Politik

Trump gegen die Welt: Warum Streit mit Verbündeten das China-Problem nur verschärft

Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben zweifellos dem internationalen Ruf der USA auf den Finanzmärkten geschadet und das unerschütterliche Vertrauen der Anleger in den Dollar erschüttert, sagt der Ökonom Mojmir Mrak. Was steckt hinter Donald Trumps Entscheidungen, die Zölle zu erhöhen, diese Erhöhung einzufrieren und wohin steuert die Weltwirtschaft?
01.05.2025 18:01
Lesezeit: 2 min

Die zunehmende Multipolarität und der Wandel der Globalisierung

Was steckt hinter Donald Trumps Entscheidung, die Zölle zu erhöhen und diese dann vorübergehend einzufrieren? Wohin steuert die Weltwirtschaft unter diesen Bedingungen? Darüber sprach der Ökonom beim LJUBLJANA MBA Alumni Event, organisiert in Zusammenarbeit mit der WU Executive Academy MBA Vienna.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Weltwirtschaft zunehmend multipolar geworden, was mit einer Zunahme politischer und wirtschaftlicher Spannungen einhergeht. Die Globalisierung hat an Schwung verloren, und die Bemühungen, China in die Weltwirtschaft zu integrieren, weichen zunehmend einer Ära des Selbstschutzes vor China.

Wie Mrak erklärte, begannen diese Veränderungen lange vor Trumps zweiter Amtszeit. Doch in den ersten Monaten dieser Amtszeit wurden die USA vor allem von Trumps Zöllen geprägt. Im Vergleich zur ersten Amtszeit hat sich Trumps Administration verstärkt mit Menschen umgeben, die seine politischen und wirtschaftlichen Ziele bedingungslos unterstützen. Zudem hat Trump heute ein besseres Verständnis für das amerikanische System, wodurch seine Agenda deutlich strukturierter ist als zu Beginn seiner ersten Amtszeit.

Trumponomics: Gegen China oder gegen alle?

Die Wirtschaftspolitik Trumps, auch als „Trumponomics“ bekannt, konzentriert sich auf innenpolitische Ziele wie Wirtschaftswachstum, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und den Schutz der amerikanischen Wirtschaft. Dies soll durch Steuererleichterungen, Zölle, Deregulierung und eine strenge Einwanderungspolitik erreicht werden. Doch wie Mrak betonte, sind diese Ziele oft widersprüchlich. Steuererleichterungen und Zölle könnten nicht die gewünschten Investitionen und Wirtschaftswachstum bringen, sondern Handelskriege anheizen, die zu höheren Preisen und einem schwächeren Wirtschaftswachstum führen.

Der Preis für den De-facto-Isolationismus

Die Politik der USA unter Trump verändert die Rolle des Landes auf der internationalen Bühne. Es gibt jedoch keinen klaren Plan, wie die USA ihrem größten globalen Konkurrenten, China, begegnen wollen. Mrak stellt fest, dass es schwer zu verstehen ist, warum Trump nicht nur mit China, sondern auch mit seinen Verbündeten streitet – besonders, da er sie im Wettbewerb mit China dringend brauchen würde. Streitigkeiten mit traditionellen Partnern könnten die strategischen Beziehungen der USA destabilisieren und wären kontraproduktiv für die US-Interessen.

Märkte vs. Trump: Wer gewinnt?

Die Einführung von Zöllen war keine Überraschung, da Trump dies bereits im Wahlkampf angekündigt hatte. Die erste Reaktion auf die Zollpakete war ein deutlicher Rückgang der Aktienmärkte, steigende Anleihenrenditen und ein Wertverlust des Dollars. Dies führte zu einer Korrektur der makroökonomischen Prognosen, einer steigenden Inflation und in einigen Fällen sogar zu einer Rezession.

Nach dem Druck der Finanzmärkte setzte Trump jedoch die Umsetzung der Zölle für drei Monate aus. In dieser Zeit begannen die Märkte, sich zu erholen, und Berichte deuteten darauf hin, dass Autohersteller von einigen Zöllen befreit werden könnten.

Auswirkungen auf den Dollar und die Weltwirtschaft

Drei Wochen nach der Aussetzung der Zollerhöhungen kehrten die Aktienmärkte auf das Niveau vor der Ankündigung zurück. Doch die Renditen für US-Staatsanleihen sind weiterhin höher, was darauf hindeutet, dass ausländische Investoren US-Vermögenswerte abstoßen. Dies führt zu einem weiteren Wertverlust des Dollars, was eine neue Entwicklung darstellt, da der Dollar früher als sicherer Hafen in Krisenzeiten galt. Mrak sieht dies als eine mögliche Erosion des bisherigen Status des Dollars.

Die Strategie der "Deals"

Die meisten der am 2. April angekündigten Zollsätze werden wahrscheinlich nicht umgesetzt, glaubt Mrak. Bevor sie in Kraft treten, wird es intensive Verhandlungen zwischen den USA und vielen anderen Ländern geben, um die Zölle zu senken und Handelsvereinbarungen zu treffen. In Trumps Welt bedeutet dies vor allem eines: Verhandlungen und „Deals“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank: UniCredit legt Übernahmeangebot für Commerzbank vor
16.03.2026

UniCredit will die Commerzbank kaufen. Jetzt hat die italienische Großbank ein offizielles Übernahmeangebot für den Konzern vorgelegt....

DWN
Panorama
Panorama Stillstand in Berlin: Wenn der Hauptbahnhof zur 150-Stufen-Falle wird
16.03.2026

Pleite, planlos, kaputt: In Berlin scheitert der Alltag bereits an der Rolltreppe. Während Reisende am Hauptbahnhof unfreiwillige...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Verkaufsspekulationen um Leica: Kamerahersteller Leica bekommt neuen Chef
16.03.2026

2005 schrammte der Kamerahersteller Leica knapp an der Insolvenz vorbei. Mit einer Finanzspritze und geordneter Restrukturierung überlebte...

DWN
Finanzen
Finanzen Analyse: 11 Aktien, mit denen sich ein Portfolio gegen Nahost-Spannungen absichern lässt
16.03.2026

Der Krieg im Iran hat die Finanzmärkte stark verunsichert. Eine Analyse von MarketWatch zeigt, welche Aktien in geopolitischen Krisen...

DWN
Politik
Politik Nach Koalitionsbruch von SPD und BSW: Rot-schwarze Koalition in Brandenburg steht
16.03.2026

SPD und CDU können in Brandenburg loslegen – mit Ministerpräsident Dietmar Woidke an der Spitze. Der Sozialdemokrat, der seit 2013...

DWN
Politik
Politik Gegen Abzocke: Regierung bringt Spritpreis-Paket auf Weg - was geplant ist
16.03.2026

Die Spritpreise sind infolge des Iran-Kriegs gestiegen - zu stark? Politiker warfen Mineralölkonzernen "Abzocke" vor. Wie die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Pleitewelle überrollt Deutschland: Immer mehr Insolvenzen – Standort zu teuer
16.03.2026

Immer mehr Betriebe wanken in die Pleite, wie der IWH-Insolvenztrend von Februar bestätigt. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht...

DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...