Wirtschaft

Stripe-Gründer auf dem Weg in den Tech-Olymp: Brüder Collison mit Vermögen auf Allzeithoch

Die Brüder Patrick und John Collison, Gründer des Zahlungsdienstleisters Stripe, gehören jetzt offiziell zum illustren Kreis der Superreichen. Laut aktuellen Zahlen von Forbes rangieren sie mit einem geschätzten Vermögen von jeweils 10,1 Milliarden US-Dollar auf Platz 244 der reichsten Menschen der Welt – Tendenz steigend.
22.04.2025 05:57
Lesezeit: 3 min
Stripe-Gründer auf dem Weg in den Tech-Olymp: Brüder Collison mit Vermögen auf Allzeithoch
Stripe verkörpert den neuen digitalen Kapitalismus. (Foto: pixabay.com/geralt)

Bewertung bei 94 Milliarden Dollar

Diese Entwicklung erfolgt parallel zu einem bemerkenswerten Comeback des Unternehmens selbst: Mit einer Bewertung von 94,4 Milliarden Dollar nähert sich Stripe erneut seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2021. Damals lag der Wert bei 95 Milliarden US-Dollar – eine Zahl, die selbst Größen wie Elon Musk und Jeff Bezos aufhorchen lässt.

Vom Start-up zum Finanzriesen

Stripe, 2010 von den irischen Brüdern gegründet, entwickelt Software, mit der Unternehmen Online-Zahlungen abwickeln – grenzüberschreitend und skalierbar. Was einst als digitales Werkzeug für Entwickler begann, ist heute eine der zentralen Infrastrukturen der globalen Zahlungsströme.

Allein im vergangenen Jahr überstieg das Volumen der über Stripe abgewickelten Transaktionen die Marke von 1 Billion US-Dollar. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen – ein Meilenstein, den Investoren als Signal werten.

Und sie greifen zu: Der jüngste Bewertungssprung geht auf zwei interne Aktienverkäufe zurück, bei denen Mitarbeiter Anteile verkaufen konnten. Stripe sicherte sich außerdem frisches Kapital, um die Liquidität zu stärken – ein kluger Schachzug in einem nach wie vor angespannten Zinsumfeld.

Von der Krise zurück ins Rampenlicht

Nach einer Talsohle im März 2023, als die Unternehmensbewertung auf 50 Milliarden Dollar fiel, hat sich Stripe eindrucksvoll zurückgemeldet. 65 Milliarden im Februar 2024, dann 91,5 Milliarden – nun 94,4 Milliarden Dollar. Das entspricht dem 18,5-Fachen des Jahresumsatzes – ein Vielfaches dessen, was klassische Industrieunternehmen aufweisen.

Während viele Tech-Firmen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit unter Druck geraten sind, scheint Stripe gestärkt aus der Phase hervorzugehen. Die schlichte Effizienz des Modells – Zahlungsabwicklung gegen Provision – macht das Unternehmen zu einem verlässlichen Wachstumstreiber, insbesondere in einem von KI und Plattform-Ökonomie geprägten Marktumfeld.

Aufstieg der Tech-Oligarchen

Die Brüder Collison sind keine Einzelfälle. Der Blick auf die aktuelle Forbes-Liste zeigt eine neue Realität: Sieben der zehn reichsten Menschen der Welt stammen aus dem Tech-Sektor. Musk, Bezos, Zuckerberg, Ellison, Ballmer, Page und Brin – Namen, die längst mehr Einfluss ausüben als klassische Industriekapitäne.

Die jüngsten Entwicklungen in der US-Handelspolitik haben den Trend zusätzlich befeuert. Nachdem Donald Trump angekündigt hatte, seine Zollpläne zu überdenken, legten viele Tech-Aktien kräftig zu – und mit ihnen die persönlichen Vermögen der Konzernchefs.

  • Elon Musk: +8 %, jetzt bei 380,9 Mrd. Dollar
  • Jeff Bezos: +9,8 %, aktuell 207,7 Mrd. Dollar
  • Mark Zuckerberg: +15 %, bei 202,6 Mrd. Dollar
  • Larry Ellison: +11 %, aktuell 174,8 Mrd. Dollar

Ein neuer digitaler Adel entsteht – mit eigenem Wertesystem, eigener Infrastruktur und immer weniger Rückbindung an die Realwirtschaft.

