Wirtschaft

Apple-Aktie: Trumps Zollhammer kostet iPhone-Giganten die globale Marktkrone - kurzzeitig

Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China entfaltet dramatische Auswirkungen: Apple verlor infolge der von Donald Trump verhängten Strafzölle den Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt - allerdings nur kurzzeitig.
10.04.2025 15:17
Lesezeit: 3 min
Apple-Aktie: Trumps Zollhammer kostet iPhone-Giganten die globale Marktkrone - kurzzeitig
Sinkt der Apple-Stern? Das Unternehmen montiert schätzungsweise 90 Prozent seiner Produkte in China. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Trumps Zölle bringen Tech-Giganten und Apple-Aktie ins Wanken

Die Ankündigung massiver Strafzölle durch den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump hat an den Finanzmärkten ein Beben ausgelöst. Besonders hart traf es den iPhone-Hersteller Apple: Das Unternehmen, das seit Jahren als Sinnbild amerikanischer Innovationskraft galt, wurde vorübergehend als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst.

Der Kurs der Apple-Aktie rutschte zu Beginn der Handelswoche deutlich ab, wodurch die Marktkapitalisierung unter 2,6 Billionen US-Dollar fiel. Damit musste der Technologiekonzern den Spitzenplatz an Microsoft abgeben. Der jüngste Kurseinbruch bei Apple ist laut Analysten direkt auf die harschen Zollmaßnahmen Trumps zurückzuführen. In einer Serie von Drohungen hatte Trump in den vergangenen Tagen Zölle in Höhe von 34 Prozent auf chinesische Waren ab dem 9. April angekündigt. In einem nachfolgenden Beitrag auf seiner Social-Media-Plattform ließ der Ex-Präsident verlauten, dass diese Zölle auf bis zu 104 Prozent steigen könnten, sollte China nicht bis zum 8. April einlenken.

Diese Eskalation ließ Investoren aufhorchen – und aus den Tech-Aktien fliehen. Besonders Firmen mit enger Anbindung an chinesische Produktionsketten wie Apple stehen seitdem massiv unter Druck. Schätzungen zufolge montiert Apple bis zu 90 Prozent seiner Geräte auf dem chinesischen Festland. Während der ersten Trump-Amtszeit hatte Apple noch erfolgreich Ausnahmen vom Zollkrieg erwirkt – diesmal jedoch blieb der Konzern ohne politischen Schutzschild.

Big Tech im freien Fall – der amerikanische Traum wankt

Nicht nur Apple ist betroffen: Tesla verzeichnete seit Trumps Ankündigung einen Kursverlust von mehr als 21 Prozent. Auch Amazon, Nvidia und Meta mussten Einbußen zwischen 12 und 13 Prozent hinnehmen. Selbst Google-Mutter Alphabet und Microsoft, traditionell als stabil geltend, verloren mit minus 7,7 beziehungsweise 7,2 Prozent spürbar an Wert.

„Die Märkte reagieren nicht nur auf höhere Produktionskosten, sondern auf die tiefgreifende Unsicherheit in den US-chinesischen Beziehungen“, sagt ein Analyst aus New York. „Was wir hier sehen, ist mehr als eine vorübergehende Korrektur – es ist ein Misstrauensvotum gegenüber der geopolitischen Stabilität.“

Rückkehr des Trump-Faktors – ein Signal für die Zukunft?

Donald Trump hat mit seiner Zollpolitik erneut bewiesen, dass er bereit ist, wirtschaftliche Stabilität dem geopolitischen Kalkül unterzuordnen. Mitten im US-Wahlkampf dürfte die Verschärfung des Handelskonflikts vor allem innenpolitischen Zielen dienen – auf Kosten der global agierenden US-Konzerne. Die Auswirkungen sind weitreichend: China antwortete bereits mit Gegenmaßnahmen, eine weitere Eskalation droht, die nicht nur Apple, sondern das gesamte globale Wirtschaftssystem erschüttern könnte.

