Wirtschaft

E-Mobilität in China: Warum der Westen zurückfällt

Chinas Autobauer überrollen die E-Mobilitätswelt – effizient, günstig, selbstbewusst. Während westliche Marken im Reich der Mitte an Relevanz verlieren, sichern sich lokale Anbieter wie BYD oder Li Auto rasant Marktanteile. Massive staatliche Förderung, technische Innovationskraft und ein gnadenloser Preiskampf treiben die Entwicklung voran – mit weitreichenden Folgen für Europas Autoindustrie.
28.04.2025 10:53
Lesezeit: 3 min

Strom statt Sprit: Messe im Zeichen der Zukunft

Benzin war gestern: Bei Chinas bedeutendster Automesse in Shanghai dreht sich alles um elektrische Innovationen. Wieder einmal, sollte man hinzufügen. Denn China ist bereits seit Jahren Leitmarkt für E-Mobilität. Mehr als 100 neue Modelle, die meisten davon elektrisch, werden in Shanghai erwartet.

Der Verband der chinesischen Autoindustrie zeigt sich optimistisch: Im laufenden Jahr werde die Marke von 50 Prozent Elektro-Anteil an den Neuwagenverkäufen "problemlos" überschritten. Verbrenner verlieren auf Chinas Straßen rasant an Boden. Warum geschieht das?

Subventionen und politischer Wille

Der Aufstieg der E-Mobilität ist politisch gewollt und staatlich gefördert. Strom sei in China zudem "sehr billig", während Öl teurer sei, sagt Experte Cui Dongshu vom chinesischen Autoindustrie-Verband. Über ein Jahrzehnt lang unterstützte Peking den Kauf von E-Autos mit Subventionen. Zwar endeten direkte Kaufprämien, doch Steuererleichterungen bestehen weiterhin.

Bis Ende 2025 entfällt die zehnprozentige Erwerbssteuer bei Stromern. Viele Städte erleichtern die Zulassung mit bevorzugten Nummernschildern. Zusätzlich verpflichtet eine staatliche Quote für neue Energiefahrzeuge (NEV) die Hersteller, einen wachsenden Anteil an Elektro- und Hybridmodellen zu produzieren.

Der Erfolg zeigt sich deutlich: 2024 erreichte der NEV-Anteil am Neuwagenmarkt rund 47 Prozent, nach 31,6 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig wird massiv in Ladestationen, Batterietausch-Netzwerke und Akku-Recycling investiert.

Ein erbitterter Preiskampf

Zudem ist der Wettbewerb gnadenlos. Vor allem der Markteintritt Teslas im Jahr 2020 habe Chinas Autohersteller dazu gebracht, Innovationen voranzutreiben, Produkte schnell auf den Markt zu bringen und die Kosten zu senken, sagt Analyst Paul Gong von der UBS-Bank. Ein E-Auto kostet in China mittlerweile etwa halb so viel wie in der westlichen Welt.

Der Preiskrieg dauert nun bereits das dritte Jahr an. Zuletzt senkten nahezu alle großen Hersteller erneut ihre Preise oder warben mit Bonusprogrammen. Die Folge: sinkende Margen, Verluste und Überkapazitäten. Insolvenzen mehren sich.

2024 mussten mehrere ehrgeizige Start-ups aufgeben. Im Dezember scheiterte das Joint Venture Jiyue von Tech-Konzern Baidu und Autobauer Geely kurz nach dem Marktstart. Zuvor gingen Hersteller wie Human Horizons (HiPhi), Byton, Weltmeister und Bordrin pleite, was verunsicherte Kunden und Fahrzeuge ohne Wartung oder Software-Updates zurückließ. Beobachter rechnen mit einer anhaltenden Marktbereinigung.

Chinas Marken ziehen davon

Zu den klaren Gewinnern zählt BYD aus Shenzhen. Mit günstigen E-Modellen trifft das Unternehmen den Geschmack der Massen. Im ersten Quartal 2025 setzte BYD knapp 700.000 Elektro- und Plug-in-Fahrzeuge in China ab. Der Marktanteil liegt bei rund 29 Prozent – mehr als die vier nächstgrößten Anbieter zusammen. BYD hat nicht nur Tesla, sondern auch die traditionellen Marktführer bei Verbrennern überflügelt.

Auch Li Auto wächst stark. Der SUV-Spezialist setzt auf sogenannte Reichweitenverlängerer-Hybride im Premiumsegment, bei denen der Elektromotor das Auto antreibt, während ein Verbrennermotor die Batterie lädt. Mit diesem Konzept konnte das Unternehmen 2024 seine Verkaufszahlen mehr als verdoppeln und schreibt inzwischen schwarze Zahlen. Geely, zu dem Marken wie Zeekr und Lynk & Co zählen, gehört ebenfalls zu den Aufsteigern.

Mittlerweile richten Chinas Marken den Blick verstärkt ins Ausland. In Deutschland etablierten sich etwa BYD oder Nio. Zudem drängen die Hersteller nach Südamerika und Südostasien. Doch aus Sorge vor einem Zustrom günstiger chinesischer Autos verschärften etwa die EU und sogar Chinas enger Partner Russland die Handelsbarrieren. Pekings E-Auto-Exporte dürften laut Experten deshalb in diesem Jahr langsamer wachsen.

Tech-Konzerne mischen mit

Aber auch große Tech-Konzerne verändern den Markt in China. Das für seine Smartphones bekannte Unternehmen Xiaomi brachte 2024 erfolgreich seine erste Elektro-Limousine SU7 auf den Markt. Xiaomi setzt auf "viel Technik fürs Geld". Auch Huawei ist aktiv und liefert sein Software-Know-how an mindestens sieben Autohersteller. In Huawei-Geschäften stehen die Fahrzeuge neben den Smartphones.

Ausländische Hersteller stehen hingegen unter Druck. Ihre Elektro-Modelle spielen oft nur eine Nebenrolle. Der schleichende Niedergang deutscher Marken in China sei auch auf deren eigene Schwächen zurückzuführen, sagt Automotive-Experte Zhong Shi. "Deutsche Autos können definitiv einen gewissen Marktanteil in China halten, aber es hängt davon ab, wer gewinnt – Volkswagen oder BMW und Mercedes", erklärt er. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz wirken auf viele Kunden mitunter altbacken.

Die Hersteller konzentrieren sich nun stärker auf die Wünsche chinesischer Kunden. Gefragt sind Vernetzung und digitale Cockpits – das Smartphone auf Rädern. Analyst Gong rät den ausländischen Konzernen, China nicht mehr nur als Produktionsstandort, sondern als globales Forschungs- und Entwicklungszentrum zu begreifen. Sie haben aus seiner Sicht Vorteile, wenn sie das Vertrauen in ihre Marken mit den neuesten in China entwickelten Technologien verknüpfen.

Autonomes Fahren im Visier

Nach dem E-Boom rückt das autonome Fahren zunehmend in den Fokus. Ende März kam es zu einem tödlichen Unfall mit einem Xiaomi-Auto im Autopilotmodus. Drei Insassen starben, als das Fahrzeug auf einer Autobahn gegen einen Betonpfeiler prallte und Feuer fing. Der Vorfall löste in China eine Debatte über die Sicherheit selbstfahrender Systeme aus. Die Regierung mahnt die Hersteller inzwischen, die Fähigkeiten ihrer Assistenzsysteme nicht überzubewerten. Branchenprognosen zufolge werden 2026 mehr als 60 Prozent aller in China verkauften Neuwagen elektrifiziert sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

DWN
Politik
Politik Kurswechsel beim Heizgesetz: Bundesregierung lockert Verbot von Gas- und Ölheizungen
13.05.2026

Die neue Regelung sieht vor, dass, obwohl fossile Brennstoffe in modernen Anlagen vorerst zulässig bleiben, ab 2029 eine verpflichtende...

DWN
Finanzen
Finanzen Elementarschadenversicherung: Was Versicherte wissen müssen – 7 wichtige Tipps
13.05.2026

Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche verursachen immer häufiger hohe Schäden an Häusern und Wohnungen. Viele Eigentümer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milan Nedeljković als neuer CEO: Warum die BMW-Aktie auf operative Stärke setzt
13.05.2026

Die BMW-Aktie rückt mit Milan Nedeljković in eine neue Bewährungsphase, in der operative Stärke und industrielle Präzision mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hoffnung auf 1.000 Euro zerstört: Unionsfraktion verweigert Arbeitnehmern die Entlastungsprämie
13.05.2026

Die geplante steuerfreie Entlastungsprämie für Arbeitnehmer wird nicht kommen. Nachdem der Bundesrat das Vorhaben bereits gestoppt hatte,...

DWN
Politik
Politik Putin in der Zwickmühle: Russische Wirtschaft verliert an Spielraum
13.05.2026

Putin steht im Ukraine-Krieg zunehmend unter Druck, während Russlands Wirtschaft trotz hoher Öleinnahmen an Stabilität verliert. Kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: US-Inflation, Dollar und Renditen bremsen den Goldkurs
13.05.2026

Nach einer starken Vorwoche verliert Gold wieder an Schwung. Ausgerechnet die jüngsten US-Konjunkturdaten sorgen für Gegenwind und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krankheitswelle: Warum die E-Krankschreibung nicht der Sündenbock ist
13.05.2026

Die Rekordzahlen bei den Fehltagen liegen laut aktuellen Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger an der...

DWN
Politik
Politik Mageres Ergebnis nach Nachtsitzung: Koalition vertagt Reform-Details
13.05.2026

Sechs Stunden Verhandlungsmarathon, aber kaum konkrete Beschlüsse: Union und SPD haben sich im Kanzleramt zwar auf einen...