Politik

Peking dementiert: Kiews Vorwürfe über chinesische Kämpfer in der Ukraine „haltlos“ – Westen erhöht Druck

Inmitten wachsender Spannungen um den Ukraine-Krieg hat die Volksrepublik China mit deutlichen Worten auf jüngste Anschuldigungen aus Kiew reagiert. Die Behauptung, wonach chinesische Staatsbürger an der Seite russischer Streitkräfte gegen die Ukraine kämpfen sollen, sei „völlig unbegründet“, erklärte das chinesische Außenministerium am Mittwoch.
10.04.2025 10:48
Aktualisiert: 10.04.2025 10:59
Lesezeit: 2 min

China weist ukrainische Vorwürfe zurück

Sprecher Lin Jian betonte in einer offiziellen Stellungnahme, dass Chinas Haltung zur Ukraine-Krise „klar und konsistent“ sei – und diese Position breite internationale Unterstützung genieße.

Mit scharfem Tonfall wies Peking die Vorwürfe zurück, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Vortag auf einer Pressekonferenz erhoben hatte. Demnach seien ukrainische Truppen im Osten des Landes auf mindestens zwei chinesische Staatsangehörige gestoßen, die aktiv in den Kampfhandlungen auf Seiten der russischen Streitkräfte involviert gewesen sein sollen. Kiew verfüge sogar über konkrete Daten zu 155 chinesischen Staatsbürgern, deren Personalien angeblich dokumentiert worden seien.

„Die chinesische Seite überprüft relevante Informationen“, so Lin Jian. Gleichzeitig rief er chinesische Staatsbürger erneut auf, sich nicht an bewaffneten Konflikten zu beteiligen und Konfliktzonen konsequent zu meiden. China habe „wiederholt betont“, dass es eine politische Lösung der Ukraine-Krise unterstütze. Der Sprecher mahnte die Ukraine, Chinas konstruktive Rolle nicht zu verkennen.

Peking gerät in Erklärungsnot – Westen wittert strategische Kooperation

Während China seine Neutralität beteuert, wächst im Westen der Verdacht, dass die Volksrepublik längst mehr ist als ein unbeteiligter Zuschauer. Litauens Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė zeigte sich am Mittwoch überzeugt davon, dass China eine aktiv unterstützende Rolle im russischen Angriffskrieg einnehme – nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern möglicherweise auch durch stille militärische Kooperation. Die Äußerungen Selenskyjs bezeichnete sie als „alarmierend“ und sprach von einer sich verfestigenden Achse zwischen Peking und Moskau.

„Es sollte niemanden überraschen, dass dieses neue Machtzentrum im Osten nicht nur strategisch abgestimmt agiert, sondern zunehmend koordiniert vorgeht“, sagte Šakalienė vor Reportern im litauischen Parlament. Der Westen müsse sich „dringend die Frage stellen, welche geopolitischen Verschiebungen bereits im Gange sind.“

Moskau hält sich bedeckt – Der Kreml schweigt

Der Kreml selbst kommentierte die Berichte aus Kiew lediglich ausweichend. Auf Nachfrage erklärte Sprecher Dmitri Peskow, er könne „zu dieser Angelegenheit keinen Kommentar abgeben“. Beobachter sehen dies als klassisches Taktieren – keine Bestätigung, aber auch kein Dementi.

Seit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 haben sich Moskau und Peking deutlich enger aufeinander zubewegt – sowohl wirtschaftlich als auch geopolitisch. China hat sich dabei stets als neutraler Akteur präsentiert, der keine tödliche Hilfe leiste. Dennoch werfen westliche Regierungsvertreter dem Regime in Peking vor, indirekt zum Fortgang des Krieges beizutragen, indem es dem russischen Militärapparat durch Technologie, Logistik und politische Rückendeckung den Rücken stärkt.

Eskalation auf diplomatischer Ebene wahrscheinlich

Die Vorwürfe aus Kiew und die scharfe Reaktion Pekings könnten eine neue diplomatische Eskalation auslösen. Sollten sich die ukrainischen Angaben bestätigen, stünde Peking unter erheblichem internationalen Druck. Der Westen dürfte das Thema nutzen, um den Schulterschluss zwischen Russland und China weiter ins Scheinwerferlicht zu rücken – mit potenziellen Folgen für die ohnehin angespannte Weltordnung.

Die nächsten Tage könnten entscheidend sein: Bleibt es bei einem diplomatischen Schlagabtausch, oder treten neue Beweise ans Licht, die Chinas Position ins Wanken bringen? Die Weltöffentlichkeit schaut genau hin.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen So lief das Börsenjahr 2025: Edelmetalle im Höhenflug und Krypto unter Druck
11.01.2026

Die Finanzmärkte haben sich zuletzt deutlich auseinanderentwickelt und Anleger vor neue Bewertungsfragen gestellt. Welche Anlageklassen...

DWN
Finanzen
Finanzen Anlagestrategie: Falsche Prognosen sind besser als keine Prognosen
11.01.2026

Prognosen sind notorisch unzuverlässig – und dennoch unverzichtbar. Ob Wetter, Kapitalmärkte oder Geschichte: Wir wissen, dass...

DWN
Technologie
Technologie Arbeitswelt 50 plus: Wie die KI ältere Arbeitnehmer benachteiligt
11.01.2026

Die KI ist nicht objektiv, sondern lernt aus dem Internet. Dort grassieren Vorurteile - auch gegenüber Arbeitnehmern über 50. Diese...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr in Litauen: Litauens Präsident setzt auf deutsche Brigade ab 2027
11.01.2026

Ab Ende 2027 sollen in Litauen fast 5.000 Bundeswehr-Soldaten die Ostflanke schützen. Für Präsident Nauseda ist das gesetzt, trotz neuer...

DWN
Politik
Politik „America first“: USA steigen aus 66 internationalen Organisationen aus
11.01.2026

Die USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück. Der Austritt wird damit begründet, dass die Organisationen,...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 02: Die wichtigsten Analysen der Woche
11.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 02 des neuen Jahres fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Rente neu gedacht: Das Altersvorsorgedepot soll kommen
11.01.2026

Die Koalition will als Alternative zur Rente ein Konzept auf den Weg bringen, um am Aktienmarkt für das Alter vorzusorgen. Der Staat hilft...

DWN
Politik
Politik Trump verdient Milliarden im Amt: Wie das Präsidentenamt zur Geldquelle wird
10.01.2026

Das Weiße Haus ist traditionell mit politischer Macht verbunden, nicht mit privater Vermögensmehrung. Doch in welchem Ausmaß wird das...