Fragile Größe?

Doch die Euphorie hat ihre Schattenseiten. Kritiker warnen, dass die hohen Bewertungen auf wackligem Fundament stehen. Stripe erzielt Einnahmen, keine Frage – aber rechtfertigen diese wirklich eine Bewertung nahe der 100-Milliarden-Marke? Und wie lange hält der KI-Boom, der vielen Tech-Firmen aktuell Rückenwind verleiht?

Zudem planen immer mehr Unternehmen, eigene Zahlungssysteme zu entwickeln – Amazon und Shopify sind längst dabei, ihre Abhängigkeit von Stripe zu verringern. Auch Regulierungsbehörden weltweit beginnen, die Dominanz der Zahlungsplattformen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein Imperium im Aufbau – oder am Limit?

Stripe verkörpert den neuen digitalen Kapitalismus wie kaum ein anderes Unternehmen: blitzschnelles Wachstum, globale Skalierbarkeit, private Bewertung jenseits jeder klassischen Bilanzkennziffer. Die Collison-Brüder, einst Wunderkinder aus Irland, sind zu Symbolfiguren einer neuen Tech-Elite geworden – bescheiden im Auftreten, aber kompromisslos in der Umsetzung.

Ihr Aufstieg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis eines Systems, das zunehmend jene belohnt, die digitale Infrastruktur kontrollieren – nicht mehr nur Inhalte, Produkte oder Dienstleistungen.

Ob Stripe in diesem System weiter obenauf bleibt, hängt von mehr ab als nur der nächsten Finanzierungsrunde. Es geht um Vertrauen, geopolitische Stabilität – und die Frage, wie lange das globale Wachstum noch digital skaliert. Die Collison-Brüder reiten auf einer Welle des Erfolgs, die sie selbst geschaffen haben. Doch die See ist rau – und die ersten dunklen Wolken ziehen bereits auf. Der nächste Sturm ist nur eine politische Entscheidung oder ein regulatorischer Eingriff entfernt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen eBay-Deal sorgt für Zweifel: Warum Michael Burry seine GameStop-Aktien verkauft hat
14.05.2026

Michael Burry zieht bei der GameStop-Aktie die Reißleine, während Ryan Cohen mit eBay den bislang kühnsten Umbau des Konzerns anstrebt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lebenslauf verliert an Bedeutung: Warum sich der Bewerbungsprozess verändert
14.05.2026

Der Lebenslauf gilt für viele Arbeitgeber weiterhin als zentrales Instrument im Bewerbungsprozess und prägt maßgeblich die Auswahl von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktivität durch KI: Nobelpreisträger Philippe Aghion warnt vor Risiken für den Arbeitsmarkt
14.05.2026

Die KI-Revolution verspricht mehr Produktivität, stellt die EU-Arbeitsmärkte aber gleichzeitig vor eine politische Bewährungsprobe. Kann...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Inflationssorgen spalten die Wall Street
13.05.2026

Während eine überraschende Wirtschaftsentwicklung für Nervosität sorgt, richten Anleger ihre Blicke auf neue Chancen – ein Balanceakt...

DWN
Politik
Politik Versorgungssicherheit im Fokus: Kabinett beschließt Bau neuer Gaskraftwerke
13.05.2026

Um die Stabilität des deutschen Stromnetzes langfristig zu garantieren, hat die Bundesregierung den Weg für eine neue Generation von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sondersteuer für Energiegewinne: Wie die EU-Pläne Europas Energiesektor belasten
13.05.2026

Eine neue Sondersteuer für den Energiesektor könnte die Debatte über hohe Energiepreise in der EU erneut verschärfen. Welche Folgen...

DWN
Politik
Politik Schienenverkehr ohne Grenzen: EU plant Stärkung der Fahrgastrechte bei Fernreisen
13.05.2026

Die Europäische Kommission möchte das Bahnfahren über Ländergrenzen hinweg attraktiver gestalten und den Schutz für Reisende massiv...

DWN
Politik
Politik Wechsel in Stuttgart besiegelt: Cem Özdemir übernimmt das Amt des Ministerpräsidenten
13.05.2026

In Baden-Württemberg bricht eine neue politische Ära an: Cem Özdemir wurde vom Landtag zum Nachfolger von Winfried Kretschmann gewählt....