Finanzen

Digitalisierung im Bürgeramt: Passfotos ab Mai nur noch digital erlaubt

Ab dem 1. Mai sind in Deutschland im Grunde nur noch digitale Passfotos erlaubt. Das neue Verfahren soll Fälschungen vorbeugen. Wer denkt, er könne einfach ein selbst aufgenommenes Bild per Mail an das Bürgeramt schicken, liegt falsch. Was sich ändert, wer betroffen ist und wie der Ablauf funktioniert.
19.04.2025 09:45
Lesezeit: 2 min

Neue gesetzliche Vorgaben

Nur noch digitale Passfotos werden akzeptiert – entweder direkt vor Ort in der Behörde erstellt oder sicher von einem Fotostudio übertragen. Die Passbehörde prüft zudem, ob das digitale Bild den biometrischen Vorgaben entspricht. Hintergrund ist unter anderem der Schutz vor sogenanntem Morphing, bei dem Bilder verschiedener Gesichter kombiniert werden. So könnten theoretisch zwei Personen denselben Pass nutzen.

Bereits 2020 beschlossen

Das Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass-, Ausweis- und Dokumentenwesen wurde bereits im Herbst 2020 verabschiedet. Die meisten Regelungen traten am 12. Dezember 2020 in Kraft, die Speicherpflicht für zwei Fingerabdrücke folgte am 2. August 2021. Für die Übermittlung von Fotos wurde wegen des technischen Aufwands eine längere Frist angesetzt.

Möglichkeiten ohne digitale Mittel

Wer kein Smartphone oder Internetzugang hat, kann sich für sechs Euro direkt in der Passbehörde fotografieren lassen. Alternativ ist es möglich, sich einen QR-Code vom Fotografen ausdrucken zu lassen. Papierfotos werden übergangsweise bis zum 31. Juli akzeptiert, etwa bei fehlender Technik in den Bürgerämtern oder wenn das Foto vor Mai aufgenommen wurde. Gibt es bereits ein entsprechendes Gerät, entfällt die Gebühr bei Vorlage eines gültigen biometrischen Bildes.

Funktionalität der Foto-Geräte

Je nach Hersteller bieten die Fotoeinheiten unterschiedliche Funktionen. Das PointID-System der Bundesdruckerei wird zentral bereitgestellt, Kommunen können aber auch andere Lösungen nutzen. Die Geräte, als Tisch- oder Standmodell erhältlich, machen Fotos, erfassen Fingerabdrücke und Unterschriften. Sie wählen aus einem kurzen Video automatisch ein geeignetes Bild aus und sind auch für Kinder sowie Menschen mit Einschränkungen nutzbar.

Geräte noch nicht flächendeckend

Zum Start am 1. Mai sollen 2.500 Geräte zur Verfügung stehen, bis August sollen es insgesamt 10.000 sein. Doch es hakt noch bei der Ausstattung: In Berlin-Mitte fehlten Geräte Mitte März, Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt war bereits ausgerüstet.

Kostenfreie Systeme für Kommunen

Die von der Bundesdruckerei gelieferten Systeme sind für Kommunen kostenlos. Finanziert werden sie über die sechs Euro, die Bürger für das Passfoto zahlen. Die Zahl der Geräte richtet sich nach der Menge der Anträge. Bürgerbüros müssen digitale Bilder annehmen können, müssen aber keine eigenen Geräte vorhalten. Mancherorts wird aus Rücksicht auf lokale Fotogeschäfte darauf verzichtet.

Folgen für Fotografen

Fotografen dürfen weiterhin Passbilder machen, sofern sie ein zertifiziertes System nutzen, das die Bilder verschlüsselt in eine Bundes-Cloud überträgt. Kunden erhalten einen QR-Code für die Behörde. Auch Drogeriemärkte wie dm bieten diese Möglichkeit. Der Berufsfotografen-Verband spricht von hohen Umstellungskosten, ist aber froh, weiterhin Teil des Prozesses zu sein. Gleichzeitig kritisiert er die Gerätevergabe an Bürgerämter als Wettbewerbsnachteil: "Das ist ein Dorn im Auge vieler Studios".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kurzarbeit in Deutschland: 133 Millionen Stunden verloren – ein Warnsignal
09.05.2026

Die Zahl ausgefallener Arbeitsstunden durch Kurzarbeit steigt weiter an und signalisiert eine wachsende Belastung für die deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Europas Unternehmen unter Regulierung leiden
09.05.2026

Zwar gilt die EU vielen als Anker für Stabilität, doch im Mittelstand wächst der Unmut. Die regulatorische Dichte aus Brüssel wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.