Politik

EU-Gipfel zur Verteidigung: Europa rüstet auf

Die EU reagiert auf den außenpolitischen Kurswechsel der USA unter Donald Trump mit einer erheblichen Aufrüstung. Auf einem EU-Verteidigungs-Gipfel einigten sich die Mitgliedstaaten auf ein 150-Milliarden-Euro-Paket für die Verteidigung. Nur Ungarn enthielt sich. Frankreich brachte erneut die Idee eines europäischen Nuklearschirms ins Spiel.
07.03.2025 09:56
Aktualisiert: 07.03.2025 09:56
Lesezeit: 2 min
EU-Gipfel zur Verteidigung: Europa rüstet auf
Der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, Selenskyj und Ursula von der Leyen (v.l.) bei Pressestatements. (Foto: dpa) Foto: Harry Nakos

Aufgrund der neuen außenpolitischen Ausrichtung der USA unter Donald Trump plant die EU eine erhebliche Aufstockung ihrer Verteidigungsausgaben. In der Ukraine-Frage bleibt die Union jedoch gespalten: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban blockierte beim EU-Krisengipfel in Brüssel eine gemeinsame Erklärung zur fortgesetzten Unterstützung der Ukraine.

Die verbleibenden 26 Mitgliedsstaaten bekräftigten daraufhin eigenständig ihre Unterstützung für die "Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen" – inklusive Waffenlieferungen. Sie forderten zudem glaubwürdige Sicherheitsgarantien sowie Friedensverhandlungen unter Beteiligung ukrainischer und europäischer Vertreter.

EU-Gipfel: 150 Milliarden Euro für Verteidigungsausgaben

Noch weitreichender sind die Gipfelbeschlüsse zu massiven Investitionen in die europäischen Streitkräfte. Damit will die EU sicherstellen, dass Europa unabhängiger vom militärischen Schutz der USA wird. Alle 27 Mitgliedstaaten unterstützten grundsätzlich den Vorschlag der EU-Kommission, bis zu 150 Milliarden Euro an EU-Krediten für Verteidigungsprojekte bereitzustellen und dafür Ausnahmen in den EU-Schuldenregeln zu gewähren.

Der zugrunde liegende Plan "ReArm Europe" wurde zu Wochenbeginn von der EU-Kommission vorgestellt. Ziel ist die Mobilisierung von insgesamt fast 800 Milliarden Euro. Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll ihre Kreditvergabe anpassen, um mehr Investitionen in Rüstungsvorhaben zu ermöglichen.

Selenskyj auf EU-Gipfel: "Wir sind sehr dankbar, dass wir nicht allein sind"

"Heute wird Geschichte geschrieben", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Man sei entschlossen, "mehr, besser und gemeinsam schneller zu investieren". Bis zum nächsten Gipfeltreffen in zwei Wochen soll die Kommission präzise Vorschläge zur rechtlichen Umsetzung der Beschlüsse vorlegen.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm an dem Gipfel teil und bedankte sich für die bisherige Hilfe der EU. "Sie haben ein starkes Signal an das ukrainische Volk, an die ukrainischen Krieger, an die Zivilbevölkerung, an alle unsere Familien gesendet", sagte er. "Wir sind sehr dankbar, dass wir nicht allein sind. Das sind nicht nur Worte. Wir fühlen es." In Brüssel wurde Selenskyj herzlich empfangen, nachdem er zuvor in Washington auf Widerstand von Trump und Vizepräsident J.D. Vance gestoßen war.

Macrons Plan für europäischen Nuklearschirm - Scholz setzt auf Nato

Der französische Präsident Emmanuel Macron sorgte mit seinem Vorschlag für einen auf Frankreichs Atomwaffen basierenden Nuklearschutzschirm für Diskussionen. "Einige meiner Kollegen sind zu mir gekommen", sagte er nach dem Gipfel. Nun werde ein technischer Austausch stattfinden, gefolgt von Gesprächen auf höchster politischer Ebene.

Bundeskanzler Olaf Scholz will hingegen am bisherigen NATO-Abschreckungssystem mit US-Atomwaffen festhalten. "Niemand plant, von der heutigen Situation wegzugehen", sagte er. Experten schätzen, dass rund 100 US-Atombomben in Europa stationiert sind, unter anderem in Deutschland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rekordschlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Waffenstillstand hält
05.05.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell antreiben und warum die Anleger trotz globaler Spannungen optimistisch bleiben.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...