Wirtschaft

Lieferkettengesetz: EU-Staaten streben deutliche Abschwächung an

Die EU-Staaten streben eine erhebliche Abschwächung der geplanten europäischen Lieferkettenrichtlinie an. Unternehmen sollen künftig nur noch dann unter die Regelung fallen, wenn sie mehr als 5.000 Mitarbeitende haben – statt wie bislang vorgesehen 1.000. Zusätzlich soll die Schwelle beim Jahresnettoumsatz von 450 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro angehoben werden.
24.06.2025 18:00
Lesezeit: 1 min

Das Bundesarbeitsministerium äußerte sich zunächst nicht zur aktuellen Position Deutschlands. Ursprünglich wurde die Richtlinie bereits im Vorjahr beschlossen, doch Änderungen werden diskutiert, noch bevor sie überhaupt angewendet wurde.

Was bedeutet die Reform für Unternehmen in der EU?

Polens Europaminister Adam Szlapka teilte mit, damit werde ein entscheidender Schritt für ein günstigeres Geschäftsumfeld geschaffen, "das unseren Unternehmen hilft, zu wachsen, innovativ zu sein und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen." Polen hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne und spielt eine koordinierende Rolle bei der Vorbereitung von Ministertreffen.

Worum geht es beim EU-Lieferkettengesetz?

Das Ziel der Richtlinie ist es, Menschenrechte weltweit zu schützen. Große Unternehmen sollen haften, wenn sie durch ihre Lieferketten von Menschenrechtsverletzungen – etwa Kinder- oder Zwangsarbeit – profitieren. Aufgrund massiver Kritik aus der Wirtschaft wird nun über Vereinfachungen diskutiert.

Wie ist der Stand im Europäischen Parlament?

Im Parlament laufen noch intensive Beratungen darüber, welche Position vertreten werden soll. Erst danach können die finalen Verhandlungen mit dem Rat der EU-Staaten beginnen. Anna Cavazzini, Vorsitzende des Binnenmarktausschusses und Mitglied der Grünen, kritisierte: „Die EU-Staaten machen sich zum Erfüllungsgehilfen der Lobbyverbände.“

Welche Pflichten für Unternehmen sollen wegfallen?

Auch bei der Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette sollen Unternehmen künftig entlastet werden. Sie sollen sich nur noch auf risikobehaftete Bereiche konzentrieren müssen – und nicht mehr auf die gesamte Lieferkette. Eine detaillierte Bestandsaufnahme aller Zulieferer wäre damit nicht mehr nötig; stattdessen sollen allgemeinere Risikoanalysen ausreichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deepal S05 im Test: Der Chinese, der keiner sein will
05.09.2026

Der Deepal S05 kommt aus China, trägt aber deutlich europäische Züge. Entworfen wurde der Elektro-SUV in Turin, und genau das merkt man...

DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...