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Innere Kündigung: Frühzeitig erkennen und wirksam handeln

Eine Kündigung kommt in der Regel nicht einfach aus dem Nichts. Oft zeigen Mitarbeiter Anzeichen dafür, dass sie das Unternehmen verlassen möchten.
19.05.2025 12:23
Lesezeit: 3 min
Innere Kündigung: Frühzeitig erkennen und wirksam handeln
Anzeichen einer inneren Kündigung bei Ihren Mitarbeitern frühzeitig erkennen und wirksam reagieren (iStock/Worawee Meepian). Foto: Worawee Meepian

78 Prozent der Angestellten in Deutschland machen nur noch „Dienst nach Vorschrift“. Eine hohe emotionale Bindung zum Arbeitgeber haben lediglich 9 % der Befragten. Das sind die alarmierenden Ergebnisse des Gallup Engagement Index Deutschland 2024. Die genannten Punkte sind Anzeichen einer inneren Kündigung. Denn: Lange bevor eine Kündigung wirklich eingeht, haben viele Mitarbeiter bereits mental gekündigt.

Mangelnde Motivation aufgrund Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

Bei einer inneren Kündigung hat der Mitarbeiter (noch) nicht offiziell gekündigt und geht weiterhin seinen Aufgaben nach, hat sich jedoch mental bereits von seinem Job distanziert. Er macht lediglich „Dienst nach Vorschrift“. Dieser Zustand entwickelt sich nicht von einem Tag auf den anderen, sondern entsteht in einem langen Prozess. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Meist liegt Unzufriedenheit zugrunde, zum Beispiel fehlende Work-Life-Balance, mangelnde Wertschätzung, Probleme mit der Führungskraft oder dem Team, fehlende langfristige Perspektive oder unzureichende Bezahlung.

Vielfältige schwerwiegende Folgen einer inneren Kündigung

Diese Unzufriedenheit zeigt sich in einer geringeren Leistungsbereitschaft. Mitarbeiter sind mit weniger Motivation und Engagement bei der Arbeit, machen nur das Nötigste und übernehmen keine Zusatzaufgaben. Ihre Arbeitsleistung nimmt ab, es passieren zum Beispiel häufiger Fehler. Auch vermehrte Krankheitstage sind möglich. Laut Gallup Engagement Index 2024 kosteten innere Kündigungen die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr 113,1 Mrd. €.

Die Teammitglieder müssen den Leistungsabfall des Mitarbeiters, der innerlich gekündigt hat, ausgleichen. Außerdem kann sich die negative Einstellung auf das Klima im gesamten Team auswirken.

Aber nicht nur die primären wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen und das Arbeitsklima sind kritisch, sondern auch die Auswirkungen auf den betroffenen Mitarbeiter selbst. Eine lange und dauerhafte Unzufriedenheit kann zu psychischen Erkrankungen, wie einer Depression oder Suchterkrankung führen. Zusätzlich steigt das Risiko für Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafstörungen.

Checkliste innere Kündigung

Umso wichtiger also, als Führungskraft rechtzeitig zu reagieren. Ob ein Mitarbeiter innerlich gekündigt hat, lässt sich äußerlich nicht direkt erkennen. Dennoch gibt es einige Warnzeichen, die unbedingt ernst genommen werden sollten. Anhand folgender Checkliste können Sie versuchen einzuordnen, ob Ihr Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt hat:

Der Mitarbeiter

  • zeigt weniger Motivation bei der Arbeit
  • übernimmt keine Zusatzaufgaben und zeigt weniger Engagement
  • bringt weniger eigene Ideen ein
  • macht häufiger Fehler bei seiner Arbeit
  • reagiert auf Feedback gleichgültig oder gar defensiv
  • fällt immer häufiger durch zynische und sarkastische Bemerkungen auf
  • hat weniger Interesse am Kontakt mit den Arbeitskollegen, zum Beispiel gemeinsame Pausen oder außerbetriebliche Treffen
  • kommuniziert vermehrt Unzufriedenheit, etwa in Bezug auf sein Gehalt
  • äußert keine eigenen Anliegen oder persönliche Wünsche zur Arbeitssituation
  • hat deutlich mehr Krankheitstage als zuvor
  • kommt häufiger zu spät oder geht besonders früh
  • spricht nicht mehr in der „Wir-Form“ von dem Unternehmen
  • sieht sich nach externen Weiterbildungen oder Jobs um, beispielsweise im Rahmen von vermehrten LinkedIn-Aktivitäten oder Weiterbildungen außerhalb des Unternehmens

Wichtig ist es, diese Punkte mit dem früheren Bild des Mitarbeiters abzugleichen, um etwaige Änderungen identifizieren zu können. Denn: Einzelne Punkte können auch nur temporär bedingt sein, zum Beispiel im Rahmen von privaten Problemen. Je mehr Punkte jedoch mit Ja beantwortet wurden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt hat oder sich zumindest am Anfang dieses Prozesses befindet.

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Was aber tun, wenn es so scheint, als habe der Mitarbeiter innerlich gekündigt? Dann empfiehlt sich, unbedingt das persönliche Gespräch zu suchen. Hier gilt es, die Ursache für die innere Kündigung zu identifizieren. An dieser Stelle muss dann angesetzt werden, um Veränderungsprozesse einzuleiten. Häufig liegt der Auslöser in Unzufriedenheit mit der Führungskraft begründet. In solch einem Fall sollte das Gespräch mit der Personalabteilung geführt werden. Weitere Maßnahmen können Coaching- und Mentoring-Programme zur Weiterentwicklung des Mitarbeiters sein, insbesondere bei Überforderung am Arbeitsplatz. Auch ein Stellenwechsel innerhalb des Unternehmens kann in Betracht gezogen werden. Grundsätzlich ist es wichtig, die Anliegen des Mitarbeiters ernst zu nehmen und tatsächlich an Veränderungen zu arbeiten.

Noch wichtiger, als irgendwelche Ad-hoc-Maßnahmen einzuleiten, ist es, dafür Sorge zu tragen, dass die Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern gar nicht erst auftritt. Möglich sind beispielsweise regelmäßige Mitarbeiterumfragen, in denen die Zufriedenheit mit dem Arbeitsklima, dem Vorgesetzten, den Arbeitsbedingungen und weiteren Faktoren abgefragt wird. Die Ergebnisse dieser Umfragen sollten analysiert und mit früheren Ergebnissen verglichen werden. Auch in persönlichen Gesprächen lassen sich diese Punkte ansprechen.

Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, kosten ein Unternehmen viel Geld und sollten daher unbedingt vermieden werden. Die Anzeichen für eine innere Kündigung sind häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar, lassen sich jedoch bei genauem Hinsehen anhand einiger Kriterien aufdecken. Spätestens dann sollte das Gespräch mit dem Mitarbeiter gesucht werden, um die Gründe für die Unzufriedenheit zu identifizieren und daran zu arbeiten. Noch wichtiger ist es aber, regelmäßig Gehör für die Belange der Mitarbeiter zu haben, damit Frustrationen frühzeitig erkannt und entgegengewirkt werden kann.

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