Daran ändert auch die überraschende Entscheidung Trumps am Mittwoch dieser Woche nichts, die Zölle für 90 Tage auszusetzen - und zwar aus zwei Gründen: Zum einen hängt eine Eskalation im Zollkrieg weiter wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten, zum anderen gilt die Zollpause nicht für China. Im Gegenteil schlug Trump weitere 25 Prozent auf Importe aus China obendrauf. In Bezug auf China ist diese Eskalation also bereits eingetreten.

Für die Investoren allerdings ist die Zollpause Trumps ein positives Zeichen, sie honorierten dies und trieben die Aktienkurse wieder nach oben - auch die Apple-Aktie profitierte trotz der chinesischen Fußnote. Und so eroberte der iPhone-Konzern umgehend wieder den Titel "Wertvollstes Unternehmen der Welt" zurück. Insgesamt liegt die Apple-Marktkapitalisierung nach dieser schwindelerregenden Achterbahnfahrt bei 2,72 Billionen Euro, die von Microsoft bei 2,64 Billionen Euro (Stand am 10. April).

Apple-Aktie: Ende eines Mythos?

Der Verlust des Status als wertvollstes Unternehmen der Welt war für Apple dennoch mehr als eine symbolische Niederlage – es ist ein Warnruf an die globalisierte Wirtschaft. Die jahrelange Abhängigkeit von chinesischer Produktion rächt sich nun bitter. Und auch der Rest der sogenannten „Big Seven“ steht am Scheideweg.

Sollte der Handelskrieg weiter eskalieren, könnte sich das wirtschaftliche Machtgefüge weltweit verschieben – mit ungewissem Ausgang für die westlichen Tech-Giganten. Der freie Markt ist in Gefahr, zur geopolitischen Schachfigur zu werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neuer EQT-Vorsitzender Salata: „Mit Geld kommt Verantwortung“
24.05.2026

Der chilenische Milliardär Jean Eric Salata hat nun den Vorsitz bei der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT übernommen....

DWN
Politik
Politik Russischer Topökonom: „Putin wird bald begreifen, dass die Zeit nicht auf seiner Seite ist“
24.05.2026

Sergej Guriev, russischer Ökonom im Exil, gilt als einer der weltweit führenden Experten für Russlands Wirtschaft. Im Interview schätzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Offshore-Windkraft vor Comeback: Energieriesen setzen wieder auf Europa
23.05.2026

Die Offshore-Windkraft hat schwere Jahre hinter sich. Jetzt wittern Energieriesen in Europa wieder Chancen, doch aus Optimismus wird nur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 39 Billionen Dollar Schulden: Amerikas größter Gläubiger heißt Amerika
23.05.2026

Die USA häufen alle drei Monate eine Billion US-Dollar Schulden an und zahlen inzwischen mehr als eine Billion Dollar Zinsen pro Jahr. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mythos Fachkräftemangel beendet: Deutschlands Arbeitsmarkt bricht langfristig ein
23.05.2026

Schwache Frühjahrsbelebung, keine Trendumkehr: Der deutsche Arbeitsmarkt kippt langfristig in eine neue Massenarbeitslosigkeit. Warum es...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fußball-WM 2026: Sporthändler hoffen auf Umsatzboom durch Trikotverkäufe – ist das realistisch?
23.05.2026

Fußball-WM als Umsatzmotor? Die Sporthändler setzen auf Fans, die nicht nur zum Public Viewing, sondern auch in die Geschäfte kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Netzplan im Projektmanagement: Wie Unternehmen ihre Projekte planbar machen
23.05.2026

Der Netzplan macht im Projektmanagement sichtbar, was Bauchgefühl übersieht. Warum die Netzplantechnik 2026 wieder Konjunktur hat – und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Cupra Terramar im Test: Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ist nur noch Erinnerung
23.05.2026

Der Cupra Terramar will nicht brav sein. Er kombiniert SUV-Format, Premium-Gefühl und sportliche Optik mit einem Benziner, der mehr kann,...