Panorama

Museen in Deutschland: Mehr Internationalität und Offenheit gefordert

Die international renommierte Museumschefin Marion Ackermann übernimmt im Sommer die Präsidentschaft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ihre Vision: Museen müssen offener, internationaler und zukunftsorientierter agieren. Kultureinrichtungen stehen vor großen Herausforderungen – von der digitalen Transformation bis hin zur Frage, wie sie sich in gesellschaftliche Debatten einbringen. Für Ackermann ist klar: „Wir müssen uns der Welt stellen.“
09.02.2025 07:17
Aktualisiert: 09.02.2025 09:30
Lesezeit: 1 min
Museen in Deutschland: Mehr Internationalität und Offenheit gefordert
Die künftige Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Marion Ackermann (rechts), fordert eine stärkere internationale Vernetzung der Museen (Foto. dpa). Foto: Bernd von Jutrczenka

Warum Kultur Offenheit statt Abschottung braucht

Nach Ansicht der künftigen Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sollten deutsche Museen international stärker vernetzt sein. Sie plädiert dafür, dass Museen „noch stärker und vielleicht ein bisschen freier agieren“ sollten. „Wir müssen uns der Welt stellen und zu Menschen im Kulturbereich international enge Beziehungen aufbauen, selbst in problematischen Systemen.“

Museen tragen laut Ackermann eine Verantwortung für die in Deutschland bewahrten Sammlungen, indem sie diese jahrhunderte- oder jahrtausendealten Kulturen weiterleben lassen. „Es gibt keine monolithischen Kulturen. Kultur abzuschotten ist der falsche Weg.“ Statt Isolation sei Kultur stets im Austausch entstanden – durch Adaption, Aneignung, Reflexion und kreative Prozesse. „Deshalb müssen wir uns mit der ganzen Welt verbinden, unabhängig von Systemen wie in Amerika, China oder Korea.“

Museen und ihre Rolle in gesellschaftlichen Konflikten

Museen befinden sich nach Einschätzung Ackermanns in einem „extremen Wandel“. Die Institutionen müssen sich an veränderte gesellschaftliche Bedingungen anpassen – etwa in Fragen der Ethik, Bildung und digitalen Kunst. „Da müssen wir noch einmal einen großen Schritt nach vorn wagen.“

Zudem benötigen Museen nach ihrer Überzeugung eine klare Haltung. „Ein eigener starker Kompass ist nötig“, sagt die renommierte Kunsthistorikerin. Dieser müsse innerhalb der Institutionen gemeinschaftlich entwickelt und regelmäßig hinterfragt werden. „Kultur ist demokratischer geworden, das politische Umfeld aber komplexer. Als Institution muss man sich diesen öffentlichen Konflikten stellen.“

Museen als Archive: Neue Konzepte für mehr Transparenz

Für Ackermann sind Museen nicht nur Orte der Ausstellung, sondern auch Archive, die Wissen bewahren und neue Erkenntnisse hervorbringen. „Ausstellungen sind nur ein Teil des Ganzen, ein anderer sehr wichtiger Teil ist die Forschung, und dabei vor allem auch die künstlerische Forschung.“

Es gehe darum, nicht nur die Hauptwerke zu präsentieren, während der Rest im Depot verborgen bleibt. Vielmehr sei eine größere Transparenz erforderlich: „Die Sammlung auch als Archiv zu begreifen, unbekannte Geschichten ans Licht zu holen, Verborgenes zu entdecken – das ist eine neue Idee von Museum.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Schwarz-rote Regierung: Kommt das Reformpaket vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt?
29.06.2026

Union und SPD wollen sich vor der wichtigen Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt zusammenraufen und Entscheidungen für die...

DWN
Politik
Politik Verfassungsschutz: Ex-Verfassungsschutzpräsident kritisiert ehemaligen Arbeitgeber 
29.06.2026

Der frühere Chef des Inlandsnachrichtendienstes Hans-Georg Maaßen kritisiert beim 1. Demokratiekongress der AfD seine ehemaligen...

DWN
Politik
Politik Aus von Minijobs? CDU Generalsekretär rechtfertigt Reform-Vorschlag
29.06.2026

Die Koalition ringt um Sozialreformen, und bei der Rente sorgt eine Experten-Empfehlung zu Minijobs für Wirbel. Der CDU-Generalsekretär...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Großbritanniens EU-Austritt 2016: So hoch fiel die Rechnung für den Brexit aus
29.06.2026

Man hatte eine Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftliches Chaos prophezeit. Zehn Jahre nach dem Brexit ist klar, dass die...

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
28.06.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen vor der Sommerpause mit möglichen...

DWN
Politik
Politik Ben Wallace war einer der wichtigsten Verbündeten der Ukraine: Nun prognostiziert er Putins nächsten Schritt
28.06.2026

Der ehemalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace ist der Ansicht, dass sich die NATO auf einen russischen Präsidenten einstellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
28.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
28.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...