artenvielfalt und Biodiversität sind Schutzgebiete von großer Bedeutung. Die Strategie soll sicherstellen, dass das Ziel der EU-Kommission, bis 2030 30 Prozent der nationalen Landes- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, auch in Deutschland erreicht wird. Bereits im März 2023 wurden 16 Prozent der Landesfläche und 43 Prozent der Meeresflächen als Schutzgebiete gemeldet. Die Bundesregierung und die Bundesländer arbeiten daran, weitere Gebiete auszuwählen. Auch wenn die Meeresflächen bereits das Ziel übererfüllen, liegt der Fokus nun auf der Verbesserung des qualitativen Schutzes. Es ist vorgesehen, zehn Prozent der Flächen unter besonders strengen Schutz zu stellen, sodass menschliche Eingriffe dort nur noch zur Wiederherstellung der Natur zulässig sind.

Strategie bindend, aber ohne Sanktionen

Die Strategie ist als bindend für zukünftige Regierungen festgelegt, was ihre Umsetzung sicherstellen soll, auch bei einem politischen Wechsel. Dennoch kritisieren Umweltverbände, dass keine klaren Sanktionsmechanismen vorgesehen sind, um die Einhaltung der Ziele zu gewährleisten.

Umweltverbände kritisieren Schwächen der Strategie

„Die größten Schwächen dieser Strategie sind die mangelnde Verbindlichkeit und die fehlende Konkretheit“, sagte Johann Rathke, Teamleiter Biodiversitätspolitik beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Um die Ziele zu erreichen, sollten diese aus seiner Sicht gesetzlich festgeschrieben werden. Ebenso fehle eine klare Finanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen.

Auch Nicola Uhde, Expertin des BUND für Artenvielfalt, sieht trotz der positiven Grundausrichtung erhebliche Mängel. „Die Strategie ist nicht geeignet, die Ursachen des Verlustes der biologischen Vielfalt wirksam einzudämmen“, sagte sie. Die Treiber der Naturzerstörung, wie etwa die Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte, würden zu wenig adressiert. Uhde betont, dass es nicht ausreicht, die Natur an einer Stelle zu schützen und wiederherzustellen, während sie an anderer Stelle durch intensive Landwirtschaft und Bauprojekte weiter zerstört wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bundesagentur für Arbeit: Ohne Zuwanderung kein Wachstum für den Arbeitsmarkt in Deutschland
27.01.2026

Ausländische Arbeitskräfte tragen Deutschlands Beschäftigungswachstum, während die Zahl deutscher Erwerbstätiger sinkt. Neue Daten...

DWN
Technologie
Technologie Solarausbau stockt: Weniger neue Photovoltaik auf deutschen Dächern – Ausbauziele in weiter Ferne
27.01.2026

Der Solarausbau in Deutschland verliert spürbar an Tempo. Neue Zahlen zeigen deutliche Rückgänge bei Installationen auf Hausdächern und...

DWN
Politik
Politik Sozialstaat vor Reform: Weniger Bürokratie, mehr Effizienz und mehr Bürgernähe – es bleiben Fragen
27.01.2026

Der deutsche Sozialstaat steht vor einer tiefgreifenden Neuordnung. Weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und klare Zuständigkeiten...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie vor Zahlen: Analysten erwarten solides Wachstum – jetzt SAP-Aktie kaufen?
27.01.2026

Die SAP-Aktie steht vor entscheidenden Tagen: Am Donnerstag legt der Softwarekonzern Zahlen vor, bereits jetzt treffen Cloud-Dynamik und...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsminister Pistorius: Gemeinsame Grönland-Mission der Nato auf gutem Weg
27.01.2026

Eine mögliche Grönland-Mission der Nato gewinnt erneut an Dynamik. Gespräche laufen, militärische Interessen sind klar benannt, doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Indien-Handelsabkommen: Neue Freihandelszone mit globaler Wirkung
27.01.2026

Die Europäische Union und Indien stehen vor einem wirtschaftspolitischen Wendepunkt. Ein neues Handelsabkommen verspricht enorme Chancen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechnung falsch, Steuer weg? Wie Formfehler zur Umsatzsteuer- und Vorsteuerfalle werden
27.01.2026

Formale Fehler auf Rechnungen kosten Unternehmen jedes Jahr Millionen – oft völlig unnötig. Drei typische Stolperfallen, die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahnchefin Palla räumt in der Konzernleitung auf: Einsparungen im Volumen von 500 Millionen Euro
27.01.2026

Die Deutsche Bahn steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Neue Sparpläne, harte Entscheidungen und klare Prioritäten prägen den Kurs der...