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Der Fall Fasana: Fehlende Cybersicherheit wird zum Risiko­faktor

Ein Ransomware-Angriff bringt ein 100 Jahre altes Unternehmen zu Fall. Der Fall Fasana zeigt, wie existenziell Cybersicherheit für den Mittelstand geworden ist – und wie sich Unternehmer jetzt vor Cyberangriffen schützen können.
22.07.2025 12:17
Aktualisiert: 22.07.2025 12:33
Lesezeit: 4 min
Der Fall Fasana: Fehlende Cybersicherheit wird zum Risiko­faktor
Die Fasana GmbH in Bonn: Ein Jahrhundert Firmengeschichte endet durch einen Cyberangriff – ein Weckruf für Deutschlands Industrie. (Foto:dpa) Foto: Lino Mirgeler

Ransomware-Angriff: Ein Klick, der alles lahmlegte

Ein einzelner Cyberangriff hat ein traditionsreiches deutsches Industrieunternehmen in die Insolvenz getrieben. Der wirtschaftliche und politische Schaden reicht weit über Bonn hinaus. Die Fasana GmbH, ein Hersteller von Papierprodukten mit Sitz in Bonn und über 100-jähriger Firmengeschichte, ist pleite. Der Grund: kein Nachfrageeinbruch, keine Managementfehler, kein Finanzcrash – sondern ein gezielter Cyberangriff mit Ransomware. Der Vorfall gilt als einer der ersten Fälle in Deutschland, bei dem ein digitales Sicherheitsversagen ein wirtschaftlich stabiles Traditionsunternehmen unmittelbar zu Fall brachte.

Am 19. Mai wurden sämtliche Systeme des Unternehmens durch eine Ransomware-Attacke lahmgelegt. Interne Daten wurden verschlüsselt, Drucker begannen eigenständig Drohmeldungen auszugeben, und die digitale Infrastruktur – von Produktionssteuerung bis Kommunikation – brach komplett zusammen. Ein einziger Fehlklick eines Mitarbeiters reichte aus, um eine viertelmillionenschwere Lieferung zu blockieren, die auch am Folgetag nicht ausgeliefert werden konnte. Fasana zahlte das von den Angreifern geforderte Lösegeld nicht – aus Prinzip. Doch die Weigerung hatte ihren Preis: Das Unternehmen verlor den Zugriff auf kritische Systeme dauerhaft. Wiederherstellungsversuche waren langwierig und teuer, Großkunden sprangen ab, Verträge wurden storniert. Die wirtschaftliche Abwärtsspirale setzte sich unaufhaltsam in Gang.

Vertrauensverlust als größter Schaden

Der technische Schaden war enorm – doch noch schwerer wog der Vertrauensverlust. Kunden, Lieferanten, Mitarbeitende: Alle Partner sahen sich mit Ungewissheit konfrontiert. Produktionsstillstand, gestörte Kommunikation und unerfüllte Lieferfristen machten die Fasana GmbH geschäftlich handlungsunfähig. Trotz freiwilliger Überstunden der Belegschaft und Unterstützung durch die Stadtverwaltung reichte es nicht: Die Geschäftsleitung musste Insolvenz anmelden.

Derzeit sucht ein Konkursverwalter nach einem Käufer, der den Traditionsbetrieb retten könnte. Die Insolvenz steht stellvertretend für eine veränderte Risikolandschaft im deutschen Mittelstand – mit Cybersicherheit als unternehmensentscheidender Variable.

Digitalisierung: Sofortmaßnahmen für Ihr IT-Sicherheitsmanagement

Der Fall offenbart ein strukturelles Problem: Viele mittelständische Unternehmen haben ihre Prozesse digitalisiert, ohne in gleichem Maße in IT-Sicherheit zu investieren. Was Effizienz verspricht, birgt zugleich neue systemische Verwundbarkeiten. Digitale Resilienz ist heute so entscheidend wie Produktqualität oder operative Exzellenz.

Der Fall Fasana ist mehr als ein tragisches Einzelereignis – er ist ein Weckruf für den gesamten Mittelstand. Wer seine Digitalisierung nicht durch wirksame Sicherheitsmaßnahmen absichert, riskiert alles: Daten, Kunden, Vertrauen. Doch wie können sich Unternehmen wirksam schützen? Welche Maßnahmen helfen sofort? Und welche sind strategisch entscheidend? Klar ist, dass ein einzelner Klick ein Unternehmen schnell in die Knie zwingen kann, wenn es nicht gut genug gegen Cyberangriffe geschützt ist. Daher sollten Unternehmer jetzt handeln – beginnend mit gezielten Penetrationstests, die technische und organisatorische Schwachstellen aufdecken . Parallel lohnt sich die Nutzung von kostenfreien oder geförderten Sicherheits‑Checks – etwa vom BSI, der Sparkassen‑Finanzgruppe oder von externen IT‑Dienstleistern, um ein solides Fundament für den Schutz Ihres Betriebs zu schaffen.

Cybersicherheit zur Führungsaufgabe machen

Obwohl laut einer aktuellen Deloitte-Studie zur Cybersicherheit 77 Prozent der Mittelständler die Angriffsgefahr als mittel bis hoch einschätzen, betrachtet fast die Hälfte der Mittelständler Cybersicherheit bislang nicht als Top-Priorität. Geschäftsleitungen müssen daher strategisch hinter dem Thema stehen und klare Verantwortlichkeiten, Budgets und Prozesse etablieren. Besonders ein schriftlich verankerter Notfall‑Reaktionsplan mit definierten Offline‑Backups und Wiederanlaufprozessen ist essenziell – und laut Studien bei weniger als der Hälfte der Firmen vorhanden .

In 61 Prozent der Fälle gilt übrigens der Mensch als größte Sicherheitslücke im Mittelstand reddit.com+13www2.deloitte.com+13it-sicherheit.de+13. Das zeigt, wie wichtig regelmäßige Sensibilisierung ist: Schulungen zu Phishing, Social Engineering und Passwortdisziplin müssen zur Routine gehören. Simulierte Phishing-Tests ermöglichen zudem ein realistisches Stimmungsbild im Team. Deloitte hebt hervor, dass technische Lösungen ohne menschliches Bewusstsein kaum wirksam sind it-sicherheit.de.

Moderne Technologie einbinden und eine kompakte Sicherheits-Checkliste nutzen

Standard-Schutz wie Firewalls und Antivirenprogramme sind allein nicht mehr ausreichend: 81 Prozent der Firmen geben weniger als 50 000 Euro im Jahr für IT-Sicherheit aus. KI-basierte Detektionssysteme, Verhaltens‑Monitoring und regelmäßige Updates sollten daher Teil der IT-Sicherheitsarchitektur sein. Damit steigt die Chance, Angriffe frühzeitig zu erkennen – Studien zeigen, dass Angriffe oft erst Tage später entdeckt werden.

  • Penetrationstests & Sicherheits-Checks: externe Prüfungen zur Schwachstellenanalyse
  • Notfallmanagement & Offline-Backups: klar definierte Notfallpläne und Wiederherstellungsprozesse
  • Mitarbeiter-Schulungen & Phishing-Tests: kontinuierliche Sensibilisierung auf menschliche Risiken
  • Technologie-Update & KI-basiertes Monitoring: moderne Tools zur Erkennung und Abwehr
  • Verantwortung & Budgetverankerung: klare Zuständigkeiten und angemessene IT-Sicherheitsmittel

Cyberversicherung: Absicherung im Ernstfall – aber kein Ersatz für Prävention

Obwohl nur etwa 25 Prozent der KMU eine Cyberversicherung abgeschlossen haben (2023: ca. 20 Prozent), kann eine solche Police im Ernstfall hilfreich sein. Wichtig ist: Achten Sie auf Assistance‑Leistungen wie Datenrettung und Krisenberatung (wichtig für 53 Prozent der KMU). Viele Tarife kombinieren Schadensschutz mit präventiven Angeboten wie Schulungen oder Phishing-Simulationen, zum Beispiel bei Gothaer.

Eine Cyberversicherung kann im Fall eines Angriffs wichtige finanzielle und organisatorische Unterstützung leisten. Sie greift etwa bei Betriebsausfällen, Kosten für Datenwiederherstellung, IT-Forensik, Rechtsberatung oder PR-Krisenkommunikation. Doch: Sie ersetzt keine Sicherheitsmaßnahmen – im Gegenteil. Viele Versicherer verlangen den Nachweis grundlegender IT-Sicherheitsstandards, bevor sie eine Police abschließen oder im Schadensfall leisten.

Wichtig ist, bei Vertragsabschluss genau hinzusehen: Welche Leistungen sind konkret abgedeckt? Wie hoch ist die Versicherungssumme? Gibt es Assistance-Leistungen wie 24/7-Hotlines, Schulungen oder proaktive Audits? Sinnvoll sind Policen, die neben finanzieller Absicherung auch bei der Prävention helfen. Denn: Eine schnelle Reaktion ist im Ernstfall entscheidend, um größere Schäden zu vermeiden. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen, die über keine eigene IT-Abteilung verfügen, kann eine Cyberversicherung ein wichtiger Baustein in der Sicherheitsstrategie sein – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Sie bietet Sicherheit in unsicheren Zeiten und sendet auch an Geschäftspartner das Signal: Wir nehmen Cyberschutz ernst.

Cyberangriffe sind keine abstrakte Bedrohung

Der Fall Fasana macht deutlich: Cyberangriffe sind keine abstrakte Bedrohung, sondern eine reale Gefahr – gerade für den Mittelstand. Wer jetzt nicht handelt, riskiert nicht nur Daten, sondern die Existenz seines Unternehmens. Mit klaren Verantwortlichkeiten, technischer Aufrüstung, geschulten Mitarbeitenden und einer durchdachten Sicherheitsstrategie lässt sich digitale Resilienz aufbauen. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern Prävention. Denn wer vorbereitet ist, kann im Ernstfall schnell reagieren – und bleibt handlungsfähig, wenn es wirklich zählt.

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