Panorama

Missstände im Turnen: Eine Rekordmeisterin fordert Aufklärung

Die deutsche Rekordmeisterin im Turnen, Elisabeth Seitz, hat schwerwiegende Vorwürfe über Missstände im deutschen Turnsport erhoben. Bereits 2014 informierte sie den Deutschen Turner-Bund (DTB) über problematische Trainingsmethoden – doch konkrete Konsequenzen blieben aus. Sie fordert nun endlich eine umfassende Aufarbeitung, um zukünftige Generationen junger Turnerinnen und Turner zu schützen. Ein Bericht über körperlichen und mentalen Missbrauch an Athleten.
08.02.2025 07:22
Aktualisiert: 08.02.2025 08:02
Lesezeit: 2 min
Missstände im Turnen: Eine Rekordmeisterin fordert Aufklärung
Es stehen schwere Vorwürfe gegen den deutschen Turnverband im Raum (Foto: dpa). Foto: Bernd Weißbrod

Die deutsche Turn-Rekordmeisterin Elisabeth Seitz hat ebenfalls schwerwiegende Vorwürfe über Missstände am Stützpunkt in Mannheim erhoben und diese nach eigener Aussage bereits 2014 dem Deutschen Turner-Bund gemeldet. „Zuletzt war ich vor wenigen Wochen noch mal im Gespräch mit dem DTB und habe noch einmal alles auf den Tisch gelegt. Sie haben alles, und deswegen sollte das jetzt bearbeitet werden - endlich“ , sagte die dreimalige Olympia-Teilnehmerin der ARD-„Sportschau“.

Seit Ende Dezember gibt es zahlreiche öffentliche Stellungnahmen, in denen ehemalige Turnerinnen und zuletzt auch ein Turner Missstände an deutschen Stützpunkten kritisierten. Es geht vor allem um harsche und autoritäre Trainingsmethoden, „systematischen körperlichen und mentalen Missbrauch“ sowie katastrophale Umstände.

Durchgebissene Lippe und kaputter Zahn

Nach dem Stuttgarter Kunstturnforum, wo ein Trainer-Duo als Konsequenz suspendiert wurde, geriet zuletzt auch der Stützpunkt in Mannheim in den Fokus. Dort trainierte Seitz lange, ehe sie 2017 nach Stuttgart wechselte. So berichtete sie, dass sie als Jugendliche weiter am Barren haben üben müssen, obwohl sie eindeutig gesagt habe, dass sie keine Kraft mehr habe.

„Dann bin ich beim Jägersalto mit dem Gesicht auf den Holm geknallt und habe mir die Lippe durchgebissen, mein Zahn war beschädigt“ , erzählte die Stufenbarren-Europameisterin von 2022. Während sie mit Schmerzen auf ihre Mutter wartete, habe sie weiter Krafttraining machen müssen. „Der Satz, den ich immer hören musste, war: Hör auf, dich selbst zu bemitleiden“ , sagte die 31-jährige Seitz.

Seitz: Falsche Leute im Verband müssen gehen

Der Deutsche Turner-Bund ist mit der Aufklärung beschäftigt und hat dafür Mitte Januar auch eine Kanzlei aus Frankfurt am Main hinzugezogen. Seitz forderte eine umfassende Aufklärung. „Ich möchte auf keinen Fall, dass irgendein Kind oder ein Mädchen so was noch mal erleben muss», sagte die WM-Dritte von 2018.

Es sei ganz wichtig, dass die „richtigen und guten Leute“ im DTB und im Turnen bleiben würden. „Aber die Leute, die nicht richtig sind in diesem Verband oder in diesem Sport, die müssen gehen. Und erst wenn das passiert ist, haben wir die Chance, wirklich was zu verändern“ , sagte Seitz.

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