Finanzen

KI-Aktien unter Druck: DeepSeek sorgt für Börsen-Gewitter - Experten halten Sorgen für übertrieben

Die Börsenwoche scheint mit einem kleinen Börsengewitter zu starten: Die chinesische Startup DeepSeek droht die Big Player bei den KI-Aktien zu belasten. Es könnte zu Korrekturen bei Nvidia, Microsoft, Broadcom, aber auch deutschen Werten wie Aixtron, Infineon oder Siltronic kommen. Analysten sehen allerdings keine grundsätzlichen Probleme - Korrekturen möglich, Kollaps unwahrscheinlich!
27.01.2025 07:52
Aktualisiert: 27.01.2025 10:58
Lesezeit: 2 min
KI-Aktien unter Druck: DeepSeek sorgt für Börsen-Gewitter - Experten halten Sorgen für übertrieben
Schwankungen und Unsicherjeit bei KI-Aktien: Ein neuer Player aus China verunsichert Anleger und droht KI-Aktien zu belasten am Montag. (Foto: dpa) Foto: Andre M. Chang

Die Debatte um das chinesische KI-Start-up DeepSeek dürfte Techwerte am Montag teils deutlich nach unten ziehen. Für den technologielastigen US-Index Nasdaq 100 zeichneten sich am Morgen Verluste von mehr zweieinhalb Prozent ab. Allerding hatte der Index 2024 auch um rund 25 Prozent zugelegt, nach einem Anstieg um mehr als 50 Prozent im vorangegangenen Jahr 2023.

Am Wochenende kochten Diskussionen über DeepSeeks neuestes KI-Modell immer weiter hoch, da es kosteneffizient sein soll und womöglich mit weniger starken KI-Chips auskomme, als die großen KI-Modelle der etablierten Anbieter. Experten wollen die jüngsten Entwicklungen zwar nicht überbewerten. Gleichwohl könnte die Debatte eine Konsolidierung der teils hohen Bewertungen im Tech-Bereich auslösen, so ein Börsianer.

So weckt die Debatte bei Investoren Sorgen mit Blick auf die Bewertungen von Tech-Werten wie die KI-Chipspezialisten Nvidia, Broadcom und AMD oder des Software-Konzerns Microsoft. An der japanischen Börse gerieten die Halbleiterindustrie-Ausrüster Tokyo Electron und Advantest sowie der Tech-Investor Softbank deutlich unter Druck.

Warum auch die deutschen Werte kurzfristig von DeepSeek belastet werden könnten

Am deutschen Markt sollten Aktien wie Aixtron , Siltronic , Suss Microtec , Kontron und Infineon im Auge behalten werden. Suss etwa sackten vorbörslich um rund acht Prozent ab. Auch Papiere aus dem Energiebereich könnten wegen des Strombedarfs der rechenintensiven Systeme unter der Debatte leiden: Siemens Energy hatten zuletzt deutlich von dieser Fantasie profitiert.

"Das Weltuntergangszenario, das gerade im Twitter-Universum verbreitet wird, scheint übertrieben", schreiben die Experten um Stacy Rasgon von Analysehaus Bernstein Research. Die KI-Modelle von DeepSeek seien gut und böten eine gute Leistung, allerdings sei OpenAI garantiert nicht für 5 Millionen US-Dollar nachgebaut worden. Zudem überrasche die Effizienz von DeepSeek-V3 nicht angesichts des verwendeten Modellaufbaus. Diese sogenannte Mixture-of-Expert (MoE)-Architektur sei darauf ausgelegt, die Kosten für Training und Betrieb von KI-Modellen zu reduzieren, da immer nur ein Teil der Modellparameter aktiv sei.

Dass die aktuellen Entwicklungen Investoren dennoch nervös machten, basiert laut Rasgon und Kollegen auf einem Missverständnis mit Blick auf die Kosten für das jüngste DeepSeek-Modell. Weitere Gründe seien, dass DeepSeek kleinere Modelle aus größeren extrahiere sowie die niedrigen Preise, die es für die Nutzung seiner Programme aufrufe.

Der erste Sorgenfaktor erscheine grundsätzlich falsch, da das Unternehmen keine revolutionären oder unbekannten Technologien verwendet habe, so die Experten. Der zweite Punkt sei schon interessanter, aber auch nichts Neues, wenngleich die Berechtigung des Ansatzes untermauert worden sei.

Wieso die Kostenvorteile der Chinesen das Gefüge der Tech-Werte durcheinander bringt

Die Investorensorgen angesichts der Preise, die DeepSeek verlangt, seien allerdings nicht von der Hand zu weisen. Zwar sei die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens unklar, aber die Sache werfe Fragen über die Rolle und Lebensfähigkeit von proprietären KI-Modellen im Vergleich zu Open-Source-Ansätzen auf.

Grund zur Panik sei all das aber dennoch nicht, denn angesichts der rasant steigenden Kosten für den weltweiten KI-Ausbau seien Innovationen wie die von DeepSeek notwendig. Diese Innovationen gingen zudem wohl kaum über das hinaus, was Top-KI-Entwickler nicht auch wüssten. Und: Im Techsektor sorgten Effizienz-Zuwächse normalerweise für ein Nachfragewachstum.

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