Politik

Krankenkassen schlagen Alarm: Zusatzbeiträge könnten deutlich steigen

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) warnen vor Druck zu neuen Beitragserhöhungen ohne eine rasche Bremse für steigende Kosten. "Die Ausgabendynamik ist ungebrochen. Wenn sie so hoch bleibt, dann steigen die Zusatzbeiträge zum Jahreswechsel erstmals auf drei Prozent", sagte der neue Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dies gelte trotz eines angekündigten Bundes-Darlehens.
01.07.2025 14:12
Lesezeit: 2 min

Wegen steigender Kosten waren die Zusatzbeiträge, die die Kassen jeweils für ihre Versicherten festlegen, zu Jahresbeginn schon auf breiter Front gestiegen - im Schnitt auf 2,9 Prozent. Das war mehr als die erwartete Zunahme um 0,8 Punkte auf einen amtlichen Orientierungswert von 2,5 Prozent. Zum gesamten Beitrag gehört daneben der allgemeine Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns.

Hoffen auf Aufschwung "gewagt"

Die Spirale drehe sich immer weiter, warnte Blatt. Bei den Kliniken legten die Kosten aktuell um fast zehn Prozent zu, bei den Praxen um sieben Prozent, bei Arzneimitteln um mehr als sechs Prozent. Der GKV-Chef betonte mit Blick auf jüngste Tarifsteigerungen, es gebe nicht zu wenig Einnahmen, sondern zu hohe Ausgaben. "Die Zuversicht der Politik, es werde schon irgendwie gut gehen, ist mehr als gewagt", sagte er zu Hoffnungen auf einen Wirtschaftsaufschwung.

Der Verband forderte erneut, dass die Gesamtausgaben nicht stärker steigen dürften als die Einnahmen der Kassen. "Das heißt nicht, dass es Nullrunden geben wird", sagte Blatt. Am Beispiel dieses Jahres dargestellt, könnten die Ausgaben um 5,1 Prozent steigen, also wie die Einnahmen aus den Beiträgen.

Finanzlücke für 2026 schon in Sicht

Die Bundesregierung plant, die Kassen über den regulären Jahreszuschuss von 14,5 Milliarden Euro hinaus zu stützen. Das Kabinett verständigte sich in den Eckpunkten für den Haushalt 2025 auf zwei neue Darlehen und die spätere Rückzahlung eines alten Darlehens. Das soll die Lücke für 2026 reduzieren. Laut Gesundheitsministerium reicht es aber noch nicht, um Beitragssteigerungen zu verhindern. GKV-Chef Blatt nannte die Darlehen "politische Augenwischerei".

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bekräftigte das Ziel, in den Haushaltsberatungen noch mehr Geld zu mobilisieren. Sie wandte sich gegen Überlegungen der mitregierenden SPD, die Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung anzuheben. Dies bedeutete auch eine Beitragserhöhung, die man vermeiden wolle, um Arbeit nicht noch teurer zu machen, sagte Warken im ARD-"Morgenmagazin". Es träfe zudem nicht nur Spitzenverdiener. "Auch Facharbeiter würden einige Hundert Euro mehr im Jahr dann zahlen müssen."

Aktuell liegt die Grenze bei 5.512,50 Euro monatlich - bis zu dieser Schwelle müssen Beiträge abgeführt werden, Einkommen darüber bleibt beitragsfrei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Cum-Ex-Skandal: Deutsche Bank zahlt 29 Millionen an Fiskus
18.03.2026

Im Cum-Ex-Skandal übernimmt die Deutsche Bank einen Teil der Steuerschuld für zwei Fonds. Damit ist dieses Thema aber für Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fed und EZB unter Druck: Iran-Krieg verschärft den Zinskonflikt
18.03.2026

Vor den geldpolitischen Sitzungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank richten sich die Erwartungen der Märkte klar auf neue...

DWN
Panorama
Panorama BER-Warnstreik: Flüge gestrichen – welche Rechte Passagiere jetzt haben
18.03.2026

Der Warnstreik am BER bringt den Flugverkehr in Berlin komplett zum Erliegen. Tausende Reisende stehen vor kurzfristigen Änderungen ihrer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Möbelriese Hammer-Baumärkte im Insolvenzverfahren: Räumungsverkauf beginnt
18.03.2026

Nach dem Insolvenzverfahren verschwinden rund die Hälfte aller Hammer-Märkte in Deutschland. Während der Insolvenzverwalter nach einem...

DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verstärkt Wetterextreme: Warum es zu Wasserknappheit kommen kann
18.03.2026

Trockenperioden und Starkregen wechseln sich ab: Warum Wasser in Deutschland manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und welche...

DWN
Politik
Politik Sorge um Stabilität: Berlin fordert mehr EU-Hilfe für Syrien
18.03.2026

In Deutschland leben auch mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad noch Hunderttausende Flüchtlinge aus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krise in deutscher Autobranche - Rüstungsindustrie als Rettungsanker
18.03.2026

Die Absatzschwäche der Autohersteller trifft viele Zulieferbetriebe in Deutschland. Deswegen sind Alternativen gefragt. Wie die boomende...

DWN
Politik
Politik Rheinland-Pfalz wählt am 22. März: Kopf-an-Kopf-Rennen von SPD und CDU
18.03.2026

Seit 1991 besetzt die SPD in Rheinland-Pfalz durchgehend das Amt des Ministerpräsidenten. SPD und CDU liegen momentan in den Umfragen fast...