Politik

Meloni wird Trumps Brücke nach Europa

Giorgia Meloni etabliert sich als bevorzugte Gesprächspartnerin Donald Trumps – und verschiebt das diplomatische Gleichgewicht in Europa.
24.04.2025 12:02
Aktualisiert: 24.04.2025 12:02
Lesezeit: 2 min

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat das geschafft, woran viele gescheitert sind: Sie öffnet Donald Trump die Tür nach Europa – und bringt damit Bewegung in die festgefahrenen transatlantischen Beziehungen.

Ein Empfang mit Symbolkraft: Meloni im Weißen Haus

Als erste europäische Regierungschefin nach der Ankündigung neuer US-Zölle wurde Giorgia Meloni im Oval Office empfangen – nicht Ursula von der Leyen, nicht Olaf Scholz. Trump ließ keinen Zweifel daran, wer seine bevorzugte Ansprechpartnerin in Europa ist: Meloni. Kein Spott, keine Provokation – stattdessen Lob und sichtbare Wertschätzung.

Italien auf Augenhöhe mit Washington?

Italien ist traditionell kein Schwergewicht in globaler Geopolitik. Doch mit Meloni an der Spitze verschiebt sich das Kräfteverhältnis. Sie agiert als „de facto“-Vermittlerin zwischen Europa und den USA, wie Politikwissenschaftler Lorenzo Castellani erklärt – eine Rolle, die bislang Berlin oder Paris vorbehalten war.

Trumps neue Verbündete: EU-Außenpolitik in neuem Licht

Meloni ist nicht nur die erste EU-Staatschefin, die Trump wieder empfangen hat – sie ist auch die Einzige, die mit ihm spricht. Nach ihrem Besuch kündigte das Weiße Haus an, Trump werde bald nach Rom reisen, um über die umstrittenen Zölle zu sprechen. Ein diplomatischer Coup, der Melonis Rolle auf der internationalen Bühne massiv aufwertet.

Von „Postfaschistin“ zur Verhandlerin Europas

Noch vor wenigen Jahren als „rechtsextreme Nachfolgerin Mussolinis“ diffamiert, ist Meloni heute zum Machtfaktor in Brüssel geworden. Ihre Beziehungen zur EU-Kommission sind stabil, ihr Draht nach Washington einzigartig. Sie lehnt eine Konfrontation zwischen Brüssel und den USA ab – und fordert, den Westen als zivilisatorisches Projekt zu verstehen, nicht als institutionelles Korsett.

Ein geopolitischer Balanceakt mit strategischem Kalkül

Meloni spielt geschickt auf beiden Seiten: Sie bleibt transatlantisch orientiert, hält aber Europa die Treue. Ihre Kritik an der Zollpolitik Trumps formuliert sie diplomatisch – ohne ihre Nähe zu Washington aufzugeben. Ihre Botschaft: Italien als Mittler, nicht als Vasall.

Stille Komplizenschaft mit Trump – ideologisch und strategisch

Die politischen Überschneidungen zwischen Meloni und Trump sind kein Zufall. Migration, Familie, nationale Souveränität – ihre Weltbilder ähneln sich stark. Auch US-Vizepräsident JD Vance lobte bei seinem Rom-Besuch die „besondere Freundschaft“ zwischen den Nationen. Das Signal ist eindeutig: Wer Meloni trifft, spricht indirekt auch mit Trump.

Zwischen Zollkrieg und EU-Spagat: Melonis riskanter Weg

Italien ist einer der größten EU-Exporteure in die USA. Ein Eskalieren der Zölle träfe Rom hart. Gleichzeitig fordert Melonis Koalitionspartner Salvini, nationale Interessen vor EU-Solidarität zu stellen. Meloni versucht, den Spagat: europäische Einigkeit wahren, nationale Wirtschaft schützen – und dabei Trump bei Laune halten.

Fazit: Die neue Achse Rom–Washington stellt Europa vor die Wahl

Giorgia Meloni ist dabei, Europas diplomatische Geografie umzuschreiben. Während Berlin und Paris zögern, knüpft sie Bande mit dem mächtigsten Mann der Welt. Ihre Gegner in Europa haben sie unterschätzt. Die Frage ist nicht mehr, ob sie Einfluss hat – sondern wie Europa damit umgehen will.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft „Ein Albtraum für den Handel“: EU kontert Trumps Strafzoll-Drohungen
19.01.2026

Donald Trump will mit Strafzöllen Druck auf Europa ausüben – doch kann er sich dabei überhaupt einzelne EU-Staaten herauspicken?...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie fällt kräftig: Was sind die Gründe – und ist das die Chance zum Einstieg?
19.01.2026

Die Novo Nordisk-Aktie startet nach einer starken Aufwärtsrally überraschend schwächer in die neue Börsenwoche. Hinter dem Rücksetzer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Anleihemarkt in Alarmbereitschaft: Aus Sicht eines Top-Ökonoms wächst das Risiko für Investoren
19.01.2026

Ein dänischer Star-Ökonom schlägt in den USA Alarm: Die Mischung aus aggressiver Finanzpolitik, politischem Druck auf die Notenbank und...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten an den US-Börsen: Goldpreis zu hoch – weg aus den USA, kaufen Sie diese Aktien
19.01.2026

Geopolitische Schocks, politische Unberechenbarkeit und dennoch: Die Börsen laufen weiter. Während Gold auf Rekordniveau polarisiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF sieht Deutschland 2026 stärker wachsen – Optimismus für Wirtschaft
19.01.2026

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft 2026 stärker wächst als andere G7-Staaten. Damit...

DWN
Panorama
Panorama Putins Angst vor Journalisten: Der Fall eines norwegischen Mediums
19.01.2026

Fünf Journalisten im norwegischen Grenzort Kirkenes geraten ins Visier des Kreml: Russland erklärt ihr Medium zur „unerwünschten...

DWN
Politik
Politik Elektroauto-Kaufprämie: Schneider lockt mit bis zu 6.000 Euro Förderung
19.01.2026

Die Bundesregierung fördert den Kauf oder das Leasing von Elektroautos wieder mit bis zu 6.000 Euro. Umweltminister Carsten Schneider...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Start-up-Finanzierung 2025 steigt wieder – Bayern überholt Berlin
19.01.2026

Deutsche Start-ups profitieren 2025 von einem leichteren Zugang zu Investorengeldern. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY...