Panorama

Jugendstudie: Junge Generation optimistischer, dennoch wird Deutschland "auf dem absteigenden Ast" wahrgenommen

Deutschland werde von jungen Menschen derzeit eher als Gesellschaft „auf dem absteigenden Ast“ wahrgenommen, schreiben die Studienautoren. Es sei fraglich, inwieweit die Jugend noch an eine politische oder wirtschaftliche Wende glaube. Dennoch schöpfen junge Menschen langsam neue Hoffnung für ihr persönliches Leben – während Sorgen über Gesellschaft und Politik bleiben.
21.05.2025 07:38
Lesezeit: 2 min
Jugendstudie: Junge Generation optimistischer, dennoch wird  Deutschland "auf dem absteigenden Ast" wahrgenommen
Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025“: 65 Prozent der 14- bis 29-Jährigen blicken zufrieden auf ihre persönliche Zukunft. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 62 Prozent. (Foto: dpa). Foto: Anastasiia Smolienko

Trotz anhaltender gesellschaftlicher Krisen schätzt eine Mehrheit junger Menschen in Deutschland die eigene Lage wieder etwas optimistischer ein. 65 Prozent der 14- bis 29-Jährigen blicken laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025“ insgesamt zufrieden auf ihre persönliche Zukunft. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 62 Prozent.

Trendwende nach Tiefpunkt

Nachdem die Studie im vergangenen Jahr einen Tiefstand bei der persönlichen und gesellschaftlichen Zufriedenheit der jungen Generation festgestellt hatte, deutet sich nun in zentralen Lebensbereichen eine vorsichtige Trendwende an. Erfasst wurden in der repräsentativen Befragung von 2.027 Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren sowohl die persönliche als auch die gesellschaftliche Zufriedenheit anhand von fünf Indikatoren. Die Bewertungen erfolgten auf einer Skala von minus zwei („sehr unzufrieden“) bis plus zwei („sehr zufrieden“).

Die Zufriedenheit mit der körperlichen Gesundheit ist demnach im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen (0,58 nach 0,44), auch die psychische Gesundheit wird wieder etwas besser bewertet (0,34 nach 0,25). Die Einschätzung der eigenen beruflichen Chancen (0,51 nach 0,46) und der sozialen Anerkennung (0,54 nach 0,47) haben sich ebenfalls leicht verbessert. Nur die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Lage bleibt mit 0,05 nahezu unverändert und bildet das Schlusslicht der persönlichen Indikatoren. Für alle abgefragten Lebensbereiche erwarten die Befragten im Schnitt eine Verbesserung in den kommenden zwei Jahren.

Gesellschaftliche Perspektive bleibt düster

Dem optimistischeren Blick auf das eigene Leben steht ein tiefgreifender Pessimismus gegenüber, was die gesellschaftliche Entwicklung betrifft. Die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und insbesondere mit den politischen Verhältnissen hat sich im Vergleich zum Vorjahr noch verschärft.

In keinem dieser Bereiche erwarten junge Menschen in absehbarer Zeit eine spürbare Verbesserung. Besonders stark ausgeprägt ist der Zukunftspessimismus im Hinblick auf die Politik und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Deutschland werde von jungen Menschen derzeit eher als Gesellschaft „auf dem absteigenden Ast“ wahrgenommen, schreiben die Autoren. Es sei fraglich, inwieweit die Jugend noch an eine politische oder wirtschaftliche Wende glaube.

Mythos „faule Jugend“ widerlegt

Die Studie widerspricht zudem dem hartnäckigen Vorurteil einer „faulen Jugend“. Mit einer Vollzeitquote von 81 Prozent arbeiten junge Erwerbstätige laut Studie häufiger in Vollzeit als ältere Generationen. Bei den 30- bis 49-Jährigen seien es 76 Prozent, bei den 50- bis 69-Jährigen 69 Prozent. Studierende oder Schüler mit Nebenjobs wurden dabei nicht berücksichtigt, um die Vergleichbarkeit zu erhöhen.

Für ihre Leistungsbereitschaft zahlen die Jungen einen hohen Preis. Ein Drittel fühle sich regelmäßig ausgebrannt aufgrund von Stress, hohen Erwartungen oder mangelnder Wertschätzung. Jeder vierte junge Mensch schätze den eigenen psychischen Zustand sogar so belastend ein, dass er behandlungsbedürftig erscheint.

Wo junge Menschen Kraft schöpfen

Kraft schöpfen viele junge Menschen in ihrem persönlichen Umfeld: Familie, Partnerschaft und persönliche Ziele im Leben stehen ganz oben. Religion oder Natur spielen dagegen kaum eine Rolle.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...