Unternehmen

Kartellprozess gegen Meta: Facebook, Instagram und Whatsapp: Wird Zuckerbergs Imperium zerschlagen?

Am Montag begann der aufsehenerregende Prozess gegen den Facebook-Mutterkonzern wegen des Kaufs von Instagram und WhatsApp vor mehr als zehn Jahren. Der Prozess wird wohl Monate, wenn nicht Jahre dauern. Für Zuckerberg selbst birgt er das Potenzial eines bleibenden Reputationsschadens.
14.04.2025 22:15
Aktualisiert: 14.04.2025 22:15
Lesezeit: 2 min
Kartellprozess gegen Meta: Facebook, Instagram und Whatsapp: Wird Zuckerbergs Imperium zerschlagen?
Kartellprozess gegen Meta: Wird Zuckerbergs Imperium zerschlagen? (Foto: dpa) Foto: Andrej Sokolow

Kartellprozess gegen Meta: Wird Zuckerbergs Imperium zerschlagen?

Was sind schon 20 Milliarden? So viel zahlte der Facebook-Konzern in den Jahren 2012 und 2014 zusammengerechnet für die Übernahmen der aufstrebenden Konkurrenten Instagram und Whatsapp.

Eine Milliarde Dollar waren es für Instagram, das damals noch eine reine Plattform zum Teilen von Fotos mit rund 30 Millionen Nutzern war. Für den Messengerdienst Whatsapp wurden zwei Jahre später wegen seiner 450 Millionen Nutzer bereits 19 Milliarden fällig.

Wettbewerbsbehörde findet, Kauf hätte nie genehmigt werden dürfen

Eine Nichtigkeit im Vergleich zu dem Nutzen, den die Übernahmen dem Unternehmen brachten: Heute sind Instagram (2 Mrd. Nutzer) und Whatsapp (2,4 Mrd.) die Aushängeschilder des neu gegründeten Mutterkonzerns Meta, der alleine im Vorjahr 62,4 Mrd. Dollar Gewinn erwirtschaftete.

Firmenchef und -gründer Mark Zuckerberg rangiert seither durchgehend unter den reichsten Menschen der Welt, mit einem geschätzten Vermögen von 188 Milliarden belegt er laut Forbes aktuell Platz drei.

Ein Erfolg, der aus Sicht der US-Wettbewerbsbehörde FTC (Federal Trade Commission) so niemals hätte ermöglicht werden dürfen. Die Argumentation: Meta, das damals noch Facebook hieß, habe Instagram und Whatsapp nur gekauft, um Konkurrenten in einem Markt auszuschalten, in den es für andere Firmen nur schwer möglich ist, nachträglich einzusteigen.

Nach jahrelangen Untersuchungen erhob die FTC schon im Jahr 2020 rückwirkend Klage gegen Meta. Dessen Anwälte fuhren jahrelang alle Geschütze auf, um ein Verfahren noch abzuwehren, am Montag fand schließlich der erste Prozesstag statt.

Zuckerberg droht ein Reputationsschaden

Für Zuckerberg steht viel auf dem Spiel: Im Falle einer Niederlage könnte seine Firma gezwungen werden, Instagram und Whatsapp wieder abzustoßen, was den Social-Media-Markt von Grund auf neu aufstellen würde.

Metas Anwälte versuchen deshalb, vehement darauf hinzuweisen, dass die Branche schon jetzt hart umkämpft ist: Mit den Videoplattformen Youtube, Tiktok und dem Messengerdienst Snapchat gebe es genug Konkurrenz.

Der Prozess wird wohl Monate, wenn nicht Jahre dauern. Für Zuckerberg selbst birgt er das Potenzial eines bleibenden Reputationsschadens: Der oftmals roboterhaft auftretende Milliardär wird selbst aussagen müssen, ebenso wie etliche ehemalige Wegbegleiter, die sein Imperium im Streit verlassen haben.

„Zuck“ schmiegt sich an Trump an

Zudem wird die politische Ebene des Falls beleuchtet werden. Die FTC erhob ihre Klage gegen Meta zum Ende der ersten Amtszeit Donald Trumps, der sie offen unterstützte. Trump hatte Meta damals regelmäßig vorgeworfen, politisch linke Inhalte häufiger anzuzeigen als rechte.

Heute ist das Verhältnis zwischen Präsident und Großkonzern ein anderes, auch weil Firmenchef Zuckerberg sich öffentlich anschmiegte: Er ordnete die Auflösung der firmeninternen Faktencheck-Abteilung an, spendete eine Million Dollar für Trumps Wahlkampf und war Ehrengast bei dessen Amtseinführung.

Zuletzt wurde „Zuck“ von Journalisten mehrfach im Weißen Haus sowie in Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida gesehen. Das Kalkül liegt auf der Hand: Theoretisch wäre im Kartellverfahren eine außergerichtliche Einigung mit der Regierung möglich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Datenschutz in Casino-Apps und was deutsche Nutzer wirklich erwarten

Spieler schreiben an ihr Online-Casino und verlangen Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert wurden. Das Casino antwortet...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenboom treibt Reichtum der Eliten: Ist eine Vermögenssteuer überfällig?
27.05.2026

Wer mehr als 100 Millionen Dollar besitzt, gilt als superreich. In Deutschland gehören Tausende Menschen dazu - Tendenz steigend, wie eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Direktinvestitionen. Europas neue Angst vor China-Geld
27.05.2026

China investiert so viel wie nie in Europas Schlüsselindustrien. Ausgerechnet jetzt verschärft die EU ihre Regeln für ausländische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Agrartechnik wird elektrisch: Ex-VW-Chef Diess will E-Traktor auf den Markt bringen
27.05.2026

Früher VW-Boss, jetzt Landmaschinen-Pionier? Herbert Diess plant einen E-Traktor mit Wechsel-Akkus für Landwirte. Diese sollen schon bald...

DWN
Politik
Politik China-Politik: Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches Spagat
27.05.2026

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mini-Wachstum: Wirtschaftsweise senken erneut Prognose - Abschwung setzt sich fort
27.05.2026

Einen Aufschwung der deutschen Wirtschaft gibt es langfristig nicht: Der Sachverständigenrat erwartet nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tech-Börsengänge mit Rekordwerten lassen Experten zweifeln
27.05.2026

SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten mit ihren Tech-Börsengängen neue Rekordbewertungen erreichen. Experten warnen jedoch vor Hype,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einführung: Erfolg entscheidet sich im Mindset, nicht im Code
27.05.2026

Bei der Implementierung von KI denken viele zunächst an die technischen und datenschutzrechtlichen Komponenten. Doch der eigentliche...

DWN
Politik
Politik Antragsloses Kindergeld aber weniger Elterngeld? Wie die Regierung für mehr Kinder sorgen will
27.05.2026

Die Geburtenrate befindet sich parallel zur Wirtschaftskrise auf einem historischen Tiefstand. Kinder rücken plötzlich in den Fokus